Paul Signac

En rade de Saint-Tropez
1894

Paul Signac, En rade de Saint-Tropez

Aquarell auf Papier

10,5 × 16,6 cm

Signiert und "94" datiert sowie rückseitig mit einer Zeichnung in Bleistift

Expertise

angefragt bei Marina Ferretti, Paris

Provenienz

Sammlung L. Charpentier (-1959); Durand-Ruel, Paris (1959); Sammlung Louis Kahl (1959-); Privatsammlung Paris; Christie's London (Auktion 24. Juni 1986); Kunsthandel, Niederlande (?); Privatsammlung Japan

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2023", Düsseldorf 2023
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2023", Düsseldorf 2023, S. 138

Vielleicht noch mehr als die Malerei liebt der französische Künstler Paul Signac das Meer, das Segeln und vor allem St. Tropez. Schon früh umsegelt er die Küsten Europas, bereist das Mittelmeer und kommt doch immer wieder zurück in das südfranzösische Küstenstädtchen, wo er im Winter 1897 ein Haus erwirbt und sein Atelier einrichtet. Zu diesem Zeitpunkt liegt dort bereits seit fünf Jahren seine Yacht »Olympia« vor Anker, mit der er seine Ausflüge und kleinen Abenteuer zu See bestreitet. Auch wenn in Signacs OEuvre wie auch in dem seines Freundes und Künstlerkollegen Henri Edmond Cross seit den 1890er Jahren sonnendurchflutete Darstellungen von Küste, Meer und Segelschiffen eine herausragende Rolle spielen, so lässt sich nicht ausschließen, dass Signac in diesem hübschen kleinen Aquarell seine »Olympia« verewigt hat. Mit feinen, raschen Pinselstrichen und einem leichten Pinselduktus skizziert der Künstler das zweimastige Segelboot in der vom Wind leicht aufgewühlten Reede von St. Tropez. Kontrastreich hebt es sich von den dunkelblauen Wellen ab, die etwa ab der Bildmitte von der hügeligen Küstenlandschaft der Côte d’Azur abgelöst werden. Überdacht wird die friedliche Szenerie von einem mit zarten Wolken verhangenen Sommerhimmel.

In jenem Sommer 1894, in dem unsere Arbeit »En rade de Saint-Tropez« entsteht, ist Signac bereits einer der wohl bekanntesten Kunstschaffenden Frankreichs. Er studierte zunächst Architektur, bevor er sich im Alter von 18 Jahren dazu entschließt, Künstler zu werden. 1884 lernt er Claude Monet und Georges Seurat kennen. Die systematische Arbeitsweise Seurats und seine Farbtheorie beeindrucken ihn. Unter seinem Einfluss gibt Signac die kurzen Pinselstriche des Impressionismus auf und experimentiert mit präzise aneinandergereihten kleinen Punkten aus reiner Farbe, die sich nicht auf der Leinwand, sondern im Auge der Betrachtenden verbinden und vermischen sollen – das entscheidende Merkmal des Pointillismus. Im selben Jahr noch gründet Signac gemeinsam mit anderen Künstler:innen die »Société des Artistes Indépendants«.

Nach dem Tod Georges Seurats im Frühjahr 1891 werden Signac und Cross zu den Galionsfiguren der neoimpressionistischen Bewegung. Wie viele ihrer Künstlerkolleg:innen sympathisieren auch sie mit dem Anarchismus. Im von der Industrialisierung unbelasteten Süden des Landes und seiner landschaftlichen Schönheit sehen die beiden eine Metapher für das Ideal einer anarchistischen Sozialutopie, welcher sie in ihren Naturdarstellungen Ausdruck zu verleihen suchten.

Über Paul Signac

Anfangs inspiriert vom Impressionismus von Claude Monet, entwickelte Paul Signac zusammen mit Georges Seurat ab Mitte der 1880er Jahre den Pointillismus.

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