Erich Heckel
Zirkuspferde und Dompteur
1921
Farbkreide und Tusche auf Postkarte
15,7 × 10,4 cm
Rückseitig Postkarte adressiert an Klaus Gebhardt [sic], Eberfeld
Werkverzeichnis Ebner/Gabelmann 2025 S. 288 / Registriert im Archiv des Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
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Mit einer Bestätigung von Hans Geißler, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen, vom 18. Dez. 1990 (in Kopie)
Atelier des Künstlers; Klaus Gebhard, Wuppertal (1921-); Galerie Glöckner, Köln (-1991); Privatsammlung Rheinland (1991-2026)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 42
- Renate Ebner/Andreas Gabelmann, "Erich Heckel. Die bemalten Postkarten", hrsg. Erich Heckel Stiftung, Hemmenhofen/Hans Geissler, Dresden 2025, S. 288
Der Zirkus gehört zu den Motiven, die Erich Heckel über viele Jahre hinweg immer wieder beschäftigten. Bereits die Künstler der „Brücke‟ interessierten sich für Orte jenseits des bürgerlichen Alltags, an denen Bewegung, Unmittelbarkeit und ein ursprünglicher Ausdruck erfahrbar wurden. Neben Szenen aus der Natur und Darstellungen fremder Kulturen bot der Zirkus hierfür ein ideales Bildfeld.
Der Zirkus erscheint nicht als bloßes Schaustück, sondern als konzentrierter Erfahrungsraum von Bewegung und Risiko. Dabei verbindet sich „das Erlebnis der bunten, schillernden Zirkusatmosphäre mit ihrer Mischung aus Sensationslust der Zuschauer und Ausgesetztheit der zu riskanten Höchstleistungen getriebenen Artisten“1. Diese Spannung zwischen Beobachtung und körperlicher Leistung spiegelt sich auch in Heckels Zeichnung wider, die den Moment zwischen Kontrolle und Dynamik festhält.
Die kleine, auf einer Postkarte ausgeführte Zeichnung zeigt einen Dompteur zwischen mehreren Pferden. Mit wenigen, sicheren Linien erfasst Heckel die Situation in ihrer ganzen Lebendigkeit. Die Tiere sind nicht anatomisch präzise beschrieben, vielmehr verdichtet der Künstler ihre charakteristischen Bewegungen zu schwungvollen Konturen. Farbige Kreideflächen in Blau, Grün und Ocker strukturieren den Raum und verleihen der Szene eine heitere Leichtigkeit. Tusche und Farbkreide ergänzen sich zu einer spontan wirkenden Bildsprache, die für Heckels zeichnerisches Schaffen der frühen 1920er Jahre charakteristisch ist.
Besonders reizvoll ist das Nebeneinander von Beobachtung und freier Gestaltung. Die Komposition vermittelt den Eindruck einer rasch festgehaltenen Momentaufnahme, zugleich entwickelt die Linie ein Eigenleben, das die Darstellung über die bloße Wiedergabe des Gesehenen hinausführt. Gerade in solchen kleinformatigen Arbeiten zeigt sich Heckels außergewöhnliche Fähigkeit, mit wenigen Mitteln Atmosphäre, Bewegung und Ausdruck zu erzeugen.
1 https://www.staatsgalerie.de/de/sammlung-digital/zirkus-seiltaenzerin [11.8.2026]