Überblick Gabriele Münter, Kirchlein von Riedhausen, 1908
Kirchlein von Riedhausen
Öl auf Malkarton ; 1908 ; 33 x 41 cm
Signiert und datiert
Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Dr. Isabelle Jansen
Provenienz:
Privatsammlung Schweiz
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Nach diversen Reisen kommt die Malerin Gabriele Münter zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky 1908 zum ersten Mal in die kleine Ortschaft Murnau im bayerischen Oberland. Die landschaftliche Idylle spricht die beiden Künstler an und Münter fasst den Entschluss ein Landhaus zu erwerben, da Kandinsky und sie sich dauerhaft niederlassen möchten und dies die richtige Umgebung für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit zu sein scheint. Schon kurz darauf kündigen sich die malend tätigen Freunde gerne zu Besuch an und es entsteht ein enger Kreis Gleichgesinnter um Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, mit Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky, die sich später in München zu der Gruppierung „Blauer Reiter“ zusammenschließen werden.
Auf Spaziergängen und Ausflügen in der Umgebung entdeckt Münter ihre Motive, so auch unser querformatiges farbenfrohes Werk „Kirchlein von Riedhausen“, welches im ersten Sommer in Murnau entsteht.
Der Blick ist auf die Kirche gerichtet. In leuchtendem Gelb, Rot und Blau formuliert Münter die Kirchenansicht mit einem breiten Pinselstrich in gleichartige Farbflächen. Die violett getünchte Zwiebelturmspitze ragt in den strahlend blauen Sommerhimmel empor und seitlich an das Kirchenschiff drängt sich eine Baumgruppe, deren Grün im Komplementär-Kontrast zu dem roten Ziegeldach steht. Auf einer Anhöhe gelegen und zwischen Bäumen und Wiesen eingebettet, thront die Kirche und zieht den Betrachter magisch in ihren Bann. Münter umrandet die fast monochromen Farbflächen mit starken Konturen und erreicht eine Loslösung von der natürlichen Farbigkeit. Münter steigert hierdurch die Leuchtkraft und erreicht Farbeindrücke wie sie es in der traditionellen Hinterglasmalerei des Bayerischen Oberlandes studiert hatte.
Das Dorf mit seiner traditionellen Ursprünglichkeit, den einfachen Straßen, den Häusern, den Kirchen und der Umgebung dieses Landstriches dient der Künstlerin zu jeder Jahreszeit als Sujet. Die Ankunft in Murnau markiert den Durchbruch zu ihrem individuellen Stil. Sie findet hier den Zugang zu deutlich expressiveren Farben und zu einem wesentlich freieren kompositorischen Umgang mit dem Gesehenen.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com