Serge Poliakoff

Gris et rouge
1964

Serge Poliakoff, Gris et rouge
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

162 × 130 cm

Signiert

Werkverzeichnis Poliakoff 2012 Nr. 64-21

Expertise

Alexis Poliakoff, Archives Serge Poliakoff, Paris, dort registriert unter der Nr. 964023

Provenienz

Atelier des Künstlers; Sammlung Dr. René Theler, Basel; Privatsammlung Paris

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015
  • Galerie Ludorff, "Serge Poliakoff – Architekt einer bildnerischen Poesie", Düsseldorf 2009
  • Musée d'Unterlinden, "Serge Poliakoff", Colmar 1971
  • Kunstmuseum St. Gallen, "Serge Poliakoff", St. Gallen 1966
Literatur
  • Alexis Poliakoff, "Serge Poliakoff. Catalogue raisonné, Band IV, 1963-1965", Paris 2012, Nr. 64-21, S. 142
  • Musée d'Unterlinden, "Serge Poliakoff", Ausst.-Kat., Paris 1971, Nr. 24
  • Kunstmuseum St. Gallen, "Serge Poliakoff", Ausst.-Kat., St. Gallen 1966, Nr. 89

Unser Titelbild Gris et rouge" zieht den Betrachter unmittelbar in seinen Bann. Die von den lodernden roten und orangefarbenen Flächen ausgehende Gefahr macht den Betrachter automatisch und ganz instinktiv auf das Gemälde aufmerksam. Erscheint das Feuer im Zentrum noch harmlos, droht es von der oberen linken Ecke des monumentalen Gemäldes auf den Betrachter einzustürzen. Bei längerem Betrachten stellt sich jedoch immer mehr das Gefühl eines ambivalenten Gleichgewichts ein. Trotz der glutheißen Energie, die von der Leinwand ausgeht, erzeugt Poliakoff durch die geschickte Komposition der Farbflächen entlang der vertikalen Mittelachse des Gemäldes ein Gefühl der Ordnung und Kontrollierbarkeit. Die großen fahl- bis aschgrauen Flächen deuten zusätzlich auf ein Zurückgehen des Feuers und somit auf eine Abwendung der Gefahr hin. Poliakoff beschreibt sein stetes Suchen nach solchen erfahrbaren, wahren Bildern wie folgt: "Das wahre Bild stellt ein wirklich ursprüngliches, neu entdecktes Phänomen, ohne Vorgänger oder Abkunft dar, das mit einer so großen Gewalt auftaucht, dass es die Grenzen des bisher dokumentierten Sichtbaren sprengt. Der Maler fügt mit jedem Bild dem endlosen Fluss des Sichtbaren ein neues Phänomen hinzu. Er vervollständigt die Welt gerade deshalb, weil er nicht die Natur nachahmt. In das Dunkel des Unsichtbaren zieht er eine Ader ein, um - mal liebevoll, aber zumeist gewaltsam - Sichtbares ans Licht zu fördern."1) Dies gelingt Poliakoff in unserem 1964 entstandenen Gemälde auf die beschriebene, beeindruckende Weise. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens stellt er noch im gleichen Jahr eine Reihe seiner bedeutendsten Werke auf der "documenta III" in Kassel aus und unterstreicht hierdurch seinen großen internationalen Rang, den er innerhalb der globalen Bewegung der Nachkriegsabstraktion eingenommen hat und die er durch die Teilnahme an der Biennale in Venedig im darauf folgenden Jahr noch weiter festigen sollte.

Anmerkung.

1) Zitiert in: Gérard Durozoi, "Serge Poliakoff", Angers o.J., S. 83.

Über Serge Poliakoff

Bekannt wurde Serge Poliakoff mit seiner patchworkartigen Farbfeldmalerei, der er – inspiriert durch die Farblehre des Orphismus sowie den De Stijl Konstruktivismus – Ende der 1940er Jahre in Paris entwickelt.

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