Hermann Max Pechstein

Damenbildnis (Charlotte Pechstein)
ca. 1917/1918

Hermann Max Pechstein, Damenbildnis (Charlotte Pechstein)
© Pechstein Hamburg / Tökendorf

Öl auf Leinwand

75,1 × 59,4 cm

Signiert mit dem Monogramm

Registriert im Archiv der Max Pechstein Urhebergemeinschaft, Hamburg, als Nr. 1917/112

Expertise

Certificate of Authenticity by Prof. Dr. Aya Soika, Berlin

Provenienz

Frieda Michaelis, Berlin/Uruguay/Argentinien; Gerda Mayer, Berlin/Argentinien (bis 1995); Enrique Mayer, Uruguay/Argentinien (seit 1995); Privatsammlung Argentinien (bis 2005); Privatsammlung USA (seit 2005)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2017", Düsseldorf 2017
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020, S. 134

Dargestellt ist eine Dame mit großen, braunen Augen in einer weiß-roten Bluse im Halbporträt, beide Hände sind vor der Brust positioniert. Zwei Finger ihrer linken Hand berühren den Knopf ihres Hemdes; sie trägt zwei weiße Ringe um ihr linkes Handgelenk, die aus einer Reihe anderer Gemälde bekannt sind. Pechstein hat das Weiß ihrer Augen durch Grün ersetzt und ihrem dunkelbraunen Haar etwas Violett hinzugefügt, etwas, das beim Betrachten des Originals viel mehr zum Vorschein kommt als bei der Reproduktion. Die hier abgebildete Person ist Pechsteins Frau, die 24 oder 25 Jahre alte Charlotte Kaprolat, genannt Lotte.

Max Pechstein heiratete sie im März 1911, kurz nach ihrem achtzehnten Geburtstag. Pechstein lernte Lotte auf Empfehlung des Bildhauers Georg Kolbe im März 1909 in Berlin als Modell kennen.A Im Mai 1914 begab sich das Paar auf eine Reise zu den unter deutscher Kolonialherrschaft stehenden Palau-Inseln in der Südsee, die wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges abrupt beendet wurde und zu einer abenteuerlichen Rückreise mit vielen Verzögerungen über Manila und New York führte. Nach der Rückkehr des Ehepaares nach Deutschland im Herbst 1915 wurde Pechstein zum Militär eingezogen und schließlich an die Westfront in Flandern und Frankreich geschickt, wo er in den Schützengräben kämpfte, bis er gebeten wurde, als Kartograf tätig zu werden. Während Pechsteins Abwesenheit in den Jahren 1915 und 1916 führte Lotte den Familienhaushalt in Berlin allein, kümmerte sich um ihren Sohn Frank, korrespondierte aber auch mit einigen Sammlern und Mäzenen. Max Pechstein kehrte Anfang 1917 aus dem Krieg zurück. Nach diesem verlängerten Militärdienst, in dem er nicht malen konnte, entstand das Werk.

Pechstein stellte in seinen Memoiren fest, wie schwierig es war, nach einer so langen Pause wieder in die Malerei einzusteigen. Da er in den Jahren 1917 und 1918 nicht viel reiste, beschränkt sich die Thematik seiner Werke in diesen beiden Jahren auf Südseeszenen, Stillleben und Porträts.

Einige wenige Porträts von Lotte, die ebenfalls aus der Zeit von 1917/18 stammen, weisen thematische Ähnlichkeiten auf. Auf dem Tafelbild Die Chinesische Jacke (WVZ Soika 1918/44) von 1918 ist Lotte mit einer ähnlichen Bluse und einer ähnlichen Frisur dargestellt. Ein weiteres, verlorenes Porträt von ihr zeigt die weißen Armringe an ihrem linken Handgelenk, möglicherweise aus Ebenholz oder einem anderen Knochen. Die Hintergrundfarben von Die Chinesische Jacke sind Gelb-, Grün- und Brauntöne, wie auf dem Damenbildnis. Es ist davon auszugehen, dass die abstrakte Farbgebung den Farben in seiner Wohnung entspricht, obwohl sie sich im Damenbildnis in abstraktere Formen auflösen und dem Betrachter nicht erlauben, den Raum zu rekonstruieren.

Auszug aus der Übersetzung des kunsthistorischen Gutachtens von Aya Soika, vom 27. April 2017, basierend auf der Ansicht im Original

A Über Lottes frühe Karriere als Künstlermodell ist vergleichsweise wenig bekannt.

Sie wurde am 22. Januar 1893 in Berlin geboren und starb am 18. Januar 1965 in Berlin.

Installationsansicht Art Karlsruhe 2019

Über Hermann Max Pechstein

Der Expressionist Hermann Max Pechstein war Mitglied der „Brücke“, Mitbegründer der Neuen Secession in Berlin. Typisch für Pechstein sind seine leuchtenden Farben, die er in seinen Gemälden und seinen Arbeiten auf Papier in einem spannenden Kontrast zueinander auf den Malgrund setzt.

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