Willi Baumeister

Mit rotem Kreis
1951

Willi Baumeister, Mit rotem Kreis
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl und Kunstharz auf Hartfaser

65 × 81 cm

Signiert und "1.51" datiert sowie rückseitig nochmals signiert, datiert, betitelt, "nach Berlin" und "81x65" beschriftet

Werkverzeichnis Beye/Baumeister 2002 Nr. 1715; Werkverzeichnis Grohmann 1963 Nr. 1281

Provenienz

Sammlung Eline & Maxwell S. McKnight, Scarsdale/New York; Privatsammlung (1979 vom Vorgenannten erworben); Galerie Wolfgang Ketterer, München (36. Auktion, 26.11.1979, Los 137, S. 33); Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2021", Düsseldorf 2021
  • Museum Villa Stuck, "Hommage à Günther Franke", München 1. Juli -18. September 1983
  • Hochschule für Bildende Künste, "Deutscher Künstlerbund 1950. Erste Ausstellung", Berlin 1951
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2021", Düsseldorf 2021, S. 10
  • Peter Beye/Felicitas Baumeister, "Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde", Bd. II, Ostfildern 2002, Nr. 1715
  • Museum Villa Stuck (Hg.), "Hommage à Günther Franke", Ausst.-Kat., München 1983, Nr. 3, S. 29
  • Will Grohmann, "Willi Baumeister – Leben und Werk", Köln 1963, Nr. 1281
  • Deutscher Künstlerbund, "Deutscher Künstlerbund 1950. Erste Ausstellung", Ausst.-Kat. Hochschule für Bildende Künste, Berlin 1951, Nr. 13

»Das Kunstwerk baut sich in einer anderen Logik auf. Es wird zu einem Organismus, der nicht auf Imitation sich gründet, sondern aus dem was man Kreation nennt. Auf der gemalten Fläche spielt sich ein Drama ab, das auf Farben und Formen beruht, auf Kontrasten und Ergänzungen, Beeinflussungen und gewissermaßen auf großen Umwegen zu einer Endharmonie gelangt.«1

Unser Gemälde »Mit rotem Kreis« von Willi Baumeister entstand 1951. Auf einem weißen, speziell behandelten Untergrund finden sich verschiedenförmige und -farbige Flächen. Der gewollt unruhige Untergrund, in dem Sand in die Farbe beigemischt wurde, zeigt Parallelen zu prähistorischer Felsenmalerei, die eine feste Inspirationsquelle für Baumeisters Bildsprache ist. Die Flächen in klaren und reinen Farbtönen entspringen geometrischen Formen. Verschiedenste kreisförmige und eckige Formen werden von Linien durchbrochen und verbunden. Das Bild ist in frontaler Ansicht angelegt. Es gibt keine Dreidimensionalität oder Räumlichkeit. Allein die teilweise sich überlagernden Flächen und Linien sowie die unterschiedlichen Größen suggerieren einen Vorder- und Hintergrund und lassen das Bild bewegt erscheinen. Das Werk zeigt die Entwicklung zur bedeutenden Werkgruppe »Mogador«, die ab 1951 entsteht.

Zeit seines Schaffens ist Baumeister an außereuropäischen Kulturen, dem Fernen Osten, den präkolumbischen und afrikanischen Künsten interessiert. Mogador, der Titel seiner Bildreihe, ist der frühere Name der Stadt Essaouira in Marokko in Nordafrika gewesen. Als unermüdlicher Forscher und Sammler besitzt Baumeister afrikanische Skulpturen, Masken und Gebrauchsgegenstände, in denen er, wie in den Zeugnissen der Vorgeschichte, allgemeingültige Bilder für das Leben, Werden und die menschliche Existenz sieht. In steter Auseinandersetzung mit dem Menschenbild gewinnt Baumeister eine eigene Formensprache. Die strikte Trennung zwischen figürlicher und abstrakter Darstellung ist ihm nicht so wichtig. Vielmehr setzt er sich mit Formen, Farbe und Materialität auseinander. Auf der Suche nach der Grundlage der Kunst steht die Beziehung zwischen Wirklichkeit und Abbild ganz oben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Arbeitsverbot während der nationalistischen Besetzung, gründete Willi Baumeister 1949 die Künstlergruppe »Gegenstandslose«, die 1950 erstmals unter dem Namen »Zen49« ausstellte. Von 1951 bis 1954 gehörte er dem Vorstand des wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes an und unser Werk »Mit rotem Kreis« war auf dessen erster Ausstellung ausgestellt.

1 Willi Baumeister, »Über das Eigengesetzliche in der Kunst«, 1952.

Über Willi Baumeister

Willi Baumeister setzte sich mit seiner Kunst und seinen Schriften maßgeblich für die Abstraktion und die Wiederanerkennung der deutschen Moderne nach 1945 ein.

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