Günther Uecker
Rose
1963
Nägel auf Leinwand auf Holz
85 × 85 cm
Rückseitig signiert und datiert
Auflage Unikat
Registriert im Uecker Archiv mit der Nummer GU.63.115 und vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker Werkverzeichnis / Werkverzeichnis Honisch 1983 Nr. 289
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Atelier des Künstlers (-1974); Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (direkt beim Künstler erworben 1974-2026)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Auckland City Art Gallery, "Contemporary Painting in Germany", Mai - Aug., Auckland 1965
- Palazzo del Kursal, "IV Biennale Internazionale d'Arte", 7. Jul. - 7. Okt., San Marino 1963
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 162
- Dieter Honisch, "Günther Uecker. Werkverzeichnis", Stuttgart 1983, Nr. 289, S. 189
- Queen Elizabeth II Arts Council (Hg.), "Contemporary Painting in Germany", Ausst.-Kat. Auckland City Art Gallery, Auckland 1965
In eine quadratische zart-rosa farbene Bildfläche wurde in unterschiedlichen Winkeln Nägel eingeschlagen, die in der Gesamtheit eine organische Form ergeben. Innerhalb der Form scheinen die Nägel in Spiralen und Wellen zu schwanken und bilden so rechts der Mitte ein Zentrum. Spätestens wenn man den Titel des Werks – „Rose“ – erfährt, werden Assoziationen an einen von oben betrachteten Blütenkopf deutlich. Das zarte Rosa des Hintergrundes unterstreicht diese Interpretation.
Hier zeigt sich Ueckers poetische Seite. Der Titel „Rose“ erlaubt zudem eine symbolische Lesart. Die Rose ist seit Jahrhunderten ein vielschichtiges Motiv der europäischen Kunstgeschichte und steht gleichermaßen für Schönheit, Vergänglichkeit, Liebe und Schmerz. Uecker verzichtet jedoch auf jede gegenständliche Darstellung. Die Blume erscheint nicht als Motiv, sondern wird in eine prozesshafte Struktur übersetzt. Die organische Nagelbewegung evoziert Assoziationen an das Aufblühen einer Blüte, ohne diese illustrativ abzubilden. Damit verbindet Uecker Naturerfahrung mit den formalen Fragestellungen der konkreten und kinetischen Kunst. Für John A. Thwaites war Uecker der Dichter der Gruppe.1
„Rose“ ist eine zentrale Arbeit aus Ueckers früher Schaffensphase, denn das Werk markiert den Übergang von den seriellen Reliefstrukturen der frühen ZERO-Zeit zu den organisch bewegten Nagelbildern der mittleren 1960er-Jahre. Während die frühen Arbeiten noch von mathematischen Ordnungsprinzipien und einer nahezu konstruktiven Rationalität bestimmt werden, tritt nun der körperliche Gestus des Hämmerns deutlicher hervor. Das Relief wird zu einem Ereignis aus Material, Licht und Bewegung, dessen Erscheinung sich im Wechsel der Beleuchtung und der Position des Betrachters kontinuierlich verändert. Uecker überschreitet auch hier bewusst die traditionellen Grenzen zwischen Malerei, Relief und Skulptur und entwickelt ein Werkverständnis, das den Bildraum als dynamisches Wahrnehmungsfeld begreift. Dieses vielschichtige Werk kann somit als Schlüsselbild im Oeuvre des Künstlers angesehen werden.
1 „Er [Uecker] hat sich von einer fast mathematischen Abstraktion über eine naturnahe Phase hin zu Lyrik und Fantasie entwickelt. Er ist der Dichter der Gruppe.“
John Anthony Thwaites, Einführungstext, in: „Günther Uecker“, Ausst.-Kat. Auckland City Art Gallery, Auckland 1965, o. S.