Sigmar Polke

Dr Pabscht het z´Schpiez s´Schpäckbschteck z´schpät bschteut
1980/1991

Sigmar Polke, Dr Pabscht het z´Schpiez s´Schpäckbschteck z´schpät bschteut
© The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn

Computer-Reproduktion mit Vierfarbdrucker, Acryllack auf Vinyl, aufgezogen auf Keilrahmen

50 × 40 cm

Rückseitig auf einem Etikett signiert, "81/100" nummeriert, gedruckt betitelt und "Edition für Parkett 30, 1991" beschriftet

Auflage 100 lateinisch und 20 römisch nummerierte Exemplare; Edition für Parkett, Nr. 30, 1991, Parkett-Verlag, Zürich; hergestellt durch Rosco/Pixmil, San Diego, USA

Werkverzeichnis Becker/von der Osten 2000 Nr. 91

Provenienz

Atelier des Künstlers; Privatsammlung Köln

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "KUNST MACHT GLÜCKLICH - Online only", Düsseldorf 2020
Literatur
  • Galerie Ludorff, "KUNST MACHT GLÜCKLICH", Düsseldorf 2020, Nr. 1
  • Jürgen Becker/Claus von der Osten (Hg.), "Sigmar Polke. Die Editionen 1963–2000. Catalogue raisonné", Ostfildern-Ruit 2000, Nr. 91, S. 265
  • "Parkett Nr. 31", Zürich/Berlin/New York 1991, Abb. S. 71

Sigmar Polke zählt, auch nach seinem Tod im Jahre 2010, zu den bedeutendsten und vor allem einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Sein vielschichtiges Werk, das Malerei, Zeichnung, Fotografie, Film, Objekte, Installationen und Grafik umfasst, prägt seit den 1960er Jahren die zeitgenössische Kunst. Typisch für seine Kunst ist nicht nur der äußerst facettenreiche Einsatz verschiedenster Medien und seine Experimentierfreude, sondern auch der humorvolle und häufig ironisch-doppelbödige Inhalt der Werke, die oft auch mit Sprachwitz spielen. Auf Blättern, in Mappen, Büchern, Fotografien oder Objekten finden sich überraschende Themen und experimentelle Techniken, mit denen Polke ganz neue Wege der Kunst eröffnet. In seinem vielfältigen Œuvre existieren alle Gattungen gleichberechtigt nebeneinander und die Editionen sind keinesfalls Nebenwerke, sondern ein eigenständiger Werkkomplex. In ihnen werden die reproduktiven Techniken sichtbar, die auch in Polkes Gemälden immer wieder auftauchen: Druck, Fotografie und Fotokopie.

Unser Werk »Dr Pabscht het z’Schpiez s’Schpäckbschteck z’schpät bschteut« aus dem Jahr 1991 verrät schon im Titel Polkes Sinn für Humor, indem er einen schweizerdeutschen Zungenbrecher wählt, welcher wörtlich besagt, dass der Papst in Spiez sein Speckbesteck zu spät bestellt habe. Auf dem hochformatigen Druck auf Leinwand ist demnach ebendieses Speckbesteck dargestellt. Das Thema an sich ist unscheinbar und könnte einem alten Verkaufskatalog aus dem 19. Jahrhundert entnommen sein. Polke zeigt fast vollformatig zwei gekreuzte Löffel in einem aufgeklappten Besteckkasten; ein Motiv, welches vor ihm auch schon Max Ernst in seinen Collagen verarbeitete. Polke entnimmt diese Vorlage aus dem 1934 erschienen Roman »Une semaine de Bonte« (Die weiße Woche) des surrealistischen Künstlers. War bei Ernsts Umsetzung der Besteckkasten nur ein Detail, wird er bei Polke zum einzigen Bildinhalt, auf alle anderen Beigaben verzichtet er. 1981 fertigt er ein unbetiteltes Werk, welches ebendiesen Besteckkasten in Dispersionsfarbe auf Deckostoff zeigt; 10 Jahre später, 1991, greift er für die Edition dann wieder auf dieses Motiv zurück.1 Die technische Umsetzung steht dem eher altmodisch anmutenden Thema allerdings diametral entgegen, indem Polke auf allerneuste Produktionstechnik setzt. Der computergenerierte Vierfarbendruck auf Vinyl ist technisch neuartig und wird in den USA vor allem für großformatige, wetterfeste Reklamen verwendet. Der Künstler spielt hier also ausdrücklich mit Gegen­sätzen und Erwartungen. Die vielen sehr kleinen, bunten Rasterpunkte, die die gesamte Bildfläche überziehen, erinnern an die für Polkes Werk typischen Raster. Der Künstler hatte seit 1963 diese Rasterpunkte in seinen Bildern verwendet und sie tauchen immer wieder in unterschiedlicher Weise auf: entweder gemalt, gestempelt oder auch mithilfe eines Lochblechs aufgesprüht. Sie bilden eine Reminiszenz an das Zeitungsbild, indem sie das dort verwendete Druckraster imitieren und erinnern so an den Reproduktionscharakter. Der amerikanische Kunsthistoriker Charles W. Haxthausen betont denn auch, dass Polke, »immer wenn er sich ein Bild aneignet, auch die Kennzeichen von dessen Reproduktionstechnik als integralen Bestandteil dieses Bildes übernimmt.«2

Sigmar Polke, der 1941 in Oels, Schlesien geboren wurde, lebte seit 1953 in Düsseldorf und studierte dort, nach einer Glasmaler-Lehre, an der Kunstakademie bei Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz. Schon früh kann er erste Ausstellungen realisieren u.a. zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Lueg. 1972 nimmt er an der documenta V in Kassel teil und 1986 gewinnt er auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für den Deutschen Pavillon. Polke stirbt 2010 in Köln.

1 Vgl. Gabriele Wix, »Von Schlagen, schlafenden Müttern und Schmetterlingen ohne Flügel. Polke liest Ernst«, in: »Edition für Parkett«, Nr. 30, Zürich 1991, S. 100 f.

2 Vgl. Hubertus Butin, »Die Punkte sind meine Brüder«, in: »Sigmar Polke. Die Vervielfältigung des Humors. Die Editionen in der Sammlung Axel Ciesielski«, Ausst.-Kat. Museum für Gegenwartskunst Siegen, Köln 2013, S. 43.

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