Katharina Grosse

Ohne Titel
2007

Katharina Grosse, Ohne Titel
© VG Bild-Kunst, Bonn

Farblithografie auf Papier

100 × 66 cm

Rückseitig signiert, datiert und "1/1" nummeriert

Auflage Unikat: Monotypie der Künstlerin

Provenienz

Atelier der Künstlerin; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, Neuerwerbungen Frühjahr 2021, Düsseldorf 2021
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2021", Düsseldorf 2021, S. 60

Katharina Grosses Kunstwerke zu betrachten, ist wie in ein Meer aus Farbe einzutauchen. Jede Welle bringt eine neue Farbe zum Vorschein und hinter jeder Strömung verbirgt sich ein weiteres Kolorit. Zeit spielt in ihren Werken keine Rolle. Alles ist gleichzeitig sichtbar. Farben, die die Künstlerin vielleicht bereits vor mehreren Jahren auf die Leinwand gesprüht hat, sind ebenso sichtbar, wie die feinen schwarzen Punkte, die sie möglicherweise erst kurz vor Fertigstellung des Werkes aufgetragen hat. In ihrer Gleichzeitigkeit korrespondieren Grosses Arbeiten mit dem Leben selbst, in welchem der Verlust vorangegangener Handlungen zwar unvermeidbar ist, das Geschehene den Menschen jedoch in seiner persönlichen Entwicklung unmittelbar prägt. Auch ihre oft ortsgebundenen Kunstwerke unterstreichen diesen Aspekt, unterliegen sie doch auch den zeitlichen Gegebenheiten ihres Ortes. Erst Mitte letzten Jahres sorgte sie mit ihrer monumentalen Arbeit »It wasn’t us« im Hamburger Bahnhof in Berlin international für Aufmerksamkeit. Sie besprayte hier nicht nur ein Papier, ein Metallobjekt oder einen Stein, sondern das gesamte Ausstellungsgelände, welches sich über eine abstrakte Form im Zentrum des Museums bis in den Außenbereich hin erstreckt. In dieser Arbeit zeigt sich einmal mehr die Faszination der Malerei, die gelöst vom Ort auch auf unwegsamen und architektonischen Flächen existieren kann. Sie enthebt die Objekte somit ihrer eigentlichen Funktion und lässt sie zu ihrem Maluntergrund werden, den sie beliebig gestalten kann. Auch zeigt sie die materiellen Grenzen der Malerei auf, die trotz all ihrer räumlichen Expansion immer nur Form und Farbe auf einem materiellen Untergrund sein kann. In der Art ihrer intensiven Farbverwendung erkennt man eine Orientierung an der amerikanischen Farbfeldmalerei und dem abstrakten Expressionismus. Eindeutig spürbar ist aber vor allem der Einfluss ihres Lehrers an der Kunstakademie Düsseldorf, Gotthard Graubner Ob mit der Spritzpistole, ihrem favorisierten Maluntensil, oder dem Pinsel aufgetragen – die kontrastreiche Farbpräsenz ihrer Arbeiten hat eine unmittelbare Wirkung auf den Betrachter.

Dies zeigt sich auch in unseren farbgewaltigen Papierarbeiten. Indem Grosse dunkle Farben, wie grün oder schwarz beziehungsweise unreine, nicht deckende Farben in den Vordergrund stellt, wirken besonders die beiden vom Komplementärkontrast geprägten Arbeiten warm und schwer und vermitteln trotz aller Dynamik eine wohlige Melancholie. Weniger kontrastreich präsentiert sich die in frühlingshaften Farben, wie lila und violett, gehaltene Arbeit. Dem Betrachter eröffnet sich hier eine größere und helle Hintergrundfläche. Trotz der dunklen Linien, die das Bild senkrecht in leichter Wölbung durchziehen, wirkt es licht und lebendig. Einmal mehr verbildlicht sich hier Grosses Credo, dass Farbe wechselhaft und stimmungsvoll ist und immer, ob nun auf Papier, architektonischen Gebilden oder gar belebter Natur, auf uns als Betrachter einwirkt.

Über Katharina Grosse

Bekannt wurde Katharina Grosse in den 90er Jahren mit großflächigen in-situ Arbeiten, mit denen Sie das Verhältnis von abstrakter Fläche zum Raum untersucht. Mit dem Wechsel vom Pinsel zur Sprühpistole, gelingt es ihr malerische Landschaften zu gestalten und sich von der Leinwand zu lösen.

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