Georg Kolbe

Sitzende
1923

Georg Kolbe, Sitzende

Bronze

22,8 cm

Signiert mit dem Monogramm und mit dem Gießerstempel "H NOACK BERLIN FRIEDENAU" rückseitig auf der Plinthe versehen

Auflage 15 Güsse; Lebzeitguss 1923; Edition der Galerie Gustav Möller, Berlin/Potsdam

Werkkatalog Kolbe-Museum/Berger 1990 Nr. 55

Provenienz

Privatsammlung Baden-Württemberg

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020, S. 50
  • Ursel Berger, "Georg Kolbe – Leben und Werk mit dem Katalog der Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum Berlin", Berlin 1990, Nr. 55

Georg Kolbe wurde 1877 in Waldheim geboren und starb 1947 in seiner Wahlheimat Berlin, in der er viele Jahre seines Lebens verbrachte. Um die Jahrhundertwende wandte sich Kolbe vermehrt der Bildhauerei zu und gelangte in der zweiten Hälfte der 1910er Jahre zu der formalen Vereinfachung seiner Plastiken, die charakteristisch für seinen Stil wurde. Er fokussierte sich auf die Darstellung von Einzelfiguren, vornehmlich auf den weiblichen Akt.

Die 1923 entstandene kleinfigurige Bronze Sitzende ist zwischen den expressionistischen Einflüssen, die Kolbes Arbeiten ab 1910 prägten und der darauffolgenden Tendenz zur Natürlichkeit, die Mitte der 1920er Jahre anzusiedeln ist, einzuordnen. Dargestellt ist ein klassisches Thema der Bildhauerei, welches Kolbe in seinem Œuvre mehrfach bearbeitete: ein weiblicher sitzender Akt.

Die Bronze bildet in Größe und Form das abgestimmte Pendant zur Plastik Kauernde von 1917. Die Figur Sitzende sitzt mit überkreuzten, angewinkelten Beinen auf einer Plinthe. Die Arme sind auf ihre Knie gestützt und die Hände übereinandergelegt. Der seitlich geneigte Kopf ruht auf den verschränkten Händen. Der Blick ist nach unten gerichtet und ein besonnener, ruhiger Ausdruck legt sich über das Gesicht. Der formale Aufbau wirkt besonders durch die abgestimmte Haltung der Arme und Beine symmetrisch. Ungewöhnlich für Kolbe ist die Verwendung der Plinthe in dieser Zeit, die mit der Angleichung an die Kauernde zu erklären ist. Im Vergleich zu ihrem Pendant ist diese später entstandene Bronze formal expressionistischer und abstrakter: an den Händen und Füßen wurden die Finger und Zehen nicht ausgeführt und die abstrahierte Frisur bildet einen harten Übergang zwischen Gesicht und Haupt.

Installationsansicht Galerie Ludorff 2020

Die prägenden Erlebnisse des Ersten Weltkrieges führten Kolbe zu einer kantigeren und prägnanter wirkenden Formensprache, die in der Sitzenden erkennbar wird, aber dennoch durch den träumerischen Gesichtsausdruck eine Entspanntheit und Zartheit ausstrahlt. Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1927 verliert sich diese Leichtigkeit und die Plastiken sind von Trauer und Melancholie gekennzeichnet.

Kolbe hatte, wie ein Gipsmodell nachweist, die Überlegung gehabt, die Sitzende als Brunnenfigur auszuführen. Letztendlich entschied er sich für die Kauernde, die schließlich ihren Platz auf der Terrasse der Villa Simon in Berlin-Tiergarten, fand. Beide Figuren wurden von der Galerie Ferdinand Möller in Potsdam, später Berlin, in einer Auflage von jeweils 15 Exemplaren vertrieben. Der Titel Sitzende Möller, wie die Arbeit im Werkverzeichnis auch betitelt wird, lässt vermuten, dass die Dargestellte die Frau des Kunsthändlers Ferdinand Möller war.A So weist das Gesicht eine starke Ähnlichkeit zu Kolbes Büste Porträt Maria Möller-Garny aus dem Jahre 1921 auf.

Cora Faßbender

Kunsthistorikerin, Düsseldorf

A Vgl. Ursel Berger, »Georg Kolbe – Leben und Werk. Mit dem Katalog der Kolbe-Plastiken im Georg-Kolbe-Museum«, Berlin 1994, S. 263.

Über Georg Kolbe

Georg Kolbe war ein bedeutender Bildhauer der Moderne. Das Thema Tanz bestimmt seine sinnlichen, wundervoll bewegten Figuren, die international gesammelt werden.

Weitere Werke
Publikationen zum Werk