Erich Heckel
Sitzender Akt
1910
Bleistift auf Papier
44,5 × 36,5 cm
Signiert und "10" datiert sowie rückseitig betitelt
Bei der Dargestellten handelt es sich um die Tänzerin Milda Frieda "Sidi Riha" Georgi, die sich nach ihrer Heirat mit Erich Heckel im Jahr 1915 Siddi nannte
Das Werk ist im Erich-Heckel-Archiv verzeichnet
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Wir danken dem Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen für die freundlichen Informationen und die Bestätigung der Echtheit des Werkes und die Registrierung im Werk-Archiv
Galerie Franke, München; Privatsammlung Berlin
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026, S. 50
Erich Heckel, Mitbegründer der Künstlergemeinschaft »Brücke«, zählt zu den prägenden Vertretern des deutschen Expressionismus. Gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl wandte er sich ab 1905 entschieden gegen die akademische Kunstauffassung seiner Zeit. Ziel der »Brücke«-Künstler war es, durch eine unmittelbare, subjektive Bildsprache zu einer neuen, unverstellten Form des künstlerischen Ausdrucks zu gelangen. Spontaneität, Vereinfachung der Form und die Konzentration auf das Wesentliche wurden zu zentralen Gestaltungsmitteln. In der Zeichnung »Sitzender Akt« von 1910 widmet sich Heckel dem menschlichen Körper als Ausdruck innerer Befindlichkeit. Der weibliche Akt ist in zusammengesunkener, geschlossener Haltung dargestellt; Arme und Beine sind eng an den Körper gezogen, der Kopf leicht gesenkt. Die Figur wirkt in sich gekehrt und von einer stillen, inneren Spannung erfüllt. Mit einem sicheren Bleistiftstrich umreißt Heckel den Körper in mehrfach überlagerten Linien. Die Form ist nicht idealisiert, sondern bewusst vereinfacht und spannungsvoll verzerrt. Schraffuren dienen weniger der plastischen Durchbildung als der Verstärkung des Ausdrucks. Der Raum bleibt skizzenhaft angedeutet und tritt zugunsten der Figur zurück. Die Zeichnung entstand in einer Phase zunehmender Psychologisierung des Menschenbildes in Heckels Werk. Der Akt erscheint nicht als Gegenstand klassischer Schönheit, sondern als Träger existenzieller Empfindung – ein frühes Beispiel jener stillen, melancholischen Figuren, die sein Werk um 1910 zunehmend prägen.




