Sam Francis

3 (Three) Figures (American Flag)
1959

Sam Francis, 3 (Three) Figures (American Flag)
© Sam Francis Foundation, California / VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Papier

20 × 25 cm | 7 3/4 × 9 3/4 in

Rückseitig signiert

Registriert unter der Nr. SF59-418 für das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Sam Francis Foundation, Glendale, USA

Provenienz

Atelier des Künstlers; Galerie Saqqarah, Gstaad, Schweiz; Sammlung Brewster B. Hanson, Genf; Privatsammlung New York, USA

Ausstellungen
  • Galerie Saqqarah, "Lyric Abstraction", Gstaad 1962

Samuel Lewis Francis, genannt Sam, wird 1923 in San Mateo, einer kalifornischen Stadt in unmittelbarer Nähe zu San Francisco, geboren, wo er als auch seine Kindheit und Schulzeit verlebt. Seine naturwissenschaftliche Neigung veranlasst ihn dazu, ab 1941 Medizin und Psychologie an der University in Berkeley zu studieren. Von 1943 bis 1945 dient Francis in der U. S. Army als Kampfflieger. Vor allem seine hier gewonnen Impressionen der weitläufigen Landschaften, die sich, aus der Vogelperspektive aus beobachtet, zu Farben- und Formenvielfalt abstrahieren, werden Spuren in seinem späteren malerischen Werk hinterlassen. Bei einem Absturz in der kalifornischen Wüste fügt sich Francis schwere Rückgratverletzungen zu, die ihn für längere Zeit unbeweglich ans Krankenhausbett fesseln. Im Lazarett beginnt Francis zu malen und hier reift auch sein Wunsch, Maler zu werden. 1945 beginnt er seine künstlerische Ausbildung bei David

Parks an der California School of Fine Arts in San Francisco. Ab 1948 studiert er an der University of California Kunstgeschichte und schließt dieses 1950 mit dem Master of Arts ab. Im gleichen Jahr geht der Maler nach Paris, wo er insbesondere in Freundschaft zu dem kanadischen Künstler Jean-Paul Riopelle steht.

Seiner weltoffenen Art und seinem ausgeprägten Interesse an fremden Kulturen entsprechend, bereist der Künstler Mexiko, Japan, Thailand und Indien. In Paris, New York, Santa Barbara, Bern und Tokio lässt er sich zeitweise nieder und arbeitet in eigenen Ateliers. An seinen Bildern lässt sich sehr gut ablesen, dass Francis beabsichtigt, sich der Welt zu öffnen und diese als Ganzes in sich aufzunehmen: Dr. Wieland Schmied beobachtet scharfsinnig: „Bei kaum einem ‚gegenstandslosen‘ Maler ist der Wirklichkeitsbezug so suggestiv wie bei Sam Francis. Jedes seiner Bilder ist bis zum Bersten angefüllt mit optischen Erlebnissen, mit visueller Erfahrung, ist getränkt mit der Sichtbarkeit der Welt.“1) Ein weiteres Charakteristikum von Francis Kunst ist seine Ausschnitthaftigkeit. So bieten die Bildränder seinen abstrakten Kompositionen keine Begrenzung, sondern es scheint, als wolle Francis nur ausschnitthaft auf ein Ganzes verweisen. Francis Bilder scheinen aber nicht nur die visuelle Welt aus einer großen Entfernung zu abstrahieren. Vielmehr scheint auch die verborgene innere Welt, die für das bloße Auge unsichtbar ist, hier mikroskopisch gespiegelt zu sein. So evozieren die amorphen, organischen Formen Erinnerungen an Mikroorganismen, mit denen Francis sich während seines Studiums der Medizin vermutlich auseinandergesetzt hat. Entgegen beider Leserichtungen bleibt das Dargestellte letztlich dennoch abstrakt. Obgleich die 1959 entstandene Papierarbeit „3 (Three) figures (American flag)“ betitelt ist, kann der Betrachter dem Werk unvoreingenommen begegnen. So stellt nur die Dominanz der Farben Blau,Rot und Weiß einen Bezug zur amerikanischen Flagge dar. Das Blatt an sich bleibt aber abstrakt und ermöglicht eine individuelle Interpretation. Beim Studium der Papierarbeit gewinnt der Betrachter einen Einblick in den dynamischen Entstehungsprozess: Francis malt dieses, indem er das Blatt auf den Boden legt. Er formuliert eine Längs- und eine Querachse, ein Bildkreuz, das die Bildkomposition festlegt und in ihrer Unbegrenztheit auf den Raum außerhalb des Blattträgers verweist. Die blaue Vertikale sowie die rote Horizontale dominieren als Farbflächen das Bild. Dann schüttet, tropft oder spritzt er blaue, rote, gelbe und weiße Farbe auf den Bildträger, während er sich stehend über das Bild beugt. Bemerkenswert bei dieser Vorgehensweise ist, dass sie sehr spontan und dynamisch abläuft, gleichzeitig aber immer der Reflektion durch den Künstler bedarf.

Spannend bei diesem Bild ist ferner, dass trotz der klaren Komposition keine Bevorzugung einer Form bzw. einer Farbe vorherrscht. So bietet das rot-blaue‚Bildkreuz‘ der Komposition einerseits zwar Halt, kontrastierend hierzu sprengen die bunten Farbkleckse andererseits aber die Form und entladen sich als Farbimpulse auf dem Bildträger.

1 Zit nach Schmied, Wieland, Notizen zu Sam Francis, in: Kestner-Gesellschaft e.V. (Hg.), „Sam Francis“, Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft e.V., Hannover 1963, S. 12.

Über Sam Francis

Sam Francis zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zweiten Generation des Abstrakten Expressionismus. Beeinflusst durch das europäische Art Informel und den Zen-Buddhismus, entwickelt er ein Œuvre, das die Idee der Leere mit der Anwesenheit der malerischen Präsenz zu vereinen sucht.

Weitere Werke