Hermann Max Pechstein
Tulpenstillleben
1919
Aquarell auf Papier
46,7 × 57,5 cm
Signiert mit dem Monogramm und datiert sowie rückseitig von fremder Hand "Tulpen" beschriftet
Registriert im Archiv der Max Pechstein Stiftung, Hamburg
Wir danken Frau Julia Pechstein für die weiterführenden Informationen zum Werk
Privatsammlung München (-1979); Karl & Faber, München (Auktion 149, Mai 1979, Los 1851); Firmensammlung Bayern (1979-2026)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 124
Das 1919 entstandene Aquarell gehört zu jener Gruppe von Blumenstillleben, mit denen Max Pechstein nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren zu einer erneuten künstlerischen Produktivität fand. Zugleich dokumentiert das Blatt jene Schaffensphase, die im selben Jahr durch Ausstellungen von Zeichnungen und Aquarellen bei den Berliner Galeristen Paul Cassirer und Ferdinand Möller öffentlich sichtbar wurde.
Fast bildfüllend breitet sich ein üppiger Tulpenstrauß über die Komposition aus. Die hellen, rosa-weiß schimmernden Blüten entfalten sich vor einem locker angelegten Hintergrund aus Blau-, Grün- und Beigetönen. Rechts ergänzt ein Krug die Szenerie und verankert das Werk in der Tradition des Stilllebens, die Pechstein immer wieder aufgriff.
Charakteristisch für das Blatt ist die Spannung zwischen skizzenhafter Offenheit und präziser formaler Gestaltung. Große Partien des Papiers bleiben sichtbar und werden bewusst in die Bildwirkung einbezogen. Tisch, Hintergrund und Stoffdecke sind mit breiten, transparenten Farbfeldern angedeutet, während die Tulpen durch feine, lineare Pinselzüge und zarte Farbmodulationen hervorgehoben werden. Die Komposition lebt vom Kontrast komplementärer Farbwerte: Den warmen Rosatönen der Blüten stehen die kräftigen Blau- und Grüntöne gegenüber, die dem Bild eine lebendige, zugleich harmonische Farbspannung verleihen.
Pechstein, der vor allem Figurenbilder, Landschaften und Stillleben schuf, entwickelte seit seinem Parisaufenthalt 1907/08 eine Bildsprache, die Einflüsse des Fauvismus mit den Zielen des deutschen Expressionismus verband. Leuchtende Farben, vereinfachte Formen und eine betonte Flächigkeit prägen auch unser Aquarell.