Ernst Ludwig Kirchner

Straßenbahn. Berlinerstraße in Dresden
ca. 1910

Ernst Ludwig Kirchner, Straßenbahn. Berlinerstraße in Dresden

Ölkreide, Tusche und Aquarell auf Papier

27,8 × 37,2 cm

Signiert sowie rückseitig mit dem Basler Nachlassstempel und der Nummerierung „A Dre/Ab 10"

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert

Provenienz

Nachlass des Künstlers; Privatsammlung Düsseldorf; Kornfeld & Klipstein, Bern (1968); Hauswedell & Nolte, Hamburg (1981); Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen
  • Kunsthalle Düsseldorf, "E. L. Kirchner", Düsseldorf 1960
Literatur
  • Kunsthalle Düsseldorf, "E. L. Kirchner", Ausst.-Kat. 23, Düsseldorf 1960

Aus leicht erhöhter Perspektive zeigt uns Ernst Ludwig Kirchner hier in warmen Ocker-, Braun- und Gelbtönen eine Dresdner Straßenszene mit zwei Straßenbahnen. Die Komposition ist wohl überlegt und lenkt den Blick des Betrachters gekonnt durch die Szene: Kirchner rückt die Straße mit den beiden Bahnen aus dem Zentrum des Bildes nach rechts und erlaubt so einen Blick auf die zwei Häuser auf der linken Seite. Die von der Bildmitte diagonal nach hinten rechts verlaufende Baumreihe unterstützt die Blickführung zusätzlich. Die weiteren, kleineren Bäume links vor den Häusern greifen das Motiv auf und balancieren die Komposition aus. Das Blatt lebt aber vor allem durch das gekonnte Weglassen von Details und dem Spiel zwischen bemaltem und frei gelassenem Malgrund, das Kirchner meisterlich beherrscht. Die Zeichnung ist sicher ausgeführt und die Linie zeugt von großem Selbstbewusstsein. Wie in vielen seiner Arbeiten finden sich auch hier zeichnerische Kürzel, die trotz ihrer Abstraktion einen konkreten Ort in Dresden erkennen lassen: die Berliner Straße im Arbeiterstadtteil Friedrichstadt nahe des Bahnhofs, in der die Brücke-Künstler lebten und ihre Ateliers hatten.1 »Am 2.11.1909 meldete er [Kirchner] sich per Postkarte bei Erich Heckel und sprach von der neuen Wohnung Berliner Strasse 80.«2 Diese Umgebung in Dresden wurde häufiger von den Künstlern festgehalten, jedoch selten in einer derart ausgereiften und ausgearbeiteten Form wie in unserem wunderbaren Beispiel.

1 Michael Eissenhauer (Hg.), »Ernst Ludwig Kirchner: In Momenten größten Rausches«, Zeichnungen,

Druckgraphik. Der Bestand der Graphischen Sammlung der Staatlichen Museen Kassel, Ausst.-Kat. Staatliche Museen Kassel, Kassel 2002, S. 190.

2 Gabriele Lohberg (Hg.), »Ernst Ludwig Kirchner - Unbekannte Zeichnungen. Aus dem Kirchner Museum Davos«, Vaduz 1994, S. 32.

Über Ernst Ludwig Kirchner

Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner war Mitbegründer der Künstlervereinigung »Brücke«, in deren Schaffensfokus das Medium der Zeichnung stand.

Weitere Werke