Emil Schumacher
GH-4/1997
1997
Mischtechnik auf Karton
50,5 × 66 cm
Signiert und "97" datiert
Im Archiv der Emil Schumacher Stiftung unter der Nr. ???? registriert und aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis
angefragt
Galerie Strelow, Düsseldorf; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026, S. 166
Bereits als junger Mann ist Emil Schumacher inspiriert von Künstlern wie Matisse, Miro, Picasso oder Chagall. 1930, er geht noch zur Schule, macht er eine vierwöchige Fahrradtour nach Paris, besucht die wichtigen Museen der Stadt und studiert die Werke seiner Vorbilder im Original. Nach seiner Ausbildung zum Werbegrafiker an der Kunstgewerbeschule Dortmund (1932–35) arbeitet er bis zum Kriegsbeginn 1939 als freier Maler. Wegen des Vorwurfs des »Kulturbolschewismus« wird er nicht in die Reichskammer der Bildenden Künste aufgenommen und muss sich die Kriegsjahre als Technischer Zeichner in den Akkumulatoren-Werken, einem Hagener Rüstungsbetrieb, verdingen. Unmittelbar nach Kriegsende startet er einen Neubeginn. Er beschäftigt sich mit Künstlern wie Paul Klee und WOLS und entdeckt eine vom Gegenstand befreite Malerei für sich. Mit befreundeten Malerkollegen gründet er 1947 die Künstlervereinigung »junger westen«. Schon drei Jahre nach diesem folgenreichen Zusammenschluss, dessen Ziel die Reaktivierung der Modernen Kunst nach der nationalsozialistischen Diktatur war, setzt sich ein maßgeblicher, stilistischer Umbruch in Schumachers Werk durch. Beeinflusst von den künstlerischen Tendenzen der Nachkriegszeit in Frankreich und den USA, wie dem Tachismus und des Action Paintings, beginnt Schumachers Entwicklung zum abstrakten Maler und zu einem der wichtigsten Vertreter des deutschen Informel. Sein erstes abstraktes Bild, mit dem er die Tradition des traditionellen Tafelbildes überwindet, entsteht 1951. Spätestens ab den 1960er Jahren rückt die Beschäftigung mit den Materialien und den Farben ins Zentrum seines Schaffens. → S. 166
Gut nachvollziehen lässt sich dies an unseren beiden Werken. Eines unbetitelt, das andere schlicht »GH-4/1997« bezeichnet, ermöglichen sie den Betrachtenden freie Assoziationen. So mag man in den schwarzen Farbflecken von »GH-4/1997« Tierwesen erkennen, die an archaische Höhlenmalereien von Ochsen oder Pferden erinnern. Die kräftigen Rottöne und aggressiven Pinselstriche oder das Verletzen der Bildoberfläche an den vielen Stellen, an denen der Künstler die Farbe wieder abgekratzt hat, wecken bei dem früheren Gemälde (S. XX) hingegen Assoziationen von Blut und Gewalt. Schumacher versteht seine Bilder als geschlossene, bildhafte Einheiten, die eine abstrakte Ebene haben, uns aber immer auch die Möglichkeit geben, das Dargestellte in der eigenen Fantasie weiterzudenken, Dinge zu erkennen und so das Bild im Kopf zu vollenden. Die Arbeiten des Künstlers entstehen in einem steten Dialog mit seinem Bild. Der noch unbemalten Leinwand wird etwas entgegengesetzt; eine Linie, ein Fleck, bisweilen eine Zerstörung des Malgrundes. Auf jedes neue Element muss eine Antwort gefunden werden. Diese evolutionäre Methode hat starke Parallelen zum Action Painting: In beiden Fällen entstehen die Bilder aus der Bewegung des Malers heraus und aus der malerischen Entwicklung von Elementen, die sich gegenseitig während des Malprozesses befruchten. Dieses Gestaltungsprinzip verleiht Schumachers Werken Dynamik und Dramatik. Spätestens ab 1955 beginnt für Schumacher der künstlerische Durchbruch. Er hat erste Ausstellungen, gewinnt Preise und bekommt eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Er stellt insgesamt drei Mal auf der documenta in Kassel aus, ist 1961 auf der 29. Biennale von Venedig vertreten und von 1966 bis 1977 Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seine Arbeiten hängen heute in zahlreichen wichtigen Museen weltweit.



