Emil Nolde

Sonnenblumen
ca. 1930/40

Emil Nolde, Sonnenblumen
© Nolde Stiftung Seebüll

Aquarell auf Japanpapier

26,4 × 22,3 cm

Signiert

Expertise

Prof. Dr. Martin Urban, ehemaliger Direktor der Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll

Provenienz

Galerie Pabst, München (1983); Galerie Neumann, Düsseldorf (1985); Galerie Neher, Essen (bis 1985); Privatsammlung Deutschland; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Falkenstern Fine Art, "Von Jawlensky über Nolde bis Richter", Kampen/Sylt 2014
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke des Expressionismus", Düsseldorf 2011/2012
  • Galerie Neumann, "16. Westdeutsche Kunstmesse Köln", Köln 1985
Literatur
  • Falkenstern Fine Art (Hg.), "Von Jawlensky über Nolde bis Richter", Ausst.-Kat., Kampen/Sylt 2014, Nr. 4
  • Messe Köln (Hg.), "16. Westdeutsche Kunstmesse Köln. Kunst und Antiquitäten vom Altertum bis zur Neuzeit", Ausst.-Kat., Köln 1985, S. 237

Emil Nolde zählt neben August Macke und Paul Klee zu den ersten Künstlern, die im frühen 20. Jahrhundert die Aquarellmalerei wiederentdecken. Bereits in den frühen 1890er Jahren, während seiner Anstellung als Lehrer am Gewerbemuseum in St. Gallen, unternimmt er erste Malversuche mit Aquarellfarben. Doch erst seit 1908 widmet er sich intensiv dieser in Deutschland seit langem in Vergessenheit geratenen Technik. Der schnelle, kontrastreiche Farbauftrag und die improvisierende Leichtigkeit der Kompositionselemente avancieren zum prägenden Ausdrucksmittel seiner Aquarellmalerei. Dabei gelangt er über die Jahre zu großer gestalterischer Freiheit, stilistischer Meisterschaft und einer großen Virtuosität in der Handhabnug der Farbe.

Zeitlebens ist Nolde von Blumen und Gärten fasziniert. Überall, wo er sich häuslich niederlässt, sucht er gleichzeitig die Nähe zur Natur, zur wachsenden und gedeihenden Flora. Auch scheut er die Gartenarbeit nicht und genießt die Freude beim Betrachten der knospenden Pflanzenstauden. Unser Aquarell „Sonnenblumen“ entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem sich Nolde schon seit längerem in Seebüll aufhält, wo er sich seit 1927 nach eigenen Plänen ein Wohn- und Atelierhaus errichten lässt. Der mit großem Aufwand und Hingabe angelegte Garten vor dem Haus, durch Bäume vor dem Wind geschützt, erwächst zum unerschöpflichen Inspirationsquell seiner Kunst, so dass der Entstehungsort unserer „Sonnenblumen“ gleichsam hier anzusiedeln ist.

Mehrere Sonnenblumen mit prachtvoll geöffneten Blütenköpfen verteilen sich dicht an dicht über den Bildträger. Erwartungsvoll recken sie sich dem Betrachter, ähnlich wie dem lebensspendenden Sonnenlicht, entgegen. Die Blüten, deren Formen nahezu skizzenhaft umrissen sind, drängen über das Bildformat hinaus, sind vom Papierrand teilweise angeschnitten. Die Lebendigkeit, die Urkraft der Gewächse bannt Nolde stimmungsvoll auf das Papier.

Mit raschem Pinselzug trägt Nolde die Farben auf, ganz und gar durchdringen sie das saugfähige Japanpapier. In leuchtendem Gelb überstrahlen die Sonnenblumen den gesamten Bildaufbau. Nur sparsam akzentuierend ist das Grün des Blattwerks und der Blumenstängel in die Komposition integriert, zugunsten der Fokussierung auf die leuchtenden Blüten. Ein dunkles Violett fügt sich zudem berauschend in das koloristische Zusammenspiel ein. „Farben waren mir ein Glück, und mir war es, als ob sie meine Hände liebten“2). Mit diesen Worten unterstreicht Nolde die elementare Bedeutung der Farbe in seiner Malerei. Als sinnlich wahrnehmbares Erlebnis dient sie nicht mehr als Übertragungsmittel für Bildinhalte, sondern birgt eine eigene Seele in sich, die je nach Stimmungslage anziehend oder abstoßend wirkt. Die Farbe ist somit selbst Energie und Kraft, die sich in unserem Aquarell als ein sommerlicher Reigen von leuchtender Pracht und sprühender Lebendigkeit kundtut.

Anm.:

1) Emil Nolde, „Mein Leben“, 8. Aufl., Köln 1990, S. 334.

2) Emil Nolde, „Jahre der Kämpfe“, Berlin 1934, S. 92.

Über Emil Nolde

Emil Nolde ist ein wichtiger Vertreter des Expressionismus. In seinen Landschaften, ebenso wie in den Blumenbildern, kombiniert er Farbe so radikal wie kaum ein anderer.

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