Joan Miró, Ohne Titel
© VG Bild-Kunst, Bonn

Gouache, Aquarell und Wachskreide auf Papier

21 × 26,7 cm

Signiert und "Pour G. de San Lazzaro" gewidmet

Werkverzeichnis Dupin/Lelong-Mainaud 2010 Nr. 1213

95.000,00 €

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Provenienz

Gualtieri di San Lazzaro, Palma de Mallorca/Paris; Sala Gaspar, Barcelona; Maria Estelrich Fine Art, New York; Simon/Neuman Gallery, Inc., New York (1991); The Piccadilly Gallery, Ltd., London (1991-1995); Campbell-Thiebaud Gallery, San Francisco (1995-2006); Christie's New York (Auktion 1724, 9. Nov. 2006, Los 209); Barrington Gallery of London, New York (2006-2007); Privatsammlung Süddeutschland (2007-)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 102
  • Jacques Dupin/Ariane Lelong-Mainaud, "Joan Miró. Catalogue raisonné. Drawings", Bd. 2: 1938-1959, Paris 2010, Nr. 1213

Traum, Fantasie und Imagination prägen die Bildwelt dieser unbetitelten Papierarbeit aus dem Jahr 1949 von Joan Miró. Mit einer reduzierten, abstrakten und zugleich ausdrucksstarken Formensprache schafft der Künstler eine poetische Komposition, die sich einer eindeutigen Lesart entzieht und den Betrachter zu eigenen Assoziationen anregt. 1947 lernt Miro in New York den Kunstkritiker Clement Greenberg und den Künstler Jackson Pollock kennen. Im Nachgang entwickelt sich seine Malerei von einer erzählenden, traumhaften Symbolik des Surrealismus, hin zu einer radikalen zeichenhaften Abstraktion.

Den stärksten visuellen Akzent setzt ein großer schwarzer Kreis im rechten oberen Bildbereich. In seinem hellen Inneren schweben zahlreiche grüne Kreisformen, die an Sterne, Zellen oder imaginäre Zeichen erinnern und der Komposition eine lebendige, beinahe kosmische Wirkung verleihen. Ihnen gegenüber steht ein leuchtend roter Farbauftrag, ergänzt durch locker gesetzte orangefarbene Kreisabdrücke. Die Wiederholung dieser Formen erzeugt einen rhythmischen Bildfluss und verbindet die einzelnen Bildelemente miteinander.

Im unteren Bereich bildet eine grauschwarze Form das kompositorische Gegengewicht. Sie erinnert an ein Tier oder ein fantastisches Wesen, ohne sich eindeutig bestimmen zu lassen. Gerade diese Mehrdeutigkeit ist charakteristisch für Mirós Bildsprache, deren Zeichen nicht die sichtbare Wirklichkeit abbilden, sondern innere Bilder, Erinnerungen und Fantasien hervorrufen. Wenige rote Linien sowie eine skizzenhafte blaue Kreisbewegung verleihen der Komposition zusätzliche Dynamik und Leichtigkeit.

Der helle, weitgehend unbehandelte Bildgrund bildet dabei einen offenen Bildraum, in dem die einzelnen Formen frei zu schweben scheinen und ihre Wirkung im Zusammenspiel von Leere und Verdichtung entfalten.

Charakteristisch ist zudem die Verbindung unterschiedlicher malerischer Techniken. Lasierende Farbflächen, kräftige schwarze Pinselzüge und druckartige Kreisformen erzeugen eine abwechslungsreiche Oberflächenstruktur, deren scheinbare Spontaneität auf einer sorgfältig ausbalancierten Komposition beruht.

Im Entstehungsjahr unseres Werkes 1949 widmeten die Kunsthalle Basel und Bern dem spanischen Künstler bedeutende Einzelausstellungen. Sie bauten auf Mirós erstem großen internationalem Erfolg im Jahr 1941 auf, der Retrospektive im Museum of Modern Art (MoMA) und trugen dazu bei, den Nachkriegsruf des surrealistischen Künstlers im europäischen Raum zu festigen.

Über Joan Miró

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