Otto Piene
Blue Crater
1989/1990
Öl auf Leinwand
50 × 70 cm
Rückseitig signiert, "89/90" datiert und betitelt
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Galerie Schoeller, Düsseldorf; Privatsammlung, Düsseldorf
Die Leinwand entfaltet sich als atmosphärisches Spannungsfeld zwischen Farbe, Licht und Rauch. Aus dem unteren Bildbereich steigt eine intensive, leuchtend türkisblaue Form auf, die von einem breiten Bogen aus orangefarbenen und graubraunen Farbschichten umgeben wird. Die Komposition erinnert an einen Sonnenaufgang, einen Horizont oder ein kosmisches Ereignis, bleibt jedoch bewusst gegenstandslos. Über der farbintensiven Zone breiten sich rauchige Schleier aus, die sich nach oben hin auflösen und die gesamte Bildfläche durchziehen. Charakteristisch für das Werk ist die Verbindung von kontrollierter Farbsetzung und den zufälligen Spuren physikalischer Prozesse. Die weichen Übergänge zwischen den Farbfeldern sowie die dunklen Rauchablagerungen verleihen der Leinwand eine schwebende, beinahe immaterielle Wirkung. Gleichzeitig erzeugt der Kontrast zwischen dem leuchtenden Blau und dem warmen Orange eine starke energetische Spannung. Die Farben erscheinen nicht als statische Flächen, sondern als Träger von Bewegung und Transformation. Das Werk steht in direkter Verbindung zu Otto Pienes lebenslanger Erforschung von Licht und Energie. Bereits seit den späten 1950er Jahren experimentierte der Künstler mit Rauch, Feuer und Licht als eigenständigen bildnerischen Mitteln. Während in den frühen Feuerbildern die unmittelbaren Spuren von Verbrennung dominieren, tritt in den späteren Arbeiten die Lichtwirkung zunehmend in den Vordergrund. Die Leinwand wird zum Resonanzraum für natürliche Prozesse, in dem Farbe, Rauch und Atmosphäre zu einer Einheit verschmelzen. Die zentrale blaue Form wirkt wie eine Quelle von Licht und Energie, die aus dem Bildinneren hervortritt. Der sie umgebende orangefarbene Bereich erinnert an Hitze, Glut oder Strahlung und verweist auf die schöpferische Kraft des Feuers, die Piene zeitlebens faszinierte. Dabei erscheint die Energie nicht als zerstörerisches Element, sondern als Ursprung von Bewegung, Wachstum und Veränderung. Die rauchigen Schleier im oberen Bildbereich dokumentieren den Entstehungsprozess und machen die Präsenz des Feuers als künstlerischen Partner sichtbar.