Hiroshi Sugimoto

Tyrrhenian Sea, Capri
1994

Hiroshi Sugimoto, Tyrrhenian Sea, Capri
© Hiroshi Sugimoto, courtesy Fraenkel Gallery, San Francisco

Silbergelatineabzug

Darstellung: 42 × 54,3 cm | 16 1/2 × 21 1/3 in
Blatt: 50 × 61 cm | 19 2/3 × 24 in

mit einem Prägestempel betitelt, datiert und "9/25" sowie "413" nummeriert und auf dem Unterlagekarton signiert

Auflage 25

Neg. #413

Provenienz

Privatsammlung London

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2018", Düsseldorf 2018
  • Galerie Volker Diehl, "Prime Time. Archetypes of Abstraction in Photography", Berlin 2016
Literatur
  • Damiani and Matsumoto Editions (Hg.), "Hiroshi Sugimoto: Seascapes", Bologna 2015, S. 154

Hiroshi Sugimoto reflektiert über das Medium Fotografie als solches und interessiert sich vor allem für die Themen Zeit, Raum und Wahrheit.1 Sugimoto arbeitet nicht digital, sondern mit einer Großbildkamera aus dem 19. Jahrhundert und fängt in einer oft mehrstündigen Belichtungszeit seine Motive ein. Seine Abzüge sind meist handgemacht und zeugen von einer faszinierenden Perfektion. Seine minimalistisch anmutende Serie »seascapes« besteht aus Schwarz-Weiß-Fotografien, die einen Ausschnitt einer Meereslandschaft darstellen. Die Horizontlinie liegt immer in der Bildmitte. Beeinflusst jedoch von der natürlichen Licht- und Wettersituation sowie der Tageszeit entstehen mal mehr, mal weniger scharf getrennte Flächen und Übergänge zwischen Wasser und Luft mit einer Vielzahl unterschiedlicher Grautöne und Strukturen. Sugimoto schreibt dazu: »Wasser und Luft. Diese Substanzen sind so alltäglich, dass sie kaum Aufmerksamkeit erregen – und doch garantieren sie unsere Existenz.«2 Für ihn stellen das Meer und der Himmel zeitlose Orte dar, die bereits unsere Urahnen vor Jahrtausenden betrachtet haben und die sich seitdem in ihrer Erscheinung nicht verändert haben.3 Einen weiten Blick zu haben, empfindet der Künstler als wohltuend für das Auge und den Körper. Der Blick auf den Meereshorizont ist eine der wenigen Möglichkeiten eine unverstellte Fernsicht zu haben. »Jedes Mal, wenn ich das Meer betrachte, fühle ich ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit, als ob ich meine angestammte Heimat besuchen würde; ich beginne eine Reise des Sehens.«4, kommentiert der Künstler. Interessant ist, dass in diesen Ruhe ausstrahlenden, kontemplativen Werken nicht nur die Horizontlinie teilweise verwischt oder ganz im Nebel verschwindet, sondern auch die Grenze zwischen den Gattungen unscharf wird: Eine Überschreitung, die für sein ganzes OEuvre charakteristisch ist. So haben Sugimotos »seascapes« eine sehr malerische und konzeptionelle Qualität.

1 Seit ihrer Erfindung benutzten die Menschen die Fotografie, um Erinnerungen einzufangen. Das was auf Fotos abgebildet war, galt als Abbild der Realität. Doch spätestens seit jeder Fotos digital manipulieren kann, gibt es diesen Anspruch auf Wahrheit nicht mehr.

2 https://www.sugimotohiroshi.com/seascapes-1

3 »Kann jemand heute einen Schauplatz genau so sehen, wie ein urzeitlicher Mensch ihn gesehen haben mag?« (Hiroshi Sugimoto), in: Kerry Brougher/Pia Müller-Tamm (Hg.), »Hiroshi Sugimoto«, Ausst.-Kat., Ostfildern 2007, S. 109.

4 s. Anm. 2

Über Hiroshi Sugimoto

Der japanische Konzeptfotograf arbeitet hauptsächlich mit dem Medium der Schwarz-Weiß-Fotografie. In fortlaufenden Serien beschäftigt er sich mit dem Konzept der Erinnerung und deren Erhaltung.

Weitere Werke
Ausstellungen zum Werk