Fernand Léger, Visage à une main
© VG Bild-Kunst, Bonn

Tusche auf Papier

29,5 × 24 cm

Signiert mit dem Monogramm und "39" datiert sowie rückseitig "Albert Maurin Carrot, 8 rue Michelet, Alger" gestempelt

Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis des Comitée Léger, Paris unter der Nr. 2022-05-000346

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Expertise

Comitée Léger, Paris 2022

Provenienz

Sammlung Albert Maurin Carrot, Algier; Privatsammlung New York

Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2023", Düsseldorf 2023, S. 96

Mit einem verträumten Blick schaut uns die Dame aus dem Bild entgegen. Ihren Kopf mit den langen Locken hat sie auf ihren linken Arm gebettet, der beinahe die komplette linke und obere Seite der Papierarbeit einnimmt. Auch wenn die Darstellung keine Rückschlüsse auf eine bestimmte Person zulässt, unterstreichen ihre mit einer breiten Tuschefeder skizzierten großen Augen, die lange, schmale Nase und ihre vollen Lippen die Schönheit ihres Anblicks. Man könnte vermuten, dass es sich bei der Dargestellten um Fernand Légers Geliebte und spätere zweite Ehefrau, Nadia Khodasevich, handelt, die der Künstler 1928 kennen und lieben lernte. Sie wurde seine Assistentin und spielte fortan eine bedeutende Rolle in seiner Arbeit und seinem Leben.

Légers künstlerische Laufbahn begann in Paris. Nach einer Ausbildung zum Architekten zog es den jungen Künstler 1900 in die französische Hauptstadt, wo er mit Künstlern und Intellektuellen wie Marc Chagall, André Mare, Amedeo Modigliani, Guillaume Apollinaire und Blaise Cendrars verkehrte. 1914 wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Die Werke nach seiner Rückkehr 1917 waren gekennzeichnet durch eine präzise, geometrische Formensprache und die Beschäftigung mit moderner (Kriegs-)Technik und der Großstadt. Erst ab 1920 fanden sich in seinen Arbeiten auch zunehmend figurative Elemente.

Unsere schöne Tuschezeichnung entstand vermutlich nur kurze Zeit vor seiner Abreise in die USA, zu welcher Léger aufgrund der zunehmenden Anfeindungen durch die Nationalsozialisten, die ihn nach ihrer Besetzung Frankreichs als entarteten Künstler diffamierten, gezwungen wird. In Amerika war er auch schon lange kein Unbekannter mehr. Bereits 1925 hatte er seine erste erfolgreiche Einzelausstellung in New York, 1935 folgten Ausstellungen im Museum of Modern Art, New York und im Art Institute, Chicago.

Bei seiner Rückkehr nach Paris im Jahr 1945 gehörte er längst zu den wichtigsten Kunstschaffenden der französischen Moderne. Zurück in seiner Heimat gründete er die private »Académie Fernand Léger«. Gemeinsam mit Nadia unterrichtete er angehende Künstler:innen, darunter Sam Francis, Kenneth Noland oder Elsworth Kelly, und beschäftigte sich vor allem mit Arbeiten für den öffentlichen Raum. 1955 erhielt er den Malerpreis auf der Biennale von São Paulo. Zudem wurden seine Werke posthum auf der documenta I (1955), documenta II (1959) und documenta III (1964) in Kassel gezeigt.

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