Winfred Gaul

38-92
1992

Winfred Gaul, 38-92
© VG Bild-Kunst, Bonn

Acryl auf Leinwand

100 × 80 cm

Rückseitig signiert, datiert, "Nr. 38-92" und "Acryl/Lwd." beschriftet

Provenienz

Atelier des Künstlers; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020". Düsseldorf 2020
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020", Düsseldorf 2020, S. 36

Winfred Gaul wurde stark beeinflusst von den Erlebnissen des Zweiten Weltkrieges und dem Paradigmenwechsel der Nachkriegszeit. Der Geist des Neuanfangs und des Aufbruchs weckten auch in ihm ein starkes Augenmerk für den Prozess der Erneuerung. Zunächst gilt sein großes Interesse noch den skripturalen Gesten des Informel, die er meisterhaft beherrschte und für die er bereits in und über Deutschland hinaus bekannt war. Wenn man Gauls Werk zu charakterisieren versucht, dann kann man nur die stetige Erneuerung als Bogen über die mehr als 50 Jahre Malerei spannen. Neuerfindungen, die den Künstler wie auch die Betrachter und Sammler immer wieder weg von Liebgewonnenem führen.

Ab den 1960er Jahren interessieren Gaul zunehmend die Eigenständigkeit der Farbe und die Offenheit der Formen. Hierbei folgt er seinem Instinkt, ebenso wie seiner großen Phantasie und seinen tiefgreifenden Überlegungen, die er häufig sehr gewinnbringend formuliert hat.

Unser Werk »38-92« ist der Spätphase seines Œuvres zuzuordnen, in der er Bildideen aus früheren Phasen noch einmal aufgreift und variiert. Hier verbindet er die für sein informelles Werk typischen, stilistischen Merkmale mit denen der konzeptuelleren, strenger auf Farbe und Form konzentrierten Zeit.

Die sicher gesetzten blauen und roten Striche orientieren sich an einer Diagonalbewegung von der unteren linken zur oberen rechten Ecke hin. Diese folgen aber keineswegs streng dieser Ausrichtung. Vielmehr achtet Gaul darauf, dass die sich komplementär kontrastierenden Striche eher in einer Art Meer aus beiden Farben bewegen. Wo sie sich überlagern, schenkt der Künstler uns ein strahlendes Violett. Es entsteht ein Davor und Dahinter – eine Dynamik, die unser Auge nicht nur kurz reizt, sondern in die trans­zendente Ferne entführt und uns Energie verleiht. Gaul gelingt nahezu intuitiv eine Synthese von Gegensätzen, die das Motiv auf erstaunliche Weise harmonisieren. Farbkontraste, die eigentlich eine abstoßende Wirkung haben sollten, wirken reizvoll. Sogar Altes und Neues, das sich eigentlich in vielerlei Hinsicht widersprechen sollte, kann harmonisieren. Vielleicht liegt die Haupterkenntnis des späten Gaul – nach Jahrzehnten an der malerischen Front – darin, dass Erneuerung nicht immer durch vollständig Neues erzielt werden muss, sondern dass auch die Synthese mehrerer starker Argumente neue Entdeckungen ermöglichen kann.

Über Winfred Gaul

Winfred Gaul wurde 1928 in Düsseldorf geboren. Nach einer Bildhauerlehre studierte er von 1950 bis 1953 bei Willi Baumeister und Mannfred Heinniger an der Kunstakademie in Stuttgart. 1955 schließt er sich der Düsseldorfer Künstlervereinigung Gruppe 53 an, die zu einer der Keimzellen des deutschen …

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