Gabriele Münter, Haus bei Murnau
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Malkarton

33 × 41 cm

Signiert und datiert

Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Dr. Isabelle Jansen, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München

850.000,00 €

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Provenienz

Atelier der Künstlerin (-ca. 1954); Moderne Galerie Otto Stangl, München (direkt von der Künstlerin ca. 1954-); Leonard Hutton Galleries, New York (März-Mai 1966); Dorothy Hirshon, New York (Mai 1966); Sotheby's, New York (11. Nov. 1999, Los 330); Privatsammlung (1999-2026)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
  • Milwaukee Art Museum/Columbus Museum of Art, "Gabriele Münter: The Years of Expressionism 1903–1920", Dez-Jun., Milwaukee 1997/1998
  • Leonard Hutton Galleries, "Gabriele Münter: Fifty Years of her Art, Paintings 1906-1956", Mär.-Apr., New York 1966
  • Kunsthalle Mannheim, "Gabriele Münter", Sep.-Okt., Mannheim, 1961
  • Städtisches Museum/Kunstabteilung, "Gabriele Münter: Gemälde, Grafiken", München/Berlin 1957
  • Moderne Galerie Otto Stangl, "Kandinsky, Marc, Münter. Unbekannte Werke", München 1954/1955
  • Kestner Gesellschaft, "Paula Modernsohn-Becker und Gabriele Münter", Okt.-Nov., Hannover 1951
  • Haus der Kunst, "Der Blaue Reiter und der Weg von 1908–1914", Okt.-Nov., München 1949
  • Moderne Galerie Thannhauser/Galerie Paul Cassirer, "Neue Künstlervereinigung München", München/Berlin 1910⁄1911
  • Moderne Galerie Thannhauser/Salon Louis Bock & Sohn, "Neue Künstlervereinigung München", München/Hamburg 1909
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 108
  • Milwaukee Art Museum/Columbus Museum of Art (Hg.), "Gabriele Münter: The Years of Expressionism 1903–1920", Ausst.-Kat., Milwaukee 1997, Nr. 26 (The Pink House (Country Home near Murnau)
  • Leonard Hutton Galleries (Hg.), "Gabriele Münter: Fifty Years of her Art, Paintings 1906-1956", Ausst.-Kat., New York 1966, Cover + Nr. 8 (Das rosa Haus, Murnau)
  • Kunsthalle Mannheim (Hg.), "Gabriele Münter", Ausst.-Kat., Mannheim 1961, Nr. 7, Abb. 5
  • Städtisches Museum München/Kunstabteilung Berlin (Hg.), "Gabriele Münter: Gemälde, Grafiken", München 1957, Nr. 8 oder 14
  • Moderne Galerie Otto Stangl (Hg.), "Kandinsky, Marc, Münter. Unbekannte Werke", München 1954, Nr. 6
  • Kestner Gesellschaft, "Paula Modernsohn-Becker und Gabriele Münter", Ausst.-Kat., Hannover 1951, Nr. 73
  • Haus der Kunst, "Der Blaue Reiter und der Weg von 1908–1914", Ausst.-Kat., München 1949, Nr. 263
  • Moderne Galerie Thannhauser/Galerie Paul Cassirer (Hg.), "Neue Künstlervereinigung München", Ausst.-Kat., München 1910, Nr. 79 (Landschaft)

Die deutsche Malerin Gabriele Münter zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen des deutschen Expressionismus und war Mitbegründerin der Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“. Ein zentrales Thema zieht sich dabei wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen: die tiefe Verbundenheit mit der Landschaft des bayerischen Voralpenlandes und die Suche nach einer immer stärkeren Vereinfachung von Form und Farbe.

Einen entscheidenden Wendepunkt markiert das Jahr 1908, in welchem auch unser Werk entstanden ist. Während eines gemeinsamen Ausflugs mit Wassily Kandinsky gelangen die beiden Künstler nach Murnau am Staffelsee. Die Entdeckung des kleinen Ortes und seiner Umgebung wird für Münter zu einem Schlüsselerlebnis. Später schreibt sie: „Aber nirgends hatte ich eine solche Fülle von Ansichten vereint gesehen, wie hier in Murnau zwischen See und Hochgebirge, zwischen Hügelland und Moos.“1 Die Landschaft wird zu ihrer wichtigsten Inspirationsquelle und Murnau in den folgenden Jahren zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens.

Unser Gemälde „Haus bei Murnau“ zählt zu den frühen Hauptwerken der Künstlerin. Im Zentrum der Komposition steht ein zweigeschossiges Haus mit heller Fassade und einem rötlichen Dach. Die Fensterläden sowie die Eingangstür sind in einem kräftigen Grün gehalten und heben sich deutlich von der Wandfläche ab. Das Gebäude wird von üppigem Grün umgeben und ist leicht aus der Mittelachse nach links verschoben. Den Vordergrund prägt eine intensiv grüne Wiese, die von breiten, sichtbaren Pinselstrichen strukturiert wird. Rechts erhebt sich ein hochgewachsener Baum, dessen schlanker Stamm den Bildraum vertikal gliedert. Im Hintergrund erstrecken sich sanft geschwungene, in unterschiedlichen Blaunuancen kolorierte Hügel, die sich bis zum Horizont erstrecken. Der Himmel erscheint in einem hellen Blau und bildet einen Gegenpol zu den intensiven Grüntönen der Landschaft. Insgesamt besticht das Werk durch seine leuchtende Farbigkeit und durch eine intensive Strahlkraft. Auch deutlich wird die Reduktion auf einfache, geometrische Formen, die von schwarzen Konturlinien begrenzt werden.

Die Künstlerin verzichtet auf eine illusionistische Wiedergabe der Wirklichkeit. Vielmehr geht es ihr darum, die Stimmung und das Wesen der Landschaft einzufangen: „Ich habe da nach kurzer Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht – vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen des Inhaltes, zum Abstrahieren – zum Geben eines Extraktes.“2

„Haus bei Murnau“ zeigt nicht das spätere Wohnhaus der Künstlerin, das sogenannte „Russenhaus“, dennoch steht es sinnbildlich für die enge Verbindung Münters zu diesem Ort. Ein Jahr später, im Jahr 1909, erwirbt sie das Haus in der Kottmüllerallee, in welches sie gemeinsam mit Kandinsky zieht und das in den folgenden Jahren zu einem Treffpunkt der Avantgarde wird. Marianne von Werefkin, Alexej Jawlensky, Franz Marc, Heinrich Campendonk oder Paul Klee gehen dort ein und aus. In Murnau gelingt Münter schließlich der künstlerische Durchbruch zu jener ausdrucksstarken Bildsprache, die den deutschen Expressionismus entscheidend prägen sollte. Insgesamt zählen die Jahre zwischen 1908 und 1914 zu den produktivsten ihres Schaffens. Auch nach dem Ende dieser frühen expressionistischen Phase bleibt die Landschaft von Murnau ein zentrales Motiv ihres Werkes.

1 Gabriele Münter: „Murnau und Ich“, 1957, zit. nach Isabelle Jansen/Matthias Mühling (Hg.), „Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife, Aust-Kat. Lenbachhaus, München 2017, S. 37.

2 Gabriele Münter zit. nach Annegret Hoberg (Hg.), „Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau und Kochel 1902–1914. Briefe und Erinnerungen“, München 2005, S. 45–46.

Über Gabriele Münter

Als zentrale Figur des deutschen Expressionismus und als Mitbegründerin der Künstlergruppe der „Blaue Reiter“ ist Gabriele Münters Werk bis heute aktuell.

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