Henri Matisse, Homme et Femme
© Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn

Tusche auf Papier

26,7 × 20,3 cm

Signiert, "26/12 42" datiert und eigenhändig "à la fête à neuneu 6 boules pour 20 jours" beschriftet

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Expertise

Bestätigung von Pierre Matisse, New York 1979

Provenienz

Jean-Pierre Lefebvre, Montreal (-1978); Neal Auction Company, New Orleans (Anon. sale, 26. Feb. 1994, Los 443); Privatsammlung William S. Reese, USA (-2022)

Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2023", Düsseldorf 2023, S. 112

Der französische Maler, Zeichner und Bildhauer Henri Matisse gilt als Begründer des Fauvismus. International bekannt für seine mutige Farbmalerei, hat Matisse auf einzigartige Weise darüber nachgedacht, wie unsere dreidimensionale Welt im zweidimensionalen Medium der Malerei dargestellt werden kann. Seine radikale Vereinfachung der Form ist prägend für die moderne Kunst. In seinen Schriften »Über Kunst« hielt er fest, dass er »von einer Kunst des Gleichgewichts [träumt], der Reinheit, der Ruhe […]; einer Kunst, die für jeden Geistesarbeiter [...] ein Beruhigungsmittel ist, eine Erholung für das Gehirn, so etwas wie ein guter Lehnstuhl, in dem man sich von physischen Anstrengungen erholen kann.« (1)

Neben der bunten und flächigen Malerei blieb das Zeichnen für Matisse lebenslang ein eigenständiger, nicht endender Prozess der Klärung. Matisse war sich dessen schon sehr früh bewusst, denn schon in den allerersten Ausstellungen präsentierte er Zeichnungen. Auch seine ersten großen Verehrer: innen, von Gertrude Stein bis Jacques Doucet, von Marcel Sembat bis Gustave Fayet, wussten das und kauften sie ohne zu zögern. (2)

In seinen Zeichnungen charakterisierte Matisse mit minimalen Mitteln verschiedene Objekte; brachte mit feinen Strichen geschickt lebendig wirkende Körper aufs Papier. Eine extreme Nahsicht lässt das Zusammenspiel als Ausschnitt wirken. Die arrangierten Gegenstände sind der unmittelbaren Umgebung des Künstlers entnommen. Nichts Erdachtes, sondern Geschautes inspirierte den erfahrenen Künstler zum Zeichnen. Mit wenigen, dünnen Linien erfasste er die Umrisse, vermittelte die materielle Qualität und zugleich eine Vorstellung von Gewicht und Volumen.

Matisse widmete sich der Kunst bis zum Ende seines Lebens. Nach einer schweren Erkrankung Anfang 1940 war er ans Bett gebunden, doch das Zeichnen erfüllte ihn durchweg. »Homme et Femme« von 1942 gibt ein kleines Figurenpaar wieder: die Dame mit aufgeplüschtem Kleid und Feder im Haar, der Mann im Smoking mit Fliege. Der Künstler entnahm seine Themen, Szenen sowie Modelle seiner authentischen Umgebung. So diente ihm hier die Figur als Motiv, die sich in seinem Zimmer neben dem Bett in einer Vitrine befand und welche von Matisses Schwiegertochter Louise Milhau gemacht wurde. Matisse folgte dem Credo des Malers Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780-1867), wie er es ein Jahrhundert vorher formulierte: »Die Zeichnung ist die Redlichkeit der Kunst.« (3)

1 Matisse zitiert nach: Jack D. Flam (Hg.), »Über Kunst«, Zürich 1982, S 149.

2 Dominique Fourcade, in: »Henri Matisse. Zeichnungen und Skulpturen«, Ausst.-Kat., Saarland-Museum Saarbrücken 1991, S. 25.

3 Markus Müller (Hg.), »Henri Matisse. Die Hand zum Singen bringen«, Ausst.-Kat., Kunstmuseum Pablo Picasso, Münster 2016, S. 88.

Über Henri Matisse

Henri Matisse, französischer Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer, war ein bedeutender Künstler der klassischen Moderne und Wegbereiter sowie Hauptvertreter des Fauvismus. Er studierte zunächst Jura und entdeckte seine künstlerische Leidenschaft über Umwege, als er während seiner Genesung nach …

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