Lyonel Feininger
Untitled (Cutter with Red Pennant)
1939
Aquarell und Tusche auf Papier
23,5 × 21,2 cm
Signiert, "July 1939" datiert und "X" beschriftet sowie rückseitig mit dem Nachlassstempel versehen
Registriert im Archiv des Lyonel Feininger Project LLC New York/Berlin unter der Nr. 343-06-10-10
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Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York/Berlin
Atelier des Künstlers; Nachlass Julia Feininger, New York; Privatsammlung (direkt vom Nachlass erworben -2025)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 18
Lyonel Feininger gilt heute als eine Ausnahmefigur der klassischen Moderne. Als herausragender Zeichner und Aquarellist schuf er Arbeiten auf Papier, die durch das spannungsvolle Zusammenspiel von transparentem Farbauftrag und präzise gesetzter Linie bestechen. Bereits 1907 formulierte der damals noch als erfolgreicher Karikaturist tätige Künstler in einem Brief an seine spätere Frau Julia Berg sein künstlerisches Credo: „Das Gesehene muss innerlich umgeformt und crystallisiert werden.“¹ Dieser Gedanke der inneren Transformation blieb für sein gesamtes späteres Schaffen grundlegend.
Einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung seiner eigenständigen Bildsprache erhielt Feininger 1911 während eines Aufenthalts in Paris, wo ihn insbesondere die kubistischprismatischen Darstellungen des Eiffelturms von Robert Delaunay nachhaltig beeindruckten. Anders als Delaunay, der mit dem Eiffelturm ein Sinnbild der modernen Metropole ins Zentrum rückte, wandte sich Feininger bevorzugt Motiven aus seiner eignen, unmittelbaren Umgebung
zu: mittelalterlichen Kirchen, Dörfern, Küsten- und Seelandschaften. So entwickelte er in seinem eigenen Kosmos eine Bildsprache, die Formstrenge und Rhythmus, Harmonie und Dissonanz miteinander verbindet. Das 1939 entstandene Aquarell eines Segelschiffes („Cutter with Red Pennant“) reduziert die maritime Szenerie auf ein fein austariertes Gefüge geometrischer Formen, transparenter Farbfelder und mit dem Lineal gezogenen Linien. Im Zentrum
liegt ein Segelschiff auf ruhigem Wasser, dessen Rumpf und Takelage aus wenigen, klar gesetzten Elementen aufgebaut sind. Die kleine, titelgebende rote Fahne im oberen rechten Bildbereich setzt einen deutlichen Akzent, der das Auge des Betrachters anzieht. Im Gegensatz dazu entsteht im restlichen Bildraum eine stille, kontemplative Atmosphäre in leichten Blau-, Grau und Grüntönen, die sich in horizontale Zonen von Himmel und Meer gliedern. Die Konstruktionslinien verleihen der Darstellung jene architektonische Präzision, die Feiningers Werk kennzeichnet. Zugleich lösen die transparenten Farbschichten die Strenge der geometrischen Komposition auf und erzeugen den Eindruck von Licht, Weite und Schwerelosigkeit. Küstenlandschaften
und Segelboote sind zentrale Motive seines OEuvres, zu denen er immer wieder mit großer Faszination zurückkehrt.
1 Brief an Julia Berg vom 29. August 1907.