Georg Meistermann

Fisch erzählt
1949

Georg Meistermann, Fisch erzählt
© Georg-Meistermann-Nachlassverwaltung, Dr. J.M. Calleen / VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand auf Holz aufgezogen

24 × 46,5 cm

Signiert mit dem Monogramm und "49" datiert

Werkverzeichnis Ruhrberg/Schäfke 1991 Nr. 164

Provenienz

Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2021", Düsseldorf 2021
  • Kölnischer Kunstverein, "Georg Meistermann. Ölbilder, Aquarelle und Handzeichnungen", Köln 1949
  • Galerie Franke, "Georg Meistermann. Tafeln 1947-49", München 1949
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2021", Düsseldorf 2021, S. 92
  • Inge Herold, "Werkverzeichnis der Gemälde", in: Karl Ruhrberg/Werner Schäfke (Hg.), "Georg Meistermann – Monographie und Werkverzeichnis", Köln 1991, Nr. 164
  • Kölnischer Kunstverein, "Georg Meistermann. Ölbilder, Aquarelle und Handzeichnungen", Ausst.-Kat. Köln 1949, Nr. 22
  • Galerie Franke, "Georg Meistermann. Tafeln 1947-49", Ausst.-Kat., München 1949, Nr. 21

Unser Gemälde besticht in seiner ausgewogenen, einem Mosaik ähnelnden, farbfrohen Ausgestaltung. In kleinen, geometrischen Farbflächen gliedert der Künstler Georg Meistermann die Bildfläche und setzt so die Darstellung eines violetten Fisches mit orangefarbenen Augen und Flossen vor einem Stillleben mit Früchten zusammen.

Meistermann gehört nicht zu jenen Künstlern, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Weg der gestisch-expressiven Malerei des »Informel« beschreiten. Er nähert sich zwar auch immer stärker der Abstraktion an. Seine Kompositionen sind aber niemals zufällig, sondern durchdacht und ausgewogen. Der Form-, Farb- und Linienzusammenhang bleibt immer erhalten. Durch die halbkreisförmige Anordnung der Früchte, die unterhalb des Fisches auf einem Tisch liegen, erzeugt der Künstler eine geschwungene Orientierung des Betrachters zum oberen rechten Bildrand hin. Die blauen Formen deuten leuchtendes Wasser an und für einen Moment wird der Betrachter daran erinnert, wie der Fisch noch vor Kurzem geschwommen sein mag. Das Bild bewegt sich. Es fließt. Dieser Eindruck wird von der Farbgebung unterstützt, die von links nach rechts immer heller wird, von Dunkelblau, Schwarz und Grün zu Rosa und Beige.

Der Titel »Fisch erzählt« verleiht dem Werk eine narrative Ebene. Das Bild des Fisches ist als christliches Zeichen lesbar. Es ist seit dem frühen Christentum ein religiöses Erkennungssymbol. Meistermann ist selbst überzeugter Katholik. Er war gegen jede dogmatische Ideologie und für eine schöpferische Lebensfreude, die von Phantasie, Liebe und Spiritualität durchdrungen war. Seine Kunst ist ohne den Bezug zur christlichen Identität nicht zu verstehen.

Paul Vogt fasst zusammen, dass Meistermanns Malerei als eine lyrisch-kontemplative Abstraktion verstanden werden könne, so ginge es ihm nicht darum, »die Bildfläche [...] zur Ebene der Emotion werden zu lassen. Er sucht nach [...] Chiffren, die für menschliche Anteilnahme und inneres Erleben stehen, die nicht die Sache an sich, sondern die durch sie hervorgerufene Reaktion des Künstlers und Menschen bezeichnen, als Symbole der Meditation zu verstehen.«1

Neben seinen Gemälden, Porträts und Wandbildern hat Meistermann auch einen Ruf als weltweit anerkannter Glasmaler erlangt. In den Jahren nach 1945 hat er wie kein anderer die Entwicklungen und Leistungen der Glaskunst geprägt. Georg Meistermann nahm an der ersten Documenta 1951 teil, war seit 1952 im Vorstand des Deutschen Künstlerbundes, wurde 1955 für die Professur für freie und monumentale Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie berufen und lehrte ab 1960 an der Kunstakademie Karlsruhe. Seine Werke befinden sich u.a. in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München.

1 Paul Vogt, »Geschichte der deutschen Malerei im 20. Jahrhundert«, Köln 1989, S. 393f.

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