Christian Rohlfs

Amaryllis auf grünem Grund
1937

Christian Rohlfs, Amaryllis auf grünem Grund

Wassertempera auf Bütten

79 × 58 cm

Signiert mit dem Monogramm

Rückseitig von Helene Rohlfs datiert und betitelt

Werkverzeichnis Vogt 1958 Nr. 37/111

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Expertise

Prof. Dr. Paul Vogt, Essen

Provenienz

Privatsammlung Deutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Christian Rohlfs. Magie der Farben", Düsseldorf 2013
  • Ernst Barlach Haus, "Christian Rohlfs - Magie der Farben", Wedel 2013
  • Arts Council Gallery, London/City of York Art Gallery, York/Whitworth Art Gallery, Manchester/Leicester Museums and Art Gallery,Leicester "Paintings by Christian Rohlfs: 1849-1938", 1956
Literatur
  • Paul Vogt, "Christian Rohlfs – Aquarelle und Zeichnungen", Recklinghausen 1958
  • The Arts Council of Great Britain, "Paintings by Christian Rohlfs. 1849-1938", London 1956, Nr. 66

Bedingt durch eine schwere Lungenentzündung verbringt der Künstler Christian Rohlfs ab 1927 einen Großteil des Jahres am Lago Maggiore im schweizerischen Ascona. Zwei Jahre später mietet Rohlfs die obere Wohnung in der direkt am See gelegenen Casa Margot, auf deren Terrasse die meisten seiner späten Werke entstehen. „Die ersten drei Jahre des Aufenthaltes in Ascona – Rohlfs blieb künftig für neun Monate jedes Jahr dort – waren mehr oder weniger Jahre der Eingewöhnung an einem fremden Ort, eine Gewöhnung, die Rohlfs stets schwer fiel. Doch lebte er sich wider Erwarten leichter ein, als er selbst gehofft haben mag.“1)

Für den älteren Künstler beginnt eine neue Schaffensperiode der Auseinandersetzung mit Farbe und Licht, die sein bedeutendes Spätwerk charakterisieren. Aus dieser letzten Phase seines Œuvres stammt unser Blatt „Amaryllis auf grünem Grund“, auf welchem Rohlfs seine Wahrnehmung der Blume in der Wassertemperatechnik schildert. Rohlfs verwendet für seine Bilder trockenes starkes Bütten, das die Borstenstruktur hervorhebt. Danach hält er das Blatt unter eine regelrechte Wasserdusche, um gemalte Partien teilweise oder ganz wieder auszubürsten. Oft wiederholt der Maler diese ungewöhnliche Prozedur mehrere Male, bis die gewünschte schummrige Transparenz entsteht. Die Farben tupft der Künstler mit einem Maltuch zwischendurch ab und falls die Formen sich zu sehr auflösen, malt er mit Kreide die Konturen nach. Dieses Verfahren lässt den Entstehungsprozess offen und die dargestellten Blumen erhalten eine Art Schwebezustand, in welchem sich auch unsere Amaryllis befindet, deren Formen in die Sphäre des Ungreifbaren rücken. Abstrahiert von Raum und Natur steht unsere Amaryllis in einer Vase. Die Blüten sind in einem zarten Rot gehalten, die aus einem fast durchsichtig schimmernden bräunlichen Stängel erwachsen. Die Amaryllis-blumen sind vor einem grün leuchtenden Hintergrund erfasst und treten als sanfte Helligkeit in Erscheinung, die in differenzierten Abstufungen der Farbe und des Lichtes ihre Wirkung entfalten und den Betrachter verzaubern. Das Naturerlebnis bei Christian Rohlfs geht über den Eindruck des optisch Erfahrbaren und Gesehenen weit hinaus. Die Darstellung wird zum Spiegelbild eines höchst sensiblen Empfindens. Der Künstler lässt sich in seinem ganzen Leben immer wieder gerne von der Flora inspirieren, wie er brieflich kundtut: “Ich werde mir die Frühjahrsherrlichkeit in den nächsten Tagen noch einmal auf dem Ammersee und Umgebung ansehen. Es ist hier alles schon sehr entwickelt, die Obstbäume fangen an zu blühen, und in den städtischen Anlagen die Tulpen- und Hyazinthenbeete in verschwenderischer Pracht.”2)

In seiner letzten Schaffensphase dominieren feinsinnige, in vielfältigen Farbbrechungen fast monochrom wirkende Blütengebilde, die eine immaterielle Strahlkraft des Lichts erreichen. Die Amaryllis sublimiert sich zu einer Impression, die sich unter dem Einfluss des farbigen Lichts in eine unreale Szene wandelt, welche mit der äußeren Wirklichkeit kaum noch Gemeinsamkeit hat. „In seiner Bildgestaltung sucht Rohlfs etwas von dem mitzuteilen, was durch den Prozess des Sehens und Erkennens hinter den Dingen sichtbar wird, was aber dem unmittelbar sinnlichen Begreifen der Wirklichkeit entzogen ist.“3)

Anmerkungen.:

1) Paul Vogt, „Christian Rohlfs – Aquarelle und Zeichnungen“, Recklinghausen 1958, S. 92.

2) Christian Rohlfs an Gertrud Osthaus, Ehefrau seines Hagener Mäzens, 25. April 1911, zitiert in: Friedrich Gross, „«Vergängliche» Schönheit. Blumenleben aus der Farb-Form bei Christian Rohlfs“, in: Reinhold Happel (Hg.), „Christian Rohlfs“, Ausst.-Kat. Kunstverein Braunschweig 1993, S. 21.

3) Hubertus Froning, „Von der äußeren Wirklichkeit zum inneren Bild“, in: „Christian Rohlfs“, Ausst.-Kat. Braunschweig 1993, S. 17.

Über Christian Rohlfs

Christian Rohlfs begann seine künstlerische Laufbahn als Historien- und Landschaftsmaler. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus.

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