Serge Poliakoff, Gris et rouge
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

162 × 130 cm

Signiert

Werkverzeichnis Poliakoff 2012 Nr. 64-21

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Expertise

Alexis Poliakoff, Archives Serge Poliakoff, Paris, dort registriert unter der Nr. 964023

Provenienz

Atelier des Künstlers; Sammlung Dr. René Theler, Basel; Privatsammlung Paris

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020
  • Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015
  • Galerie Ludorff, "Serge Poliakoff – Architekt einer bildnerischen Poesie", Düsseldorf 2009
  • Musée d'Unterlinden, "Serge Poliakoff", Colmar 1971
  • Kunstmuseum St. Gallen, "Serge Poliakoff", St. Gallen 1966
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020, S. 154
  • Alexis Poliakoff, "Serge Poliakoff. Catalogue raisonné, Band IV, 1963-1965", Paris 2012, Nr. 64-21, S. 142
  • Musée d'Unterlinden, "Serge Poliakoff", Ausst.-Kat., Paris 1971, Nr. 24
  • Kunstmuseum St. Gallen, "Serge Poliakoff", Ausst.-Kat., St. Gallen 1966, Nr. 89

Als einer der führenden Repräsentanten der legendären ›Ecole de Paris‹ zählt Serge Poliakoff zu den bedeutendsten Künstlern der europäischen Nachkriegs-Avantgarde und zu den Leitgestalten der abstrakten Malerei überhaupt.

Die Innovationen von Poliakoffs Bildkonzept liegen maßgeblich in den kühnen, dynamischen Wechselbezügen von FARBE und RAUM, die der Künstler an den Ausgangspunkt und ins Zentrum seiner Arbeit stellt. Poliakoff erweitert die herkömmlichen Vorstellungen beider Begriffe, indem er die angestammte Hierarchie zwischen Figur und Grund radikal in

Frage stellt. Die mannigfachen Interaktionen und das Zusammenspiel von Farbform, Lineament und Bildraum sind in jedem seiner Bilder auf eigene Weise ausgelotet und in unausdenkbarer Vielfalt neuer Wahrnehmbarkeit geöffnet.

Entschlossen wendet der Wahlfranzose Poliakoff sich dabei ab von den älteren Positionen der geometrischen Abstraktion und operiert mit naturhaften, »lyrischen« Formqualitäten. Balance, Entfaltung, kosmische Kraft – das sind die Empfindungen, die seine Gemälde primär vermitteln. In der Rätselhaftigkeit seines vielschichtigen Farbauftrags scheint dabei die mystische Präsenz der Ikonen seiner russischen Heimat fortzuwirken.

Bei aller konstruktiven Besonnenheit des lakonischen Bildaufbaus legt Poliakoff – der seinen Lebensunterhalt über weite Strecken als professioneller Musiker bestritt – seinen Werken eine prägnante Rhythmik zugrunde. Unregelmäßig begrenzte Farbformen verzahnen sich zu unvorhersehbaren Konstellationen. Unverkennbar ist die Auseinandersetzung mit den Fragestellungen des Kubismus –

und mit dem Werk Delaunays, dessen Konzept auf die Zusammenschau einander in ihrer Strahlkraft steigernder Spektralfarben zielt. Auch bei Poliakoff erwächst die Bildaussage aus Farben, die anhand rhythmisch wechselnder Kontraste von unterschiedlicher Qualität vor allem eine intensive Erfahrung des Lichts und des lichtdurchwirkten Raums bewirken. Die kontrapunktische Anordnung der Farben evoziert den Effekt optischer Bewegung – gesteigert durch den sinnlichen Reiz und die köstlichen Strukturen der üppig modellierten Farbmaterie.

Der lapidare Titel des späten Meisterwerks Gris et rouge lässt vorab nichts ahnen von der machtvollen, dramatischen Bildgestalt, die Poliakoff hier in monumentalem Maßstab verwirklicht. In dem stillen, gleichsam zeitenthobenen Konglomerat aus licht- bis schiefergrauen Zonen bildet bereits der wechselnde Pinselduktus etliche Gravitationszentren formaler Energien aus. In dieses gleichsam schwelende Gefüge implementiert der Künstler – in asymmetrischer, vermeintlich dialogisch angelegter Disposition – kontrastierend buntintensive, orangerote Segmente. Unwillkürlich stellt sich die Assoziation eines Glühens und Brodelns untergründiger vulkanischer Energien ein, zugleich die Empfindung eines reichen, symphonisch orchestrierten Farbklangs, dem es zu lauschen, in den es sich zu versenken gilt. Besonders eindrucksvoll hat Poliakoff hier in der sensiblen Disposition aller Farb-, Form- und Raumwerte die markanten, heterogenen Elemente der Darstellung in eine ästhetische Balance, in eine zeitlose Ordnung überführt.

Kathrin Elvers-Švamberk

Stellvertretende Leiterin des Saarlandmuseums

Installationsansicht Galerie Ludorff 2020

Über Serge Poliakoff

Bekannt wurde Serge Poliakoff mit seiner patchworkartigen Farbfeldmalerei, der er – inspiriert durch die Farblehre des Orphismus sowie den De Stijl Konstruktivismus – Ende der 1940er Jahre in Paris entwickelt.

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