Gabriele Münter

Kirchlein von Riedhausen
1908

Gabriele Münter, Kirchlein von Riedhausen
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Malkarton

32,9 × 40,7 cm

Signiert und datiert

Rückseitig "Dr. Froehner Peterstr. 8" bezeichnet

Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Dr. Isabelle Jansen

Provenienz

Privatsammlung Schweiz

Ausstellungen
  • Kumu Art Museum, "The Savages of Germany. "Die Brücke" and "Der Blaue Reiter" Expressionists", Tallin 2017/2018
  • Museum Fundatie," Wilden. Expressionisme van 'Brücke' en 'Der blaue Reiter'", Zwolle 2016
  • Galerie Ludorff, "40 Jahre 40 Meisterwerke", Düsseldorf 2015
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke des Expressionismus", Düsseldorf 2011/2012
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2009", Düsseldorf 2009
  • Haus Opherdicke, "Die Neue Frau – Künstlerinnen als Avantgarde", Holzwickede 2019
Literatur
  • Arne Reimann/Sally Müller (Hg.), "Die Neue Frau – Künstlerinnen als Avantgarde", Ausst.-Kat. Haus Opherdicke, Dortmund 2019, S. 110
  • Museum de Fundatie, "Wilden. Expressionisme van 'Brücke' en 'Der blaue Reiter'", Ausst.-Kat., Zwolle 2016, S. 42

Nach diversen Reisen kommt die Malerin Gabriele Münter zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky 1908 zum ersten Mal in die kleine Ortschaft Murnau im bayerischen Oberland. Die landschaftliche Idylle spricht die beiden Künstler an und Münter fasst den Entschluss, ein Landhaus zu erwerben, da Kandinsky und sie sich dauerhaft niederlassen möchten und dies die richtige Umgebung für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit zu sein scheint. Schon kurz darauf kündigen sich die malend tätigen Freunde gerne zu Besuch an und es entsteht ein enger Kreis Gleichgesinnter um Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, mit Mariann von Werefkin und Alexej von Jawlensky, die sich später in München zu der Gruppierung „Blauer Reiter“ zusammenschließen werden.

Auf Spaziergängen und Ausflügen in der Umgebung entdeckt Münter ihre Motive, so auch unser querformatiges farbenfrohes Werk Kirchlein von Riedhausen, welches im ersten Sommer in Murnau entsteht.

Der Blick ist auf die Kirche gerichtet. In leuchtendem Gelb, Rot und Blau formuliert Münter die Kirchenansicht mit einem breiten Pinselstrich in gleichartige Farbflächen. Die violett getünchte Zwiebelturmspitze ragt in den strahlend blauen Sommerhimmel empor und seitlich an das Kirchenschiff drängt sich eine Baumgruppe, deren Grün im Komplementär-Kontrast zu dem roten Ziegeldach steht. Auf einer Anhöhe gelegen und zwischen Bäumen und Wiesen eingebettet, thront die Kirche und zieht den Betrachter magisch in ihren Bann. Münter umrandet die fast monochromen Farbflächen mit starken Konturen und erreicht eine Loslösung von der natürlichen Farbigkeit. Münter steigert hierdurch die Leuchtkraft und erreicht Farbeindrücke wie sie es in der traditionellen Hinterglasmalerei des Bayerischen Oberlandes studiert hatte.

Das Dorf mit seiner traditionellen Ursprünglichkeit, den einfachen Straßen, den Häusern, den Kirchen und der Umgebung dieses Landstriches dient der Künstlerin zu jeder Jahreszeit als Sujet. Die Ankunft in Murnau markiert den Durchbruch zu ihrem individuellen Stil. Sie findet hier den Zugang zu deutlich expressiveren Farben und zu einem wesentlich freieren kompositorischen Umgang mit dem Gesehenen.

Über Gabriele Münter

Als zentrale Figur des deutschen Expressionismus und als Mitbegründerin der Künstlergruppe der „Blaue Reiter“ ist Gabriele Münters Werk bis heute aktuell.

Weitere Werke
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