Oskar Schlemmer

Gruppe mit Köpfen
1932

Oskar Schlemmer, Gruppe mit Köpfen

Bleistift auf Papier

43,1 × 25 cm

"25 8 32" datiert

Werkverzeichnis Grohmann 1965 Nr. ZB 406

95.000,00 €

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Provenienz

Atelier des Künstlers; Helena (Tut) Schlemmer, Stuttgart; Dieter Keller, Stuttgart (-1965-); Galerie Michael Hertz, Bremen (-1967); Sammlung Klaus Hegewisch, Hamburg (1967-); Privatsammlung (durch Erbschaft -2026)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Portfolio No. 1 – A Collection of Drawings", Düsseldorf 2026/2027
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Portfolio No.1 - A Collection of Drawings", Düsseldorf 2026, S. 64
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 144
  • Will Grohmann, "Oskar Schlemmer. Zeichnungen und Graphik". Oeuvrekatalog, Stuttgart 1965, ZB 406

„Ich will Menschen-Typen schaffen und keine Porträts, und ich will das Wesen des Raumes und keine Interieurs.“1

Oskar Schlemmers zentrale und einzigartige Rolle für die Kunstgeschichte wurde in den letzten 15 Jahren intensiv mit Ausstellungen und Publikationen belegt. Nach seiner akademischen Ausbildung in Stuttgart verbringt er einen kurzen, aber wichtigen Aufenthalt in Berlin. Dort setzt er sich intensiv mit der Formanalyse der Kubisten und den französischen Avantgarden auseinander und entdeckt im „Sturm“-Kreis um Herwarth Walden neue Einflüsse. 1921 nimmt er eine Lehrtätigkeit am wegweisenden Bauhaus und ab 1929 an der einflussreichen Akademie in Breslau an. Mit Machtergreifung der Nationalsozialisten stürzt er in eine tiefe kreative und gesundheitliche Krise. Er darf nicht mehr lehren oder malen. 1943 stirbt er, ohne die Wiederentdeckung und Rehabilitierung seines Werkes nach 1945 mit diversen internationalen Ausstellungen und Ehrungen mitzuerleben.

Vier in Bleistift gezeichnete Köpfe – vom fünften sind links nur die Haarspitzen und die Schulterpartie zu erahnen – reihen sich hintereinander vom rechten Bildrand nach hinten ins Zentrum eines undefinierten Raumes hinein. Während die dem Betrachter am nächsten stehende Person nur von hinten zu sehen ist, sind die anderen Köpfe unterschiedlich weit ins Profil gedreht. Die beiden hinteren Köpfe sind zudem nach rechts bzw. links unten geneigt, wodurch die Komposition eine gewisse Dynamik erhält. Während die ersten drei Personen sehr nah beiein­anderstehen, erscheint die hintere mit Abstand und leicht erhöht zu ihnen. Die Rückenfigur fungiert als Einladung an den Betrachter sich in die Reihe der Figuren einzuordnen und das Bild in den realen Raum fortzusetzen. Gleichzeitig können die Schulterpartien im unteren Bilddrittel als optische Schranke wahrgenommen werden, die den Betrachter aus dem gezeichneten Bildraum ausschließen. Räumlichkeit entsteht durch Überschneidungen, Hell-Dunkel-Modellierung und die Staffelung der Körperformen.

In seinem programmatischen Essay „Mensch und Kunstfigur“2 beschreibt Schlemmer den menschlichen Körper als Ausgangspunkt einer gesetzmäßigen Ordnung von Raum und Form und untersucht die Beziehung zwischen Figur, Proportion und Architektur. Folglich zeichnet Schlemmer in „Gruppe mit Köpfen“ keine individuellen Porträts, sondern typisierte Gestalten mit idealisierten Gesichtszügen und vereinfachten Körperformen, die an geometrische Grundformen erinnern. Unsere Zeichnung vereint die für Schlemmer charakteristische Synthese aus klassischer Figurenauffassung und moderner Abstraktion. Seine Figuren sind Sinnbild des modernen Menschen, eines überindividuellen, sachlichen und überzeitlichen Typus‘.

Das Jahr 1932 markiert den Höhepunkt in Oskar Schlemmers Schaffen und die menschliche Figur im Raum sein wichtigstes Thema. „Gruppe mit Köpfen“ ist somit die Essenz seines künstlerischen Schaffens.

Hervorzuheben ist zudem die exzellente Provenienz des Blattes, das von Schlemmers Witwe an den Förderer und engen Vertrauten der Familie, Dieter Keller, ging. 1940 beauftragte dieser Schlemmer, während seines durch die Nazis verhängten Malverbots, ein Wandgemälde für sein Haus in Stuttgart zu malen (WVZ Nr. G411). Keller beriet Tut Schlemmer nach dem Tod ihres Mannes und arbeitete am 1957 veröffentlichen Werkverzeichnis des Künstlers mit. 1969 wurde auf seine Initiative hin das Oskar-Schlemmer-Archiv an der Staatsgalerie in Stuttgart gegründet.3 Später befanden sich die „Köpfe“ in der renommierten Sammlung des Hamburger Unternehmers Klaus Hegewisch.

1 Zitiert nach: Karin von Maur, „Oskar Schlemmer – Perspektiven des Menschenbildes“. Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart im Württembergischen Kunstverein, Stuttgart 1977, S. 9.

2 Vgl. Oskar Schlemmer, „Mensch und Kunstfigur“, in: Walter Gropius (Hg.), „Die Bühne im Bauhaus“, München 1925 / 1926

3 Karin von Maur, „Oskar Schlemmer“, München, Prestel 1979, S. 11

Über Oskar Schlemmer

Oskar Schlemmer war nicht nur Maler und Bildhauer, sondern Tänzer, Choreograph und Bühnengestalter. Er war einer der vielseitigsten Künstler der Klassischen Moderne und des Kubismus.

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