Katharina Fritsch

Pudel
1995

Katharina Fritsch, Pudel

Gips, farbig gefasst

40 × 43 × 17 cm

Signiert, datiert und "52/64" nummeriert auf der Unterseite der hinteren Pfoten

Auflage 64

Ein weiteres Exemplar dieser Edition befindet sich im Walker Art Center, Minneapolis

Werkverzeichnis Liebermann 1996 Nr. 101

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Provenienz

Privatsammlung Deutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2024", Düsseldorf 2024
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2024", Düsseldorf 2024, S. 26
  • Galerie Ludorff, "Kunst im Rheinland", Düsseldorf 2023, S. 114
  • Walker Art Center, "Bits & Pieces Put Together to Present a Semblance of a Whole", Minneapolis 2005, S. 227 (anderes Exemplar)
  • Valeria Liebermann, "Werkverzeichnis 1979-1996", in: San Francisco Museum of Modern Art/Museum für Gegenwartskunst Basel, "Katharina Fritsch", Ausst.-Kat., Köln 1996, Nr. 101

Katharina Fritschs Skulptur »Pudel« ist ein sehr typisches Beispiel für die Arbeitsweise der Künstlerin, die sich mit der Alltagskultur und der Wahrnehmung von Objekten auseinandersetzt und daran interessiert ist, die Grenzen zwischen Realität und Symbolismus, Form und Inhalt zu hinterfragen. Für ihre Werke wählt Fritsch oft alltägliche Objekte, die die Betrachtenden sofort wiedererkennen. In diesem Fall wird jedoch kein Gegenstand, sondern ein Lebewesen, der Pudel, in den Fokus gerückt.

Indem Sie den Pudel auf einen Sockel stellt, erklärt sie ihn zum Kunstwerk. Durch die Verwendung eines einzelnen, monochromen Farbtons betont sie die Form des Objekts und fordert zum genaueren Hinsehen auf. Trotz des großen optischen Reizes der allansichtigen Skulptur, blickt man schnell über die reine Oberfläche hinaus und beschäftigt sich mit der symbolischen Tiefe der Skulptur. Wofür mag der Pudel in den Augen der Künstlerin stehen? Wofür steht er in unseren Augen?

Der Pudel kann als Symbol für Verspieltheit und Anmut, aber auch als Symbol der Treue interpretiert werden, da diese Hunde sehr lernwillig und auf den Halter oder die Halterin bezogen sind. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass das Pudelhaar besonders ist, weil es nicht einfach ausfällt, wie bei den meisten anderen Hunderassen. Das Pudelhaar wächst wie bei einem Schaf, weshalb es geschoren werden muss. Im Laufe der Zeit hat sich das Scheren der Pudel zu einer ganz eigenen, kreativen Disziplin – ja in den Augen mancher – sogar zu einer eigenen Kunst­form entwickelt. Der typisch manierierte ›Pudelschnitt‹ mit wechselweise kahlen und buschigen Stellen hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Katharina Fritsch will aber nicht das Scheren von Pudeln zur Kunstform erklären. Sie beschränkt sich in ihrem Werk sehr deutlich auf das Stellen von Fragen. Antworten bleibt sie uns ganz bewusst schuldig. Der Pudel ist somit eher als Medium zu verstehen, das verschiedene Assoziationen hervorruft und Interpretationen zulässt. Die Skulptur kann als Kommentar zur Alltags­kultur, aber auch zur Beziehung zwischen Mensch und Tier interpretiert werden. Steht er möglicherweise sogar für eine poetische Reflexion über Treue, Spiel und die Vergänglichkeit des Lebens? Auch könnte das intelligente Tier als Vermittler zwischen Mensch und Natur verstanden werden.

Durch die Wahl sehr alltäglicher Objekte und das Verwenden einfacher Materialien wie Kunststoff oder Gips liegt die Verbindung zur Massenproduktion und der Konsumgesellschaft nahe. Schnell könnte man Fritschs Kunst aus dieser Perspektive der Pop Art zuordnen. Ihr Ansatz spiegelt aber vor allem den großen Einfluss der Konzeptkunst wider, die den Kontext und die Idee hinter einem Kunstwerk als gleichwertig zu dem physischen Objekt betrachtet. Es geht der Künstlerin wie gesagt aber nicht darum, eine be­stimmte Lesart zu betonen oder klare Botschaften zu kommunizieren. Ziel ist es vielmehr, die Betrachtenden mit sehr zugänglichen Themen unmittelbar anzusprechen, um diese dann für die Wahrnehmung des Objektes und das Auseinandersetzen mit ihm und seiner Bedeutung zu sensibilisieren. Mittels der sehr subtilen Symbolik ermöglicht Fritsch den Betrachtenden eine Erfahrung, die über die erste positive Überraschung beim Sichten des Tiers hinausgeht und sich mit eben diesem Kontext auseinandersetzt. Durch ihre Fragestellungen verweist sie auf eine Dimension, die über die reine Darstellung und die Wahrnehmung hinausgeht. Braucht es für das Einordnen eine bestimmte Seherfahrung? Welche Bedeutung spielt dabei das Kunstverständnis der Betrachtenden im Allgemeinen?

Zusammenfassend ist Katharina Fritschs »Pudel« durchaus als ein Meisterwerk der zeitgenössischen Bildhauerei einzuordnen. Nicht ohne Grund hat sie jüngst erst den großen Preis der Biennale für ihr Lebenswerk erhalten. Fritsch erschafft Skulpturen, die zum Nachdenken anregen und sehr poetische und vielschichtige Reflexionen ermöglichen, die weit über die erste Reaktion gegenüber dem vermeintlich alltäglichen Objekt hinausgehen. Ihr Interesse für diesen Kontext, auch den Kontext der kunstfernen Betrachtenden, erweitert den Kunstbegriff bzw. das Verständnis für die Wahrnehmung von Kunst.

Über Katharina Fritsch

Die Bildhauerin Katharina Fritsch erreicht mit ihren überlebensgroßen gegenständlichen Plastiken seit Mitte der 1980er internationalen Erfolg. Ihre Werke schöpfen sich aus dem Fundus der Mythologie, der Religion, aber auch aus der alltägliche Konsumwelt, dem Kitsch sowie der Folklore.

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