Emil Nolde, Familie
© Nolde Stiftung Seebüll

Aquarell auf Japanpapier

18,6 × 23,3 cm

Signiert

Auflage aus der Folge der "Ungemalten Bilder"

125.000,00 €

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Expertise

Prof. Dr. Manfred Reuther, ehemaliger Leiter der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Mai 2014

Provenienz

Atelier des Künstlers (-1956); Nachlass des Künstlers, Seebüll (1956-1963); Privatsammlung Bielefeld (durch Erbschaft in Familienbesitz 1963-)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
  • Städtisches Kunsthaus, "Emil Nolde. Aquarelle aus Bielefelder Privatbesitz", Bielefeld 1967
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 122
  • Städtisches Kunsthaus, "Emil Nolde. Aquarelle aus Bielefelder Privatbesitz", Ausst.-Kat., Bielefeld 1967, Nr. 44, S. 23

Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur setzte Nolde auch während des nationalsozialistischen Malverbots fort. Nachdem 1937 zahlreiche Werke als „entartet“ aus deutschen Museen entfernt worden waren und ihm 1941 das Malen offiziell untersagt wurde, entstanden die später von ihm als „ungemalte Bilder“ bezeichneten Aquarelle. Viele dieser Blätter zeigen Köpfe, Figuren, religiöse oder imaginäre Szenen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übertrug Nolde einen Teil dieser Entwürfe in großformatige Gemälde und führte damit die während des Malverbots entwickelte Bildwelt weiter.

Das Aquarell „Familie“ gehört zu jener Werkgruppe der sogenannten „ungemalten Bilder“. Im Zentrum der Komposition stehen drei dicht aneinander gerückte Figuren, deren körperliche Nähe ein Gefühl von Verbundenheit und Geborgenheit vermittelt. Gleichzeitig entziehen sich ihre Gesichter einer eindeutigen Individualisierung. Mit ihren vereinfachten Zügen, den großen Augen und den weich modellierten Formen erscheinen sie weniger als Porträts konkreter Personen, sondern mehr als Sinnbilder menschlicher Beziehungen. Die leuchtenden Rot-, Blau-, Gelb- und Violetttöne überlagern sich transparent und verleihen der Szene eine traumhafte, beinahe visionäre Atmosphäre. Die Farbe modelliert nicht nur die Figuren, sondern vermittelt emotionale Nähe, Wärme und innere Spannung. Trotz der skizzenhaften Anlage besitzt das Blatt eine bemerkenswerte Geschlossenheit und verweist auf Noldes Fähigkeit, mit wenigen malerischen Mitteln eine intensive Bildwirkung zu erzielen. Wie viele der „ungemalten Bilder“ war auch dieses Aquarell nicht als abgeschlossenes Ersatzwerk gedacht, sondern diente Nolde als schöpferisches Experimentierfeld und als Ausgangspunkt für spätere Gemälde.

Über Emil Nolde

Emil Nolde ist ein wichtiger Vertreter des Expressionismus. In seinen Landschaften, ebenso wie in den Blumenbildern, kombiniert er Farbe so radikal wie kaum ein anderer.

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