Gerhard Richter

War Cut II
2004

Gerhard Richter, War Cut II
© Gerhard Richter

Öl auf Buchdeckel

25,5 × 21,8 cm

Auf dem Vorsatzpapier signiert, datiert und „10/50“ nummeriert

Auflage 50 römisch nummerierte Exemplare + 20 h.c. (hors commerce); Herausgeber: Suzanne Pagé/Hans Ulrich Obrist, Köln; Vorzugsausgabe des Künstlerbuches „War Cut I“

Werkverzeichnis Butin/Gronert 2004 Nr. 125; Werkverzeichnis Butin/Gronert/Olbricht 2014 Nr. 125

Provenienz

Privatsammlung Rheinland

Ausstellungen
Literatur
  • Hubertus Butin/Stefan Gronert/Thomas Olbricht (Hg.), "Gerhard Richter. Editionen 1965-2013", Ostfildern 2014, Nr. 125
  • Hubertus Butin/Stefan Gronert, "Gerhard Richter. Editionen 1965-2004. Catalogue Raisonné", Ostfildern-Ruit 2004, Nr. 125

Gerhard Richter ist vor allem für seine von fotografischen Vorlagen inspirierten Gemälde als auch für seine abstrakten Bilder bekannt. Seine Arbeiten sind unter anderem von der Pop-Art und dem abstraktem Expressionismus beeinflusst. Sie beschäftigen sich stets mit der Frage nach dem „Realitätsstatus des Bildes“.

Um die Jahrtausendwende konzentriert sich Richter verstärkt auf abstrakte Malerei. Im Jahr 2004 entsteht das Künstlerbuch „War Cut I“, in welchem der Künstler eine Sammlung von insgesamt 155 Texten aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Irakkrieg unkommentiert Detailaufnahmen seines Ölgemäldes „Abstraktes Bild“ von 1987 gegenüberstellt.1

Im Zuge der Publikation dieses Buches ist auch eine Vorzugsausgabe entstanden, für die Richter insgesamt 50 Exemplare des Künstlerbuches mit Ölfarbe übermalt hat. Trotz der Nummerierung dieser Bücher stellt jede Malerei ein Unikat dar. Für den Untergrund des vorliegenden Werkes wurde der Buchdeckel flächendeckend mit einem leuchtenden Rot grundiert. Anschließend hat Richter mit einer Rakel ein intensives Gelb vom oberen zum unteren Bildrand aufgetragen. Durch das Übereinanderziehen der beiden Farbschichten entstehen zufällige Überlagerungen, Vermischungen und Stellen an denen die rote Farbe durch die darüberliegende, gelbe Farbe hindurchbricht. Wo dies geschieht kann der Künstler nicht steuern. Der Zufall spielt eine große Rolle und im Ergebnis unterscheiden sich die Werke recht deutlich voneinander.

Wie sein Lehrer K.O. Götz, arbeitet Richter bereits ab 1979 mit der Rakel, einer Kunststoffleiste, mit der die Farbe über die Leinwand gezogen wird. Sie ermöglicht vielseitiges Schichten von Farbe auf dem Bildträger, das nicht vollständig vom Künstler vorherbestimmt werden kann. Richter sagt: „Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte. [...] Ich möchte ja gern etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann.“ „War Cut II“ ist ein klassisches Beispiel für diese Vorgehensweise.

1 Vgl. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hg.), „Gerhard Richter. Werkübersicht/Catalogue raisonné 1962-1993“, Ostfildern-Ruit 1993, Nr. 648-

Über Gerhard Richter

Gerhard Richter setzt sich bereits gegen Ende der 1960er Jahre intensiv mit der abstrakten Malerei auseinander, erstellt zunächst jedoch nur auf Fotografien basierende Portraits und Stillleben, die durch ihre spezifischen Bildausschnitte und Unschärfen realitätsverfremdend wirken.

Weitere Werke