Karl Schmidt-Rottluff
Blumenstrauß im Glas
ca. 1930
Aquarell auf Papier
47,5 × 66,5 cm
Signiert
Dokumentiert im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
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Privatsammlung Hessen
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 148
Karl Schmidt-Rottluff zählt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Expressionismus und war Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“. Gemeinsam mit den anderen Brücke-Künstlern wandte er sich gegen den damals vorherrschenden Impressionismus und entwickelte eine neue, ausdrucksstarke Bildsprache. Charakteristisch sind vereinfachte Formen, intensive Farben und markante Linien, die nicht nur Konturen beschreiben, sondern selbst zu Trägern von Ausdruck und Emotion werden.
Das vorliegende Aquarell aus dem Jahr 1930 zeigt einen Blumenstrauß, der nahezu die gesamte Bildfläche einnimmt. Die Blüten sind rhythmisch angeordnet und erzeugen durch ihre Wiederholung eine fast ornamentale Wirkung. Die Vase wird nur angedeutet und rückt gegenüber der farbigen Gesamtwirkung in den Hintergrund.
Für die Darstellung verwendet Schmidt-Rottluff eine harmonische, zugleich kontrastreiche Farbpalette. Zarte Rosatöne, kräftiges Purpurrot, Weiß- und Blaunuancen bestimmen das Bild. Die gelben Blütenstempel setzen kleine Lichtakzente und führen den Blick durch die Komposition. Im Zentrum des Straußes sorgen dunkle Grüntöne für Tiefe und räumliche Wirkung. Auffällig ist außerdem die Lichtführung: Während von rechts warmes, gelbliches Licht einfällt und den Hintergrund erhellt, erscheinen die linken Bildpartien in kühleren Blau- und Violetttönen. Die warmen Erdfarben des Hintergrunds steigern zusätzlich die Leuchtkraft der Blumen.
Typisch für Schmidt-Rottluffs Aquarelle sind die kräftigen schwarzen Tuschpinselstriche, mit denen er nach dem Trocknen der Farben die Umrisse von Blüten und Blättern nachzeichnete. Diese Linien verleihen dem Bild Struktur und Stabilität, während die Farben frei und lebendig wirken. Die nahezu ungemischten Farbtöne leuchten intensiv auf und verleihen dem Werk seine besondere Ausdruckskraft.
Die Entstehungszeit des Aquarells fällt in eine wichtige Phase im Leben des Künstlers. Aufenthalte in Pommern, am Lebasee, im Tessin, im Taunus sowie als Stipendiat der deutschen Akademie in der Villa Massimo in Rom inspirierten ihn zu seinen reifen Landschaften und Stillleben. Gleichzeitig zog er sich zunehmend aus dem städtischen Leben zurück und suchte die Nähe zur Natur. Besonders um 1930, als die Anfeindungen durch die Nationalsozialisten zunahmen, verstärkte sich sein Wunsch nach einem zurückgezogenen Leben. Diese Hinwendung zur Natur spiegelt sich auch in seinen Blumen- und Landschaftsdarstellungen wider.