Georg Kolbe

Kniende
1926

Georg Kolbe, Kniende

Bronze

53,6 cm

Signiert mit dem Monogramm und "II" bezeichnet auf der linken Fußsohle sowie auf der Unterseite des rechten Fußes mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin Friedenau Made in Germany" versehen

Auflage ca. 60 Güsse, davon 40 zu Kolbes Lebzeiten; Lebzeitguss

Werkkatalog Kolbe-Museum/Berger 1990 Nr. 87

Expertise

Dr. Ursel Berger, ehemalige Direktorin des Georg Kolbe Museum, Berlin

Provenienz

Sammlung Luise Rainer, London

Ausstellungen
  • Kunsthandlung Victor Hartberg, "Kurt von Keudell, Georg Kolbe", Berlin 1926
Literatur
  • Ursel Berger, "Georg Kolbe 1877-1947", Ausst.-Kat., Georg-Kolbe-Museum, München 1997, Nr. 58
  • Ursel Berger, "Georg Kolbe – Leben und Werk mit dem Katalog der Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum Berlin", Berlin 1990, Nr. 87
  • Rudolf Binding, "Vom Leben der Plastik. Inhalt und Schönheit des Werkes von Georg Kolbe", Berlin, 1933/41, S. 12
  • Philipps-Universität Marburg, "Georg Kolbe – 100 Lichtdrucktafeln", Marburg 1931, Nr. 53
  • Anton Mayer, "Kurt von Keudell, Georg Kolbe", in: Ausst.-Kat. Kunsthandlung Victor Hartberg, Berlin 1926, S. 357

Schon früh war klar, dass Georg Kolbe kein Maler werden würde. So genießt er zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn zwar eine Ausbildung zum Maler, unter an­derem als Schüler von Gabriel von Hackl und Otto Seitz, doch merkt er schon früh, dass seine wahre Be­stimmung in der Bildhauerei liegt. Bereits 1899 schafft Georg Kolbe erste Skulpturen, vornehmlich heroisch wirkende Portraitköpfe junger Italiener. Kolbe erlernt seine bildhauerischen Fähigkeiten dabei vor allem unter Anleitung der beiden deutschen Künstler Louis Tuaillon und August Gaul, die er in Rom über den Graphiker Otto Greiner kennengelernt hatte. Insbesondere von Tuaillon wird der 23-Jährige in der praktischen Umsetzung seiner Ideen unterstützt. Der allmähliche Wechsel des künstlerischen Mediums erscheint ihm im Nachhinein wie ein Befreiungsschlag: »Ich hatte gefunden, was ich bisher nicht gesucht hatte: das Körperliche, die Form.«¹

1904 stellt insofern ein paradigmatisches Jahr für die Ent­­­wicklung von Kolbe dar, als er mit seinem Umzug nach Berlin die Malerei endgültig ad acta legt und fortan ausschließlich das Medium der Plastik seinen künstlerischen Ausdruck bestimmt. Die Konzentration auf das Motiv der nackten, menschlichen Gestalt soll dabei sein gesamtes Werk prägen und in der Fokussierung auf das Sujet der weiblichen Aktdarstellungen ihren Höhepunkt finden. Nie sollten die Skulpturen in ihrer Form den reinen Selbst­­zweck erfüllen, sondern zum Ausdruck ihres erdachten Inhalts werden, gar beseelt erscheinen.

»Während sich die kleineren Bronzefiguren von 1924-1926 meist in ausgelassenen Bewegungen präsentieren, drückt sich in der »Knienden« Ruhe und Besinnlichkeit aus«.² Mit der 1926 geschaffenen Skulptur beginnt Kolbes reiferes Werk; mit ihr schafft er eine sehr ambivalente Figur. Nur mit den Fußballen, Zehenspitzen und Knien den Boden berührend, wendet die junge Frau ihren Kopf mit halb verschlossenen Augen vom Betrachter nach Innen ab. Ihre Arme sind leicht vom Körper gestreckt, die Schultern leicht hochgezogen, der Hals durch den seitlichen Blick über die Schulter auf den Boden so gestreckt, dass der zunächst tief entspannte Ausdruck bei näherer Betrachtung einem sehr spannungsvollen weicht: keinem rastlosen, sondern einem sehr empfindsamen und in sich ruhenden. Die Figur vermittelt den Eindruck, als ginge von ihr ein Impuls des Lebendigen aus, als präsentiere sich die junge Frau unseren Augen und entziehe sich zugleich ganz bewusst den sie musternden Blicken.

1 Carl Dietrich Carls: »Atelierbesuch bei Georg Kobe 1937«, in: Ursel Berger, »Georg Kolbe – Leben und Werk mit dem Katalog der

Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum Berlin«, Berlin 1990, S. 193.

2 Ursel Berger, »Georg Kolbe – Leben und Werk mit dem Katalog der Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum Berlin«, Berlin 1990, S. 291.

Über Georg Kolbe

Georg Kolbe war ein bedeutender Bildhauer der Moderne. Das Thema Tanz bestimmt seine sinnlichen, wundervoll bewegten Figuren, die international gesammelt werden.

Weitere Werke