Thomas Struth

Bernhardstrasse 2, Leipzig
1991

Thomas Struth, Bernhardstrasse 2, Leipzig
© Thomas Struth

Silbergelatineabzug

37,5 × 48 cm

Rückseitig signiert, datiert, betitelt und "7/10" nummeriert sowie gedruckt auf einem Etikett betitelt und nummeriert "8981"

Auflage 10 + 2 a.p.

Provenienz

Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Perspektiven der Fotografie", Düsseldorf 2020
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Perspektiven der Fotografie", Düsseldorf 2020, Nr. 9

Thomas Struth begann die Serie der Straßenfluchten noch während seines Studiums ab 1976 bei Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Handschrift seiner Lehrer ist nicht zu verkennen. Auch in seinen Fotografien ist der Mensch stets absent und ein strenges fotografisches Konzept ist klar erkennbar. So sind seine Schwarz-Weiß-Fotografien immer streng zentralperspektivisch angelegt und bei gleichmäßigen Lichtverhältnissen werden mit einer analogen Großbildkamera sehr ähnliche Kompositionen unterschiedlichster Städte in aller Welt aufgenommen. Struth interessiert sich für Architektur, allerdings möchte er keine wiedererkennbaren Stadtbilder oder gar Wahrzeichen der Weltarchitektur ablichten. Er richtet seinen Blick vielmehr auf Räume, die von der alltäglichen Wahrnehmung der meisten Menschen ausgeblendet werden. Struth möchte dem Unscheinbaren, gar Nebensächlichem Beachtung schenken und so ist es nur konsequent, dass Struth sich den Stadtraum zum Thema nimmt, der für die meisten Menschen zu einem Alltagsraum geworden ist und dem man aufgrund von Routine keine tiefergehende Betrachtung mehr widmet. Durch den strengen Blick auf das Stadtbild ganz unterschiedlicher Orte und die Präsentation der Ansichten in einer Reihe ermöglicht Struth eine vertiefende Betrachtung und weist auf die vielfältigen Unterschiede zwischen den dargestellten Orten hin. Sein Ziel ist es, das Sehen als bewusst sinnliche Wahrnehmung zu fördern oder gar wieder zu erwecken. Auch in der vorliegenden Ansicht »Bernhardstrasse 2« von 1991 einer Straße in Leipzig werdender Strenge des Gesamtkonzepts eine Fülle von Details gegenübergestellt. Die urbane Architektur wirkt auf den ersten Blick leblos und distanziert. Drei Autos und ein Motorrad strukturieren jedoch die Blickführung in die Tiefe und sorgen für ein ausgewogenes Gleichgewicht der Komposition und ein aufmerksames Betrachten der sehr vielfältigen Architektur des gewählten Straßenzugs.

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