Serge Poliakoff, Composition abstraite
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

73 × 60 cm

Signiert

Werkverzeichnis Poliakoff 2012 Nr. 64-67

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Expertise

Thaddée Poliakoff, Archives Serge Poliakoff, Paris 2026

Provenienz

Galerie Cavalero, Cannes; Privatsammlung Europe (-1996); Sotheby's, London (26 Jun. 1996, Los 38); Privatsammlung (1996-2025)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 140
  • Alexis Poliakoff, "Serge Poliakoff - Catalogue Raisonné, 1963-1965", Vol. IV, Paris 2012, Nr. 64-67

Entstanden in den Jahren 1964–1965 gehört Serge Poliakoffs „Composition abstraite“ zur späten Phase seines Schaffens, in der sich seine Malerei zunehmend auf reduzierte Farbräume und fein modulierte Oberflächen konzentriert. Die Graupalette wird dabei zum zentralen Träger von Bildstruktur und Atmosphäre zugleich.

Poliakoff, 1900 in Moskau geboren, wurde früh durch die farbintensive Welt der russisch-orthodoxen Ikonen geprägt. Nach seiner Flucht im Jahr 1917, die ihn über verschiedene Stationen führte, und seiner Ankunft in Paris 1923 entwickelte er sich fortwährend zum Maler der abstrakten Moderne.1

Sein Werk ist geprägt vom Spannungsverhältnis zwischen Farbe und Form. Poliakoff vermeidet bewusst die klar geometrische Ordnung oder expressive Gestik. Seine Bildwelten entstehen aus ineinander übergehenden Farbflächen, die sich gegenseitig stabilisieren und ein fragiles Gleichgewicht erzeugen. Nils Ohlsen fasst dies treffend zusammen: „Poliakoffs Kunst bietet uns keine Hintertür, seine Werke als Erinnerungen an einen Ort oder ein Erlebnis zu deuten.“2

Von den erdig-dunklen Anfängen über eine gesteigerte Farbintensität in den 1950er-Jahren führt sein Weg im Spätwerk zu einer konsequenten Reduktion auf tonale Abstufungen. In „Composition abstraite“ verdichtet sich diese Entwicklung exemplarisch. Übereinandergelegte Grautöne lösen teilweise Konturen auf und lassen Formen in Bewegung treten. Farbe versteht Poliakoff nicht als bloßes Mittel, sondern als konstitutive Struktur der Malerei. In der Schichtung der Lasuren entstehen subtile Tiefenräume, in denen sich Tonwerte verdichten, auflösen und neu organisieren. Gerade in der Beschränkung auf Grau entfaltet sich eine besondere Sensibilität für Licht, Materialität und malerische Präsenz.

„Composition abstraite“ bündelt damit die wesentlichen Stationen seines künstlerischen Weges – von den farbigen Prägungen seiner Herkunft über die Erfahrungen der Pariser Abstraktion bis zur radikalen Konzentration seines Spätwerks. In dieser Reduktion gewinnt seine Malerei eine stille, zugleich außergewöhnlich dichte Ausdruckskraft.

1 Marie Victoire Poliakoff, „Das Wichtige ist die Seele“, in: „Serge Poliakoff – Vollendete Peinture“, Hrsg.: Frederic Bußmann und Anja Richter, Ausst.-Kat., Chemnitz 2021, S. 75.

2 Nils Ohlsen, „Serge Poliakoff – Architekt einer bildnerischen Poesie“, in: „Serge Poliakoff Retrospektive“, Hrsg.: Christiane Lange und Nils Ohlsen, Ausst-Kat., Emden 2007. S. 29.

Über Serge Poliakoff

Bekannt wurde Serge Poliakoff mit seiner patchworkartigen Farbfeldmalerei, der er – inspiriert durch die Farblehre des Orphismus sowie den De Stijl Konstruktivismus – Ende der 1940er Jahre in Paris entwickelt.

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