Marino Marini
Cavallo e cavaliere di lato
1953
Tusche und Tempera auf Papier
34,5 × 24,8 cm
Signiert und datiert
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Fondazione Marino Marini, Pistoia, 21. Sep. 2022
Sammlung W. Rosenbaum, Ascona (-1980er); Privatsammlung Schweiz (1980er-2025)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026, S. 118
»Meine Reiterstatuen drücken die Beängstigung aus, die mir die Ereignisse meines Zeitalters verursachen. Die Unruhe meiner Pferde wächst mit jedem neuen Werk; die immer kraftloser werdenden Reiter haben die Herrschaft über die Tiere verloren, und die Katastrophen, denen sie erliegen, gleichen jenen, die Sodom und Pompeji vernichtet haben. Ich suche so das letzte Stadium in der Auflösung eines Mythos zu versinnbildlichen, des Mythos vom heldenhaften, siegreichen Individuum, vom uomo di virtù des Humanisten.«1 Der italienische Künstler Marino Marini greift in seinen Skulpturen, Malereien und Grafiken immer wieder das Reitermotiv auf und macht es zum zentralen Träger seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Seit den 1930er Jahren kehrt dieses Motiv in seiner Kunst auf vielfältige Weise zurück. Vom formal ruhigen Reiterpaar bis zur dramatisch aufgeladenen Darstellung eines Menschen in uneiniger Beziehung zu seinem Pferd. Marini knüpft an die lange Tradition von Reiterdarstellungen in der europäischen Kunst an, löst sie aber von ihrer Bedeutung als Zeichen von Macht und Herrschaft und macht sie zu einem Bild für die Erfahrungen des modernen Menschen. In »Cavallo e Cavaliere di lato« zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Der Reiter ist nicht länger souverän über seinem Tier, sondern scheint in einem Balanceakt mit diesem verwoben, die beiden Figuren in einer seitlichen Beziehung zueinander gestellt. Diese Komposition spiegelt Marinis tiefes Interesse an der Spannung zwischen Mensch und Natur, Kontrolle und Verwundbarkeit, die er im Nachkriegs-Europa als Sinnbild für die fragile Lage verstand. Das Pferd wirkt kräftig und lebendig, der Reiter hingegen erscheint in seiner Position und Gestik eher angedeutet und von innerer Unruhe erfüllt. Ein Ausdruck des existenziellen Zweifelns, das Marini in vielen seiner Reiter-Serien sichtbar macht. Mit diesem Werk reiht sich Marini in eine künstlerische Auseinandersetzung mit klassischen Themen ein, die er zugleich radikal modernisiert, denn die Reiter-Figur verliert ihre archetypische Macht und wird zur Allegorie auf den Menschen im 20. Jahrhundert zwischen Tradition, Trauma und dem Wunsch nach neuer Harmonie.
1 Marino Marini zitiert nach https://www.bundestag.de/besuche/kunst/kuenstler/marini (aufgerufen am 29.1.2026)




