Ernst Ludwig Kirchner

Sitzende Frau mit einem Hut in einem Restaurant
ca. 1912

Ernst Ludwig Kirchner, Sitzende Frau mit einem Hut in einem Restaurant

Aquarell, Deckfarben und Bleistift auf Papier

34,2 × 27 cm

Signiert und rückseitig "KA 18" und "Leihgeber: F. Gygi Florastrasse 6" bezeichnet

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert

Provenienz

Sammlung Gervais, Zürich/Lyon [= Nachlass des Künstlers]; Sammlung F. Gygi, Bern (seit 1948, gekauft bei Arnold Rüedlinger in der Kunsthalle in Bern anläßlich der Ausstellung „Paula Modersohn und die Maler der Brücke“); Nachlass F. Gygi, Bern

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "40 Jahre 40 Meisterwerke", Düsseldorf 2015

1905 wurde die Künstlergemeinschaft „Brücke“ von vier Dresdner Architekturstudenten gegründet. Zwei aus der Gruppe, nämlich Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner brachten es sogar zum Studienabschluss mit Diplom. Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel dagegen

wechselten vorher schon zur Malerei. Für die Entwicklung des Expressionismus war das zwar belanglos, doch überraschend ist, dass außer Bleyl ausgerechnet Kirchner diese gar nicht so einfache Prüfung ablegte, war er es doch, dessen Stil sich so weit wie sonst bei keinem von jeder Konvention gelöst hatte. Aber er hatte offensichtlich die Fähigkeit, sich auf Baupläne und Berechnungen zu konzentrieren, Dinge, die weit entfernt lagen von seiner entfesselten Malerei und von seinem ziemlich wüsten Leben.

Ein Zwiespalt, eine Ambivalenz, die sich in gewisser Weise in seiner Kunst wiederholt, sie neigt bei aller Genialität zum Chaos, zeigt trotz aller Radikalität, trotz Sicherheit in Komposition und Farbe auch einen Hauch Unstetigkeit und rastlose Suche. Besonders in seinen Zeichnungen offenbart sich sein Naturell, hier ist Kirchner ganz bei sich: Mit wenigen Strichen, das Wesentliche sofort erfassend, war in Minuten eine Skizze entstanden. Zeichnungen, die niemals korrigiert wurden und die in ihrem direkten Zugriff, in ihren kurvigen Linien und ungeduldigen bis schroffen Strichen, eine neue Dimension in der grafischen Kunst darstellten. Sie werden heute wegen ihrer Einmaligkeit als eine der großen Leistungen des Expressionismus angesehen.

Auch das Blatt Sitzende Frau mit einem Hut in einem Restaurant hat als Grundlage solch eine direkt en face, im Restaurant entstandene Zeichnung. Nachträglich hat der Maler bei der Figur, in Aquarell, mit Blau und Beige Akzente gesetzt; und später, das Sofa schwarz, sowie den Hintergrund rotbraun mit Leimfarbe ausgemalt.

Klaus Fußmann Künstler, Berlin/Gelting

Über Ernst Ludwig Kirchner

Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner war Mitbegründer der Künstlervereinigung »Brücke«, in deren Schaffensfokus das Medium der Zeichnung stand.

Weitere Werke
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