Ernst Ludwig Kirchner, Müggelsee (Segelboote)

Bleistift und Aquarell auf Papier

21,4 × 27,6 cm

Signiert sowie rückseitig mit dem Basler Nachlassstempel versehen und "A Dre/Aa 11" und "K 1399" nummeriert sowie "DL503", "0295", "1005" bezeichnet und "DOGANA IV - I +" gestempelt

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert

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Provenienz

Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946, Stuttgarter Kunstkabinett Roman Ketterer 1954); Sammlung Serge Sabarsky, New York (8. Okt. 1969); Parke-Bernet, New York (Nov. 1970); Galerie Dr. Rainer Horstmann (ca. 1971); Wilhelm Grosshennig, Düsseldorf (1974-1975); Sammlung Irmtraut Werner, Wien; Nachlass Irmtraut Werner, Wien; Privatsammlung Wien

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Nach der Natur", Düsseldorf 2017
  • Albertina Museum, "Kirchner, Heckel, Nolde – Die Sammlung Werner", Wien 2012
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2023", Düsseldorf 2023, S. 52
  • Galerie Ludorff, "Nach der Natur", Düsseldorf 2017, S. 44
  • Albertina Museum, "Kirchner, Heckel, Nolde – Die Sammlung Werner", Ausst.-Kat., Wien 2012, Nr. 29
  • Wilhelm Grosshennig, "Ausstellung Deutscher und Französischer Meisterwerke des 20.Jahrhunderts", Düsseldorf 1974, S. 18
  • Galerie Wilhelm Grosshennig, "Ausstellungs- und Angebotskatalog deutscher und französischer Kunstwerke des 20. Jahrhunderts", Düsseldorf 1974, S. 13

Anfang 1910 machte die Künstlergemeinschaft »Brücke« sich auf, einen »Fuß in die Tür« zum Berliner Kunstgeschehen zu bekommen. Max Pechstein, der schon ein Atelier in der Durlacher Straße 15, Berlin-Friedenau, bezogen hatte, schickte eine Postkarte nach Dresden: »Gestern Eröffnung der Neuen Secession. Presse sehr günstig, bin Präsident gewählt. Eben ein Bild verkauft.« (1) Heckel und Kirchner reagierten, reisten – zur Zeit der Kastanienblüte – in die Metropole. Doch Kirchner blieb zurückhaltend, suchte nicht die von Hektik durchzogene Großstadt, nicht ihren elektrisierenden Rhythmus. Vielmehr zog es ihn – das sollte in den Jahren 1913 bis 1915 anders sein – in die Ruhe, in die Zurückgezogenheit.

Innerlich war er mit seinem Fühlen und Erleben an den Moritzburger Teichen. Und so stellte er in Grünau und dem nahen Müggelsee seine Staffelei auf, malte, zeichnete, atmete ein wundervoll schwebendes Geschehen ein: Auf dem Wasser – Segelboote – und in einer weiten, von lebhafter Farbigkeit durchzogenen Uferlandschaft. Sein Gemälde »Müggelsee bei Berlin mit blühenden Kastanienbäumen« (2) fing diese Atmosphäre ein – und in dem leichten, flüssig durchscheinenden Ton des Aquarells »Müggelsee« fand er zu der gültigen Sprache für das, was ihn umgab. Wenige Bleistiftstriche – und dann übernahm die heitere Aquarellfarbe in der Gestaltung von Bäumen, Dächern, Türmen, sechs Segelbooten und dem immer bewegten Wasser die Regie. Selten hat Kirchner – wie hier – die Linie so sehr zurückgenommen und das Bildgeschehen den großen farbigen Flächen überlassen.

Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, September 2023

1 Postkarte an Erich Heckel, Mai (?) 1910, Altonaer Museum.

2 Donald E. Gordon, »Ernst Ludwig Kirchner. Mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde«, München 1968, Nr. 138. Dieses Gemälde muss Kirchner viel bedeutet haben. Er schenkte es seinem Bruder Ulrich zu dessen Hochzeit

Über Ernst Ludwig Kirchner

Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner war Mitbegründer der Künstlervereinigung »Brücke«, in deren Schaffensfokus das Medium der Zeichnung stand.

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