WOLS
Ohne Titel (Stadtlandschaft)
ca. 1941
Aquarell und Tusche auf Bütten
22,5 × 29,8 cm
Signiert
Auf der Rückseite einer Reproduktion (Archiv Werner Haftmann) hat dieser notiert: "Nach Gréty in Cassis entstanden. 1942 an einen Arzt in Avignon verkauft. Gréty kaufte es später zurück."
Werkverzeichnis Gutbrod 2003 Nr. A-293
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Dr. Ewald Rathke, Frankfurt/Main 2014
Atelier des Künstlers; Privatsammlung Avignon (direkt vom Künstler 1942-); Gréty Wols, Paris; Galérie Benador, Genf; Francois Chauvet, Genf; Galerie Pudelko, Bonn; Privatsammlung Deutschland
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026
- "Wols. Das große Mysterium", Museum Wiesbaden, Lyonel-Feininger-Galerie, Quedlinburg, Museum Liner/Kunsthalle Ziegelhütte, Appenzell 2013/2014
- Palais de Beaulieu, "Chefs d'Oeuvre des Collections Suisse de Manet à Picasso", Exposition Nationale Suisse, Lausanne 1964
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026, S. 188
- Philipp Gutbrod, "WOLS (1913-1951). Die Arbeiten auf Papier (Kommentiertes kritisches Werkverzeichnis)", Dissertation, Heidelberg 2003, Nr. A-293
- Exposition Nationale Suisse, "Chefs d'Oeuvre des Collections Suisse de Manet à Picasso", Ausst.-Kat. Palais de Beaulieu, Lausanne 1964, Nr. 347
»Sie haben Schwierigkeiten meine Zeichnungen zu verstehen? … fühlen Sie sie … Weder Analysen noch Erklärungen bitte!«
Auf den ersten Blick ist es gar nicht so einfach, einen Überblick über das surreale Bildgeschehen in unserem Aquarell zu gewinnen. Doch unser Gehin lässt uns die Linien, Punkte und Striche zu bekannten Objekten zusammenfügen. Man erkennt Fenster, Hausfassaden, Brücken, Dächer mit Ziegeln und Schornsteinen, auch ein See und Wiesen. Verschiedene Partien sind in zarten Blau- und Rosétönen aquarelliert. Die farbigen Flächen dienen der Akzentuierung, Stützung der Komposition und plastischen Ausgestaltung. Durch ein Missverständnis des Telegrafenamts in Paris kommt der angehende Künstler Alfred Otto Wolfgang Schulze 1937 zu dem Namen, mit dem er als Vorreiter des Informel und Hauptvertreter des Tachismus Berühmtheit erlangen sollte. Unter dem Künstlernamen »WOLS« schuf er ein in sich verbundenes, vielfältiges Werk. Im engen Kontakt mit der Pariser Künstlerszene der 1930er Jahre begann er seine künstlerische Karriere mit surrealistischen Aquarellen und Zeichnungen sowie dem Medium der Fotografie. Vielleicht wäre Wols sogar Fotograf geblieben, wenn er 1939 nicht infolge der deutschen Kriegserklärung an Frankreich interniert worden wäre. Als Folgeerscheinung – Wols stand in der Haft kein Fotoapparat mehr zur Verfügung – löste das leichter verfügbare Aquarell die zuvor im Mittelpunkt seines Interesses stehende Fotografie ab. In dieser Zeit entstanden jene kleinen, feingliedrigen und traumartigen Aquarelle, die das filigrane Zentrum seines Œuvres ausmachen und zu denen auch unsere Arbeit »Ohne Titel (Stadtlandschaft)« zählt. Diese entstand wahrscheinlich kurz nach seiner Entlassung aus dem Internierungslager, zu der es dank der Heirat mit seiner französischen Lebensgefährtin Gréty 1940 kam. Wie das Zitat zu Beginn des Textes schon anklingen lässt, entzieht sich die Zeichnung eindeutigen Interpretationen. Es sind fantastische, surreale Welten, die Wols zu jener Zeit konstruierte – geschaffen, um sich als Betrachter in ihnen zu verlieren.





