Kunsthaus NRW, Münster:
"Klassenverhältnisse – die zweite Staffel. Kunstlehre von 1946 bis 2026"
10. Mai – 27. September 2026
Nach dem ersten Teil »Klassenverhältnisse. Lehrende, Lernende, Künstler:innen« führt das Kunsthaus NRW das Ausstellungsprojekt 2026 mit neuen Kunstwerken und Schwerpunkten fort. »Klassenverhältnisse – die zweite Staffel« erkundet den Kosmos Kunsthochschule anhand von rund 130 Werken aus der eigenen Sammlung sowie ausgewählter Leihgaben aus der Akademie-Galerie der Kunstakademie Düsseldorf. Die neue Ausstellung nimmt die klassischen Kunstgattungen zum roten Faden: Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Kunst auf Papier, Druckgrafik, Film, Video, Performance sowie all die Mischformen zeitgenössischer Kunstproduktion. Neben Fragen der handwerklichen Ausbildung treten Aspekte, die schwieriger zu fassen sind: Wie vermittelt sich so etwas wie Haltung, konzeptuelles Denken, oder gar – man denke an Sigmar Polke – Humor?
Der Rundgang beleuchtet die Kunstgattungen ebenso wie die historischen Entwicklungen seit der Wiedereröffnung der Düsseldorfer Akademie 1946. In der Spannung zwischen alten Professoren, jungen Studierenden und engagierten Künstler:innen wie Otto Pankok rekonstruiert sie Genealogien von Lehrenden, die einmal Studierende von Lehrenden waren, die ihrerseits Lehrer hatten. Günther Uecker studierte in Düsseldorf bei Otto Pankok und unterrichtete seinerseits Klaus Schmitt, der eigens für die Ausstellung eine Hommage an seinen ehemaligen Professor realisiert.
In Teil II des Ausstellungsprojekts zeigt sich verstärkt die globale Vernetzung der nordrheinwestfälischen Kunsthochschulen. So sind die Klassen einflussreicher Professor:innen wie Jan Dibbets, Peter Doig, Dominique Gonzalez-Foerster und Christopher Williams in der Ausstellung vertreten. Berücksichtigt werden weiterhin die Klassen Katharina Fritsch, Katharina Grosse, Andreas Gursky, Magdalena Jetelová, Markus Lüpertz, Albert Oehlen, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel und Timm Ulrichs.
Bei Sigmar Polke ließ sich nicht nur der experimentelle Umgang mit Motiven und Materialien studieren: Als Künstler wie als Professor vermittelte Polke besondere Impulse zur humorvollen Reflexion der Kunst – nicht in Düsseldorf, wo er einst mit seinem Studienfreund Gerhard Richter die Akademie besucht hatte, sondern an der Akademie in Hamburg. Seine Studenten Georg Herold und Albert Oehlen wiederum lehrten später in Düsseldorf und sind ebenfalls in der Ausstellung vertreten.
Ein Exkurs widmet sich Studierenden, die sich von der akademischen Lehre frei machten und ihre Inspiration an anderen Orts suchten. August Macke etwa fand sie Anfang des 19. Jahrhunderts in Paris, wo er Cézanne studierte und u.a. Robert Delaunay in seinem Atelier besuchte. Ein weiterer Exkurs zeigt die Tragik fehlgeleiteter Lehre während der Diktatur des Nationalsozialismus.
Auch eine völlig unakademische Frage wirft die Ausstellung auf: Was folgt nach dem Ende des Kunststudiums? Ein Spagat zwischen White Cube und Markt? Ironisch reflektiert eine Installation von Alex Wissel aus der Serie »Rheingold« das Betriebssystem Kunst, das auf die jungen Künstler:innen (nicht) wartet. Die letzte Station des Rundgangs ist als offene »Aula« gestaltet, die mit einer »Versammlung« von Werken aktueller Professor:innen zum Verweilen und Gespräch einlädt.
Die Ausstellung setzt sich im Skulpturengarten fort mit neuen Interventionen von Ayşe Erkmen, Anys Reimann und Berit Schneidereit. In den angrenzenden Gebäuden sind multimediale Installationen des Künstlerduos Lex Rütten & Jana Kerima Stolzer sowie Performance-Videos von Evamaria Schaller zu sehen.