Ernst Wilhelm Nay

Ohne Titel
1958

Ernst Wilhelm Nay, Ohne Titel
© Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn

Aquarell auf Papier

41 × 59,5 cm

Signiert und "58" datiert

Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen von Dr. Magdalene Claesges und Elisabeth Nay-Scheibler, Köln

Provenienz

Atelier des Künstlers; Privatsammlung Hessen (1968); Privatsammlung Hessen (seit den 1990er)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2018", Düsseldorf 2018

Das vorliegende Blatt »Ohne Titel« aus dem Jahr 1958 veranschaulicht Nays Meisterschaft in der Aquarelltechnik: Mit großer Leichtigkeit und Zartheit schweben eine Vielzahl unterschiedlich großer Scheiben, Ringe und amorpher Formen - zu einem ausgewogenen Zusammenspiel angeordnet - auf dem lichten weißen Papiergrund. Die eingesetzten Farben, Rostrot, ein helles Braun, Ocker, Blau und Schwarz, werden in unterschiedlichsten Nuancen eingesetzt, zum Teil in lasierender, stark verdünnter Form, zum Teil ist es ein deckender, kaum durchscheinender Farbauftrag, den Nay vornimmt. Mittels des flüssigen Farbauftrages wird der Eindruck erweckt, als schwebten die einzelnen Elemente auf dem Malgrund. Die Konturen fließen sanft auseinander, sind weich und offen. Daraus entsteht ein Gesamteindruck der von Leichtigkeit und Zartheit geprägt ist und welcher das Cremeweiß des Bildträgers als gleichwertiges Gestaltungsmerkmal in die ausgewogene Komposition miteinbezieht.

Gerade die Beziehungen der verschiedenen Farbnuancen und Formen zueinander und zur Fläche beschäftigen Ernst Wilhelm Nay in dieser Zeit intensiv. Wie ein Choreograph, Nay selbst spricht von »Flächenchoreographie «1, entwickelt er seine Kompositionen. Dies spiegeln auch seine Schriften wider, in einem Eintrag aus seinem Tagebuch vom 3. Januar 1957 reflektiert er über die Bedeutung und die Gestaltung der Fläche. Wesentliches und bestimmendes Element nimmt in diesen Gedanken die »nach allen Seiten ausstrahlende […] Scheibe« ein. Denn – so konstatiert auch Max Imdahl – »Im Kreis nämlich erkennt Nay eine sowohl ruhende als auch bewegungsvolle Figur, in der alle Richtungen der Ebene gleichzeitig und spannungsreich enthalten sind.«2 Der Kreis bzw. die Scheibe ist das dominierende und zentrale Motiv in Nays Werkphase der Scheibenbilder, die allgemein als Höhepunkt im Werk des Künstlers gilt.

1 Ernst Wilhelm Nay, »Lesebuch – Selbstzeugnisse und Schriften 1931-1968«, Köln 2002, S. 166.

2 Max Imdahl, in: »E. W. Nay«, Ausst.-Kat. Westfälischer Kunstverein, Münster 1964,

Über Ernst Wilhelm Nay

Ernst Wilhelm Nay war einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Nachkriegskunst. Seine Bilder zeigen eine Verwandschaft mit dem Informel.

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