Bernd & Hilla Becher

Hochöfen (Winderhitzer)
1982-1988

Bernd & Hilla Becher, Hochöfen (Winderhitzer)
© Estate Bernd & Hilla Becher, represented by Max Becher

10 Silbergelatineabzüge

10-teilig, je 40 × 30 cm

Rückseitig auf dem ersten Werk "B.&H. Becher" signiert und "Hot Blast Stoves" betitelt sowie mit einer Anleitung zur Hängung beschriftet; alle weiteren Werke je "1"-"10" nummeriert und betitelt

Auflage Unikat

(Differdange, L 1982; Neuves Maisons, F; Ilseder Hütte, West-D 1984; Duisburg-Meiderich, D 1985; Duisburg-Meiderich, D 1985; Steubenville, Ohio, USA; Marchienne/Charleroi, B 1986; Ilseder Hütte/Hannover, D 1984; Georgsmarienhütte, Osnabrück, D 1987; Rombas-Lorraine, L 1985)

175.000,00 €

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Provenienz

Daniel Weinberg Gallery, San Francisco; Privatsammlung Minneapolis; Christie's, New York (19. Nov. 1997, Los 350); Privatsammlung Europa (1997-); Phillips, New York (13. Nov. 2001, Los 206); Privatsammlung (2001-2022)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "FormenSprache. Bernd & Hilla Becher / Brigitte & Martin Matschinsky-Denninghoff", 4. Sep. - 24. Okt., Düsseldorf 2026
Literatur
  • Galerie Ludorff, "FormenSprache. Bernd & Hilla Becher / Brigitte & Martin Matschinsky-Denninghoff", Düsseldorf 2026, Nr. 4
  • Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Hg.), "Bernd und Hilla Becher. Typologien industrieller Bauten", Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf/Haus der Kunst, München/Museé national d'art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris/Staatliche Museen zu Berlin, Hamburger Bahnhof, Berlin, München 2003, vgl. Nr. 100
  • Bernd & Hilla Becher, "Hochöfen", München 1990/2002, Nr. 163-165, 167-171

Zwischen 1959 und 2007 arbeitete das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher an der systematischen Erfassung von Industriebauten des 19. und 20. Jahrhunderts, die sie nach strengen formalen Kriterien fotografierten und in vergleichenden Typologien zusammenstellten. Die Bauwerke verloren aufgrund der fortschreitenden technischen Entwicklung ihre ursprüngliche Funktion und das Paar machte es sich zur Aufgabe, die Kühl- und Wassertürme, Hochöfen, Getreidesilos, Fabrikhallen sowie Fachwerkhäuser aufzusuchen, fotografisch zu dokumentieren und in dieser Form zu konservieren, bevor diese nicht selten abgerissen wurden. Dafür bereisten sie jahrzehntelang Europa und die USA.

Das methodische Vorgehen der beiden Kunstschaffenden blieb dabei stets nahezu gleich: Sämtliche Fotografien wurden mit einer Großformatkamera nach einem gleichbleibenden, strengen Prinzip aufgenommen. Die Formate der Schwarz-Weiß-Fotografien betrugen meist 30 x 40 cm bzw. 50 x 60 cm. Die Aufnahmen erfolgten aus leicht erhöhter (1) und meist frontaler (2) Perspektive. Die Wahl des Ausschnitts blieb dabei identisch, die leicht diesige Wettersituation ebenfalls konstant. Sonnenstrahlen und Schatten sucht man in den Fotografien der Bechers ebenso vergeblich wie bspw. Kumuluswolken oder Menschen. Die Umgebung bleibt so unauffällig wie möglich. Die gesamte Aufmerksamkeit gilt der Architektur.

Das Zusammenstellen von Einzelfotografien gleicher Motivik zu Typologien lässt sich an unserem 10-teiligen Werk »Hochöfen« (1982-88) anschaulich betrachten. Die zehn Schwarz-Weiß-Fotografien, die in den Jahren 1982 bis 1988 entstanden sind, zeigen Hochöfen aus den Beneluxländern, Deutschland, Frankreich und den USA. Das Künstlerpaar hat diese Aufnahmen ausgewählt und mit Nummerierungen versehen, um damit die Reihenfolge der Hängung vorzugeben. Ziel dieser seriellen Präsentation ist es, den Betrachtenden das vergleichende Sehen zu erleichtern – auf einen Blick werden Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten der industriellen Gebäudetypen deutlich sichtbar. In einer Arbeitsnotiz von 1971 erklärte Hilla Becher den Grundgedanken ihrer Arbeitsweise: Bei solchen relativ ausführlichen Vergleichsreihen ließen sich Konstruktionsmuster und ihre Abwandlung sowie Grundformen bedingt durch gemeinsame Funktionsprinzipien und Abweichungen nachweisen. (3)

Eine Besonderheit der Typologien von Bernd und Hilla Becher ist, dass es sich bei einer solchen Gruppe von Werken in der exakten Zusammenstellung immer um ein Unikat handelt. Das einzelne Foto kann durchaus mehrmals existieren, aber die Zusammenstellung in der Gruppe ist einmalig. Besonders in den Typologien wird also das künstlerische Konzept des Fotografenpaares deutlich, »das Verfahren der Typologie ist durch die genaue Beobachtung, das Sammeln, Benennen und Gruppieren von Spezies, Gegenständen oder Informationen geprägt, um Rückschlüsse auf ein übergreifendes Muster oder einen die Gruppen kennzeichnenden Bauplan zu erhalten.«

Bernd und Hilla Becher waren nicht nur mit ihrem über Jahrzehnte fortgeschriebenen, künstlerischen Konzept für die nachfolgenden Generationen an Fotograf:innen prägend, sondern vor allem in ihrer Funktion als Lehrende an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo sie wegweisend für die Künstler:innen der so genannten »Düsseldorfer Photoschule« wurden.

1 mithilfe von Leitern oder Kränen.

2 Es gibt auch die so genannte Werkreihe der »Abwicklungen«, hier wird ein Bauwerk aus mehreren Perspektiven fotografiert.

3 Vgl. Susanne Lange, »Was wir tun ist letztendlich Geschichten erzählen. Bernd und Hilla Becher. Eine Einführung in Leben und Werk«, München 2005, S. 51.

Über Bernd & Hilla Becher

Hilla und Bernd Becher sind die Begründer der berühmten „Düsseldorfer Photoschule“, der international erfolgreiche Fotografen wie unter anderem Axel Hütte, Andreas Gursky oder Thomas Ruff angehören.

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