Günther Uecker
Kopf
1955/1956
Nägel auf Holz
60 × 34 × 38 cm
Signiert und "56" datiert
Auflage Unikat
Registriert im Uecker Archiv mit der Nummer GU.56.001 und vorgemerkt für die Aufnahme in das neu entstehende Werkverzeichnis von Günther Uecker / Werkverzeichnis Honisch 1983 Nr. 1
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Atelier des Künstlers; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (direkt von der Familie des Künstlers erworben 1987-2026)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Kestner-Gesellschaft, "Günther Uecker", 5. Mai-18. Jun., Hannover 1972
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 158
- Dieter Honisch, "Günther Uecker. Werkverzeichnis", Stuttgart 1983, Nr. 1, S. 169
- Kestner-Gesellschaft, "Günther Uecker", Hannover 1972, Nr. 53
- Kunst- und Museumsverein, "Exotisches und Moderne Kunst," Wuppertal 1968, Nr. 41
Ein gefundenes Stück Holz, vom Künstler zu einer Frauenbüste mit markanter Nase und vollen Lippen geschnitzt, vollflächig übersät mit langen Zimmermannsnägeln – dieser „Kopf“ ist der Startpunkt eines künstlerischen Œuvres, das mit internationaler Reichweite Anerkennung ernten wird. 1955 / 56 steht Günther Uecker noch ganz am Anfang seiner einflussreichen Karriere. Er hat seine Heimat in Mecklenburg Richtung Düsseldorf verlassen und studiert dort an der Kunstakademie unter Otto Pankok. 1961 wird er sich der Künstlergruppe ZERO anschließen und gemeinsam mit Heinz Mack und Otto Piene die Idee einer „Stunde Null“ formulieren, die nach der Zerstörung und den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs eine Erneuerung der Kunst anstrebt. An die Stelle subjektiver Expressivität soll eine offene, elementare Bildsprache treten, deren wesentliche Medien Licht, Raum, Bewegung und Energie sind. Uecker teilt diese programmatischen Grundlagen, erweitert sie jedoch um eine sinnliche und anthropologische Dimension.
Diese, als sein erstes Kunstwerk und Startpunkt deklarierte und mit der Nummer 1 im Werkverzeichnis versehene, Figur zeigt bereits den Einsatz des für Uecker wichtigsten Werkstoffes und sein Wiedererkennungsmerkmal: den Nagel. Der Nagel erscheint hier erstmals nicht mehr ausschließlich als funktionales Verbindungselement, sondern als autonomes bildnerisches Medium. Er strukturiert die Oberfläche, erzeugt Rhythmus, Lichtreflexe und eine vibrierende Räumlichkeit. Damit wird das Material selbst zum Träger künstlerischer Bedeutung – ein Grundprinzip, das Ueckers spätere Nagelreliefs entscheidend prägen wird.
Auch wenn die Figur an einen afrikanischen Nagelfetisch erinnern mag, nimmt Uecker darauf zu keinem Zeitpunkt Bezug. Das Holz stellt für ihn vielmehr eine Verbindung zu seiner Mecklenburgischen Heimat her, wo er es in einer alten Scheune gefunden haben soll. Bei der Dargestellten handelt es sich wahrscheinlich um seine Schwester, die Künstlerin Rotraut, die späte Ehefrau seines Freundes Yves Klein. Das Kunstwerk hat somit sehr starke autobiographische Bezüge.
Jeder Nagel verletzt die Oberfläche der Büste, macht sie aber gleichzeitig durch den Abstand, der zwischen Nagelspitze und -kopf besteht, unantastbar. Die Details des Kopfes verschwinden hinter der Schicht aus Nägeln, die je nach Beleuchtung Schatten auf das Holz werfen. Uecker verlässt mit dem Werk „Kopf“ bereits Mitte der 1950er Jahre die Grenzen der traditionelle Bildhauerei zugunsten einer prozesshaften, von dem Betrachter aktiv wahrgenommenen Formauffassung. Zudem kündigt die Verbindung von Körper, Material und Licht bereits jene künstlerische Haltung an, die sein späteres Werk international bekannt machen wird.