Georg Kolbe, Nonne (Kleine Nonne)

Bronze

28,3 cm

Signiert mit dem Monogramm auf der Rückseite und gestempelt "H.NOACK BERLIN"

Werkkatalog Kolbe-Museum/Berger 1990 Nr. 56

95.000,00 €

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Provenienz

Privatsammlung Nordrhein-Westfalen; Lempertz, Köln (Auktion 997, 22. Mai 2012, Los 213); Privatsammlung Berlin

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 68
  • Ursel Berger, "Georg Kolbe – Leben und Werk mit dem Katalog der Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum Berlin", Berlin 1990, Nr. 56

Als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmete sich Georg Kolbe zeitlebens der menschlichen Figur. Anders als viele seiner Zeitgenossinnen und Zeitgenossen interessierte ihn weniger die naturgetreue Wiedergabe des Körpers als dessen Wirkung. Inspiriert vom Ausdruckstanz der 1920er Jahre entwickelte er eine reduzierte und zugleich lebendige Formensprache, in der Haltung, Bewegung und innere Spannung zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.

Die Bronzeplastik „Nonne“ aus dem Jahr 1923 gehört zu den eindrucksvollen Beispielen dieser künstlerischen Auffassung. Sie zeigt eine kniende, langgestreckte Figur, deren bodenlanges Gewand den Körper beinahe vollständig bedeckt. Der markante Faltenwurf gliedert die Oberfläche rhythmisch und verleiht der Skulptur trotz ihrer schlanken Gestalt eine stille Monumentalität. Während sich der Oberkörper leicht dreht, greifen beide Arme in einer überkreuzten Bewegung zum Kragen des Gewandes und rahmen den Kopf nahezu rautenförmig ein. Die Geste wirkt zugleich schützend und in sich gekehrt und verleiht der Figur eine eindringliche innere Präsenz.

Ihre besondere Wirkung entfaltet die Skulptur nicht durch eine ausgreifende Bewegung, sondern durch die Konzentration der Haltung. Jede Linie ist bewusst gesetzt, jede Geste sorgfältig aufeinander abgestimmt. So entsteht eine ruhige, beinahe meditative Ausstrahlung, die den Blick des Betrachters auf die feine Balance zwischen Bewegung und Stille lenkt. Die dunkelbraune, stellenweise aufgehellte Patina unterstreicht die plastische Modellierung und lässt die weich ausgearbeiteten Übergänge der Oberfläche besonders wirkungsvoll hervortreten.

Mit ihrer Verbindung aus formaler Klarheit, expressiver Geste und stiller Innerlichkeit zählt die „Nonne“ zu den eindrucksvollsten Beispielen jener Werkphase, in der Georg Kolbe die menschliche Figur zu einem zeitlosen Ausdrucksträger von Bewegung und Empfindung verdichtete.

Über Georg Kolbe

Georg Kolbe war ein bedeutender Bildhauer der Moderne. Das Thema Tanz bestimmt seine sinnlichen, wundervoll bewegten Figuren, die international gesammelt werden.

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