Karin Kneffel, Birnen
© VG Bild-Kunst, Bonn

Aquarell auf Papier

79 × 57 cm

Signiert und datiert, zusätzlich "38" beschriftet sowie rückseitig auf dem alten Unterlagekarton "Für Michel von Karin 17.9.1994" gewidmet

Auflage Unikat

22.500,00 €

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Provenienz

Privatsammlung Paris

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 56

Die 1994 entstandenen Aquarelle von zu Beispiel Birnen und Pfirsichen verzichten bewusst auf eine klassische Stillleben-Inszenierung. Statt arrangierter Kompositionen zeigt Karin Kneffel die Früchte in ihrem natürlichen Zusammenhang am Ast, verlagert den Bildausschnitt und nähert sich einer beinahe beobachtenden Perspektive. Die beiden Birnen heben sich vor einem offenen blauen Himmel mit zarten Wolkenformationen ab. Eine leichte Untersicht verleiht dem Motiv eine ruhige Präsenz und hebt die klare Form der Früchte vor der Weite des Himmels hervor. Die Pfirsiche hingegen sind dichter in das Blattwerk eingebunden. Mehrere Früchte an Ästen vor einem grünen, von Lichtflecken durchbrochenen Hintergrund erzeugen eine stärkere atmosphärische Verdichtung und ein lebendiges Spiel von Licht und Oberfläche.

Stephan Berg schreibt: „Birnen, Äpfel, Pfirsiche, in extremer Vergrößerung und Nahsicht, so glänzend, saftig und verführerisch, dass man das Fruchtfleisch zu schmecken scheint, und zugleich so sehr auf ihre Oberfläche reduziert, dass sie jede Idee einer tatsächlichen Materialisierung an sich abprallen lassen.“1

Beide Arbeiten verbindet der Verzicht auf eine künstliche Anordnung zugunsten einer unmittelbaren, beinahe situativen Naturbeobachtung. Gleichzeitig bleiben sie hochgradig malerische Konstruktionen, in denen Licht, Raum und Farbe so komponiert sind, dass die Grenze zwischen Wirklichkeitsbezug und malerischer Inszenierung bewusst offenbleibt. Gerade in dieser Verbindung aus präziser Naturbeobachtung und bewusster malerischer Konstruktion zeigt sich jenes Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz, das Karin Kneffels Werk grundlegend prägt.

1 Stephan Berg, „Nachtschattengewächse“, in: „Karin Kneffel 1990-2010“, Hrsg. Daniel J. Schreiber, Ausstellungskatalog, Ostfildern 2010, S. 12.

Über Karin Kneffel

Karin Kneffel studierte Malerei unter anderem bei Gerhard Richter und ist bekannt für ihre neorealistischen Stillleben und Interieurs. Auffallend in ihren Werken ist die visuelle und geistig-emotionale Gradwanderung zwischen Nähe und Distanz.

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