August Macke, Jünglinge

Bleistift auf Papier

27,2 × 41,2 cm

Rückseitig auf dem Nachlassstempel "BZ 8/2" nummeriert und "Jünglinge 1911" beschriftet

Werkverzeichnis Heiderich 1993 Nr. 685

45.000,00 €

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Provenienz

Galerie Vömel, Düsseldorf (vor 1965); Privatsammlung Norddeutschland; Hauswedell & Nolte, Hamburg (11.-12. Jun. 1982); Privatsammlung Lüneburg

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
  • Galerie Ludorff, "Portfolio No. 1 – A Collection of Drawings", Düsseldorf 2026/2027
  • Galerie Linssen, "August Macke und die Rheinischen Expressionisten", Bonn 1977
  • Galerie Vömel, "August Macke. Ölbilder, Aquarelle, Pastelle, Zeichnungen", Düsseldorf 1974
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 98
  • Galerie Ludorff, "Portfolio No.1 - A Collection of Drawings", Düsseldorf 2026, S. 56
  • Ursula Heiderich, "August Macke – Zeichnungen – Werkverzeichnis", Stuttgart 1993, Nr. 685
  • Galerie Linssen (Hg.), "August Macke und die Rheinischen Expressionisten", Ausst.-Kat., Bonn 1977, Nr. 12
  • Galerie Vömel (Hg.), "August Macke. Ölbilder, Aquarelle, Pastelle, Zeichnungen", Ausst.-Kat., Düsseldorf 1974, Nr. 43

Die Zeichnung „Jünglinge“ zeigt drei nackte männliche Figuren in einer architektonisch geprägten Umgebung. Zwei Jünglinge stehen im Vordergrund mit dem Rücken zu dem Betrachter, während die dritte Figur in der Bildmitte sitzt und ihren Körper leicht nach links dreht. Die stehende Figur auf der linken Seite neigt den Kopf nach vorne und wirkt ruhig und in sich gekehrt. Der Oberkörper der rechten Figur ist leicht von der Bildmitte abgewandt. Die beiden stehenden Jünglinge rahmen die sitzende Figur ein und lenken den Blick in die Bildmitte. Gleichzeitig führen die zahlreichen diagonalen Linien den Blick in die Tiefe des Bildraums. Die Gesichter der Figuren sind nur angedeutet und zeigen keine individuellen Merkmale. Dadurch wirken die Jünglinge eher als allgemeine Menschentypen, denn als konkrete Personen.

Der Hintergrund besteht aus einer Vielzahl gerader und schräg verlaufender Linien sowie geometrischer Flächen, die an Gebäude, Wände oder Fenster erinnern. Die Architektur ist nicht naturalistisch dargestellt, sondern vereinfacht und in kantige kubistische Formen gegliedert. Durch die sich überschneidenden Linien entsteht eine räumliche Tiefe. Gleichzeitig wirkt der Raum konstruiert und dynamisch. Die Figuren sind eng mit dieser Architektur verbunden und scheinen in die geometrische Raumstruktur eingebettet zu sein.

August Macke verwendet weiche Kohle- oder Kreidestriche, um die Körper plastisch zu modellieren. Schraffuren und leichte Hell-Dunkel-Abstufungen verleihen den Figuren Volumen, während große unbezeichnete Papierflächen eine helle und offene Bildwirkung entstehen lassen. Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen den weich gerundeten Konturen der menschlichen Körper und den kantigen, geradlinigen Formen der Architektur.

Eine erzählerische Handlung ist nicht erkennbar. Vielmehr konzentriert sich die Darstellung auf das Verhältnis von menschlicher Figur zu architektonischem Raum sowie auf das Zusammenspiel von organischen und geometrischen Formen. Insgesamt vermittelt das Blatt einen ruhigen und zugleich spannungsreichen Eindruck und pointiert die Einheit von Geist und Form. Macke war überzeugt, dass Kunst nicht einfach die sichtbare Natur kopiert. Seine künstlerische Form sei stattdessen ein direktes Spiegelbild der inneren Verfassung eines Menschen und so könnte man das Werk als Ausdruck der Gelassenheit Mackes verstehen.

„Jünglinge“ gehört zu einer entscheidenden Entwicklungsphase im Werk August Mackes. Im Jahr 1911 löste sich Macke zunehmend von seinen früh- und spätimpressionistischen Einflüssen und setzte sich intensiv mit den neuesten Strömungen der europäischen Avantgarde auseinander. Insbesondere die Begegnung mit dem Kubismus und den Werken Robert Delaunays führte zu einer stärkeren Vereinfachung und Geometrisierung seiner Formensprache. Gleichzeitig blieb Macke der gegenständlichen Darstellung verpflichtet und entwickelte seine eigene, harmonische Variante des Expressionismus.

Anders als beispielsweise Pablo Picasso oder Georges Braque zerlegt Macke die Figuren nicht vollständig in Facetten. Vielmehr übernimmt er kubistische Raumprinzipien, ohne die Lesbarkeit des Motivs aufzugeben. Die menschliche Figur bleibt Zentrum der Darstellung und bewahrt ihre harmonische Geschlossenheit. Dies unterscheidet Mackes Werk grund­legend von den analytischen Experimenten des französischen Kubismus.

Zeichnungen dienten Macke häufig als Mittel der formalen Erprobung. An ihnen untersuchte er Komposition, Raumkonstruktion und Figurenrhythmus, bevor er vergleichbare Fragestellungen in der Malerei weiterentwickelte. Das Blatt dokumentiert somit den Prozess der künstlerischen Suche nach einer modernen Bildordnung.

Das Thema des nackten Jünglings verweist auf eine seit der Antike bestehende Tradition idealisierter männlicher Körper. Macke interessiert sich jedoch weniger für klassische Schönheit oder heroische Ideale als für die formale Einbindung der Figur in den Raum. Die Jünglinge erscheinen anonym und ohne narrative Funktion. Sie sind Träger kompositorischer Beziehungen und dienen der Untersuchung von Bewegung, Körpervolumen und räumlicher Organisation.

„Jünglinge“ markiert den Übergang von der zeichnerischen Formsuche zu jener lichtdurchfluteten, rhythmisch aufgebauten Bildwelt, die August Macke zu einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus machte.

Über August Macke

Das vielfältiges künstlerisch Œuvre August Mackes umfasst Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen und zeichnet sich auch motivisch durch große Vielfalt aus.

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Ausstellungen zum Werk
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