Alberto Giacometti
Pommes dans un compotier à Stampa
ca. 1954
Bleistift auf Papier
49,6 × 34,6 cm
Signiert
Das Werk ist im Online Werkverzeichnis der Fondation Giacometti, Alberto Giacometti Database, unter Nr. AGD 4771 registriert
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Galerie Maeght, Paris; Sotheby's Parke-Bernet Galleries, Inc., New York (15. Mai 1969, Los 2 862); B.C. Holland, Inc., Chicago; Sotheby’s, New York (12. Nov. 1988, Los 196); Sammlung Janie C. Lee, USA (1988-2026)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Galerie Ludorff, "Portfolio No. 1 – A Collection of Drawings", Düsseldorf 2026/2027
- Grace Borgenicht Gallery, "Still Life Anthology", New York 1990
- Janie C. Lee Gallery, "Master Drawings 1859-1989", New York 1989
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 34
- Galerie Ludorff, "Portfolio No.1 - A Collection of Drawings", Düsseldorf 2026, S. 28
- Janie C. Lee Gallery, "Master Drawings 1859-1989", New York 1989, Nr. 10
Eingebettet zwischen Bergmassiv und grünen Weiden liegt die malerische Ortschaft Borgonovo. In diesem Bergdorf im Schweizer Bergell, kommt Alberto Giacometti 1901 als erstes von vier Kindern zur Welt. Zwei Jahre später zieht die Familie in das benachbarte Stampa, wo über fünfzig Jahre später unsere schöne Zeichnung „Pommes dans un compotier à Stampa“ entstehen wird.
Im Zentrum des Bildes erkennt man eine Schale mit Äpfeln, die auf einem Tisch zu stehen scheint. Der Rest der Szenerie ist lediglich angedeutet. Man vermag ein Regal im Hintergrund auszumachen auf dem drei Dinge, möglicherweise ein Krug, eine Schale und eine Teekanne angeordnet sind. Über den Gegenständen vermittelt ein kleines Fenster am oberen Bildrand einen Eindruck von dem Raum, der diesem Stillleben als Kulisse dient. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Giacomettis Familienhaus, das er regelmäßig besuchte.
Äpfel und Stillleben sind neben den schwindenden Skulpturen und Porträts, für die der Künstler hauptsächlich bekannt ist, ein wiederkehrendes Thema.
Umfangreiche Zeichnungsserien sind zu diesem Thema aus den Jahren 1947 und den frühen 1950er Jahren erhalten. Arbeiten aus der ersten Phase zeigen oft eine dargestellte Figur oder ein Objekt in einem weiten, klar erkennbaren Umfeld, das beispielsweise als Giacomettis Atelier identifiziert werden kann. In der zweiten Phase beherrscht ein zentrales Motiv, oft einfache Gegenstände wie Obstschalen, Flaschen oder Tische, die Komposition. Das Umfeld ist hier jedoch, wie in unserer Arbeit auch, nur andeutungsweise durch eilig gesetzte Bleistiftlinien erkennbar.
Die Zeichnungen stehen in engem Zusammenhang mit Giacomettis persönlicher und existenzieller Lebenssituation nach dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund einer Behinderung vom Wehrdienst befreit, verlebte er die Kriegsjahre in Genf. 1945 kehrte er nach Paris zurück, lebte dort jedoch in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Er bezog ein kleines Atelier in Montparnasse, das zugleich Wohn-, Arbeits- und Denkraum war. Die Erfahrung von Krieg, Isolation und existenzieller Unsicherheit prägte seinen Blick auf die Welt. In den Stillleben dieser Zeit versuchte er weniger die äußere Form als vielmehr die fragile Wahrnehmung der Realität festzuhalten. Die nervösen, suchenden Linien seiner Zeichnungen spiegeln einen permanenten Zweifel am eigenen Sehen wider und zeigen den Versuch, Distanz, Raum und Präsenz neu zu erfassen. Dabei wirken die Objekte isoliert und zugleich von intensiver Konzentration erfüllt, was die existentielle Stimmung der Nachkriegszeit ebenso ausdrückt wie Giacomettis persönliches Ringen um Wirklichkeit und menschliche Gegenwart.