Ernst Wilhelm Nay

Dominant Gelb
1959

Ernst Wilhelm Nay, Dominant Gelb
© Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

162,5 × 130 cm | 64 × 51 1/4 in

Signiert und "59" datiert sowie rückseitig nochmals signiert und auf dem Keilrahmen "NAY-Dominant Gelb"-1959" bezeichnet

Werkverzeichnis Scheibler 1990 Nr. 915

Provenienz

Galerie Der Spiegel, Köln (1959); Sammlung Klaus Frowein, Wuppertal (1967); Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2018", Düsseldorf 2018
  • Von der Heydt-Museum, "Die 50er Jahre. Aspekte und Tendenzen", Wuppertal 1977
  • Städtische Kunsthalle und Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, "Kunst des 20. Jahrhunderts aus rheinisch-westfälischem Privatbesitz", Düsseldorf 1967
  • Von der Heydt-Museum, "Kunst der Gegenwart in Wuppertaler Privatbesitz", Wuppertal 1965
  • Galerie Der Spiegel, "E. W. Nay. Bilder, Aquarelle, Zeichnungen", Köln 1959
Literatur
  • Archiv für Bildende Kunst am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (Hg.), "E. W. Nay 1902-1968: Bilder und Dokumente", München 1980, Abb. VII, S. 12
  • Christian Rathke/Werner Höfer, "Die 50er Jahre. Aspekte und Tendenzen", Ausst.-Kat., Von der Heydt-Museum, Wuppertal 1977, o. S.
  • FAZ, 12.10.1977, Frankfurt am Main 1977, m. Abb.
  • Städtische Kunsthalle und Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, "Kunst des 20. Jahrhunderts aus rheinisch-westfälischem Privatbesitz", Ausst.-Kat., Düsseldorf 1967, Abb. 80
  • Von der Heydt-Museum, "Kunst der Gegenwart in Wuppertaler Privatbesitz", Ausst.-Kat., Wuppertal 1965, o. S.

»Langsam – mit der Ausrufung des Rhythmus – gewinnt im neuen Jahrhundert der Raum wieder Gestalt, eine andersgeartete Gestalt, und das Thema »Raum« gewinnt einen neuen Aspekt.«1 In der Einleitung seiner Schrift »Vom Gestaltwert der Farbe – Fläche, Zahl und Rhythmus« schildert Ernst Wilhelm Nay seine neue, reale Raumauffassung und beschreibt die Gestaltung des Bildes, die aus der unbedingten Verbindung von Farbe, Fläche und Linie (Mittel ersten Grades) sowie aus Kugel, Zahl und Rhythmus (Mittel zweiten Grades) entsteht. Dabei wird die Farbe bei Nay zum Mittel der Malerei schlechthin ernannt, denn sie allein entscheide über das »Wesen der Raumgestaltung«. Die Fläche, die Zahl und der Rhythmus bilden hingegen die Grundlage des Bildes. Das »Gestalt-Bild«, wie es der Künstler selbst nennt, ist darin völlig frei von subjektiv-emotionaler Anschauung und Imagination und nur durch die in jedem Bild neu und immerzu einzigartig zusammengesetzten Mittel be­gründet.2

Mit dieser Schrift bereitet Nay seine neue Phase im künst­­lerischen Werk auf die sogenannten »Scheibenbilder« (1954-1962), die auf die »Fugalen Bilder« (1949-1951) und »Rhythmischen Bilder« (1952-53) folgen. Die »Scheibenbilder«, zu denen auch unser Werk »Dominant Gelb« aus dem Jahre 1959 zählt, bestechen durch ihre besonderen Farbspiele und pulsierenden Kompositionen aus verschieden großen Scheiben, die zum beherrschenden Bildmotiv werden und von Farbfeldern begleitet eine dynamische, fast schwebende Bildwirkung hervorrufen.

Wie äußert sich die Gestaltung der Farbe nun in unserem Ölgemälde »Dominant Gelb«? Wodurch wird das Gelb so dominant und lässt die Scheiben im Raum tanzen? Zum einen ist der satte Farbton tatsächlich die zuerst gesetzte Farbe in Form von einer großen Halbscheibe, die sich von unten nach oben in das Bildgeschehen be­wegt und zwei weiterer Scheiben sowie einer Fläche. Die Verwendung des kühlen Blautones als Komplementärkontrast fördert das Leuchten des Gelbs, besonders an der Stelle des direkten Aufeinandertreffens im unteren Bilddrittel. Zudem befindet sich das dominante Gelb, das in der Unterzahl ist, stets in Gesellschaft eines Ockertons und Schwarz, wodurch erneut die Strahlkraft betont wird. Das strahlende Gelb tritt sowohl in den Bildvordergrund als auch aus dem Bildhintergrund hervor. Die Bildfläche wird so, durch die Nay’sche Farbgebung aus Gegensätzen, bewusst zum bewegten Spiel mit der Farbe und Form im Raum. Des Weiteren ist auffallend, dass der Bildaufbau des hochformatigen Ölgemäldes einer von rechts unten nach links oben aufsteigenden Diagonale folgt, die den nur scheinbar wahllos zusammengesetzten und ungeordneten Farbscheiben und Feldern eine Richtung verleiht und sie von einer möglichen Statik in eine dynamisch-leichte Bewegung befreit. Die gelbe nach unten fließende Fläche oben rechts unterstützt dabei die diagonale Gesamtbewegung der Komposition. Im Bildmittelpunkt fällt der recht gestische Farbauftrag auf, der im Zusammenhang mit den im unteren Bildabschnitt links befindlichen schwarzen ovalen Bögen eine spätere Werkphase des Künstlers vorbereitet, die sogenannten »Augenbilder«.

1 Vgl. Ernst Wilhelm Nay, »Bilder und Dokumente«, München 1980, S. 134.

2 Vgl. dazu: »Vom Gestaltwert der Farbe – Fläche, Zahl und Rhythmus«, München 1955, in: »E. W. Nay Lesebuch. Selbstzeugnisse und Schriften 1931-1968«, Köln 2002, S. 119-129.

Über Ernst Wilhelm Nay

Ernst Wilhelm Nay war einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Nachkriegskunst. Seine Bilder zeigen eine Verwandschaft mit dem Informel.

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