Max Liebermann

Gartenlokal an der Havel unter Bäumen
1933

Max Liebermann, Gartenlokal an der Havel unter Bäumen

Öl auf Leinwand

42,5 × 50,5 cm

Signiert

Aufgenommen in den in Vorbereitung befindlichen Nachtrag des Werkverzeichnisses der Gemälde von Prof. Dr. Matthias Eberle unter der Nr. "1933/9"

Expertise

Prof. Dr. Matthias Eberle, Berlin

Provenienz

Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Nach der Natur", Düsseldorf 2017
  • Liebermann-Villa am Wannsee, "Max Liebermann. Biergärten und Caféterrassen. Von ländlicher Wirtschaft zu bürgerlicher Sommerfrische", Berlin 2016
  • Galerie Ludorff, "Max Liebermann. Gemälde, Pastelle, Zeichnungen, Druckgraphiken", Düsseldorf 2012
  • Hamburger Kunsthalle, "Max Liebermann. Wegbereiter der Moderne", Hamburg 2011/2012
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Nach der Natur", Düsseldorf 2017, S. 56
  • Martin Faass (Hg.), "Max Liebermann. Biergärten und Caféterrassen. Von ländlicher Wirtschaft zu bürgerlicher Sommerfrische", Ausst.-Kat. Liebermann-Villa am Wannsee, Berlin 2016, Nr. 33
  • Robert Fleck (Hg.), "Max Liebermann. Wegbereiter der Moderne", Ausst.-Kat. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland/Hamburger Kunsthalle, Köln 2011, Nr. 144

Erst ab der Zeit, in der die von Max Liebermann mitgegründete »Berliner Secession« beginnt, impressionistische Malerei auszustellen, beschäftigt sich der Künstler direkt mit der neuen Form der Kunst. Dabei übernimmt er die neue Sichtweise nicht unreflektiert, sondern bringt sie in Einklang mit seiner eigenen künstlerischen Entwicklung und erarbeitet sich eine im besonderen Maße von realistischen Elementen bestimmte Variante. So gibt er im Gegensatz zu den Franzosen weder den flüchtigen visuellen Natureindruck mittels winziger Pinselstriche wider, noch löst er die Modellierung von Figuren und Gegenständen, die räumliche Staffelung und perspektivische Verkürzung in flimmernden Flächenerscheinungen auf. Einhergehend mit der malerischen Entwicklung wendet sich Liebermann den bevorzugten Bildthemen der Impressionisten zu: Seine Straßen- und Parkszenerien und die Café- und Biergartenbilder liefern den Rahmen für die Darstellung des pulsierenden, modernen Großstadtlebens und sind Bühne für die Vergnügungen des Bürgertums.

In unserem Gemälde »Gartenlokal an der Havel unter Bäumen« ist nichts mehr von der realistischen Schärfe und den klaren Linien der frühen Schaffensjahre erkennbar. Mit flotter Gestik ›stenographiert‹ Liebermann das Ge­sehene und Erlebte: Unter den dichten Baumkronen an der Havel sitzen die Gäste des Lokals in geselligem Beisammensein und genießen den schönen Tag. Einzelne Individuen sind innerhalb der Menschenmenge nicht erkennbar. Vielmehr geht es Liebermann um den Gesamteindruck des idyllischen Platzes unter den hoch aufragenden Bäumen im Vordergrund und der sich dahinter erstreckenden weiten Flusslandschaft. Dem Betrachter eröffnet sich das Bildgeschehen dabei äußerst spannungs­voll inmitten der Bäume, die einerseits eine Barriere bilden, andererseits jedoch eine enorme Bildtiefe erzeugen. Die Lebendigkeit der Szene wird allein durch die kräftigen hellen und dunklen Pinselstriche und -tupfen suggeriert, wobei das Licht als Gestaltungsmittel mitklingt und dem Bild seine heitere, sommerliche Stimmung verleiht. Liebermann fasst es jedoch nicht als Raumlicht auf, sondern akzentuiert den teilweise schattigen Platz unter den Bäumen mit hellen Lichtreflexen. Die Helligkeit gewinnt er aus der durchschimmernden Wasseroberfläche und dem lichten Himmel. Dem Motiv des Gartenlokals hat sich Liebermann in zahlreichen Ölstudien und Gemälden gewidmet. In unserem Werk setzt er das Thema mit besonders leichtem Pinselstrich und einer frohen, sommerlichen Farbgebung um und erschafft so ein besonders stimmungsvolles Beispiel einer seiner bedeutendsten Werkgruppen.

Über Max Liebermann

Als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Impressionismus sind Max Liebermanns Genreszenen, Gartenbilder und Landschaften in großen Museen vertreten.

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